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Sämtliche Dokumente wurden durch den gleichfalls erschienenen
Herrn von Savigny verlesen und der Gleichlaut mit den
genehmigten Entwürfen konstatiert. Dieselben wurden hier-
auf von Bismarck und Savigny für Preußen, von Pfordten
und Bray für Bayern unterzeichnet. Verschiedene Neben-
fragen wurden in freundlichstem Tone besprochen und die
baldige Herstellung der diplomatischen Vertretung in beiden
Hauptstädten beschlossen. Bismarck wollte noch nicht Abschied
nehmen, als ihm die nach vorgängiger Audienz bei dem
König Wilhelm auf den folgenden Tag angesetzte Abreise
der bayerischen Friedensunterhändler angekündigt wurde, und
wünschte dieselben noch bei sich zu Tisch zu sehen, was, mit
großer Freundlichkeit vorgeschlagen, nicht abgelehnt werden
konnte. Die neuen Alliierten schieden mit dem Schlage
12 Uhr.
Berlin, den 4. September 1866.
Unterredung mit den bayerischen Friedens-
unterhändlern, dem Gesandten Grafen
Bray-Steinburg und dem Ministerialrat
Baron Lobkowitz bei Auswechslung der
Ratifikation des Friedensvertrages.)
Bei der um 11 Uhr stattgehabten Schlußberatung zwi-
schen Bismarck und Bray, welcher Baron Lobkowitz vor-
stellte, wurden sämtliche Verhandlungsgegenstände durch-
gegangen.
Auf Brays Elückwunsch zu der am vorhergegangenen
Tage erfolgten Abstimmung im Abgeordnetenhause, wodurch
in Preußen der innere Frieden gleichzeitig mit dem äußeren
hergestellt worden, erwiderte Bismarck, daß er in der Tat auf
eine so starke Majorität nicht gerechnet habe. Es wurde
*) Aus dem Leben des Grafen Otto von Bray-Steinburg,
„Deutsche Revue“, 1900 Bd. III S. 41.