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Berlin, den 19. Februar 1867.
Unterredung mit dem preußischen Gesand-
ten in München, Prinzen Reuß, betref-
send den bayerischen Ministerpräsidenten
Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst.)
Auf Bismarcks Wunsch erzählte ihm Prinz Reuß die
Lage und Anliegen Hohenlohes. Bismarck bemerkte: „Ich
hege die besten Wünsche für das Reussieren von Hohenlohes
Ministerium, und werde alles tun, was in meinen Kräften
steht, um diesen zu unterstützen.“
Reuß erwähnte den Wunsch Hohenlohes, es möchte das
gleichzeitig mit dem Friedensvertrag zwischen Preußen und
Bayern geschlossene Schutz= und Trutzbündnis baldmöglichst
veröffentlicht werden.
Bismarck: „Ich begreife, daß dies Hohenlohe und der
württembergischen Regierung angenehm ist, und ich habe nichts
dagegen, daß dies seiner Zeit geschieht. Ich will nur ab-
warten, bis der Spektakel in der französischen Kammer sich
etwas gelegt hat. Dann habe ich vor, auf die Sache durch
scheinbare Indiskretionen in den Zeitungen vorzubereiten; ich
würde aber gern Hohenlohes Ansichten hören, falls dieser
die Oeffentlichkeit auf eine andere Weise haben möchte. Sagen
Sie Hohenlohe, wenn er das Bedürfnis fühlen sollte, in
dieser oder einer anderen Angelegenheit sich direkt an mich
zu wenden, so werde ich sehr gerne bereit sein, den Weg der
direkten Privatkorrespondenz zu betreten. Ich habe vollstän-
diges Vertrauen in Werthern“), glaube aber, daß, bevor der-
selbe zu dem Grad von Vertraulichkeit Hohenlohe gegenüber
gelangt sein wird, es diesem vielleicht lieber sein dürfte, gegen
mich sich auszusprechen.“ Montgelas““) bezeichneie Bismarck
*) Denkwürdigkeiten des Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst,
Bd. I S. 203.
**) Der preußische Gesandte in München.
"*“#) Bayerischer Gesandter in Berlin.