— 341 —
Berlin, Anfangs Mai 1869.
Aeußerung, betreffend die Steuerreform im
norddeutschen Bund. ·
Bismarck: „Ich halte es für nötig, zur Verteidigung
der im Reichstag hart bedrängten Steuervorlage die äußer-
sten Anstrengungen zu machen. Es ist daher erforderlich,
das Geldbedürfnis offen darzulegen und den Streit
jedenfalls nicht in den preußischen Landtag verlegen zu lassen,
ohne daß vorher nachgewiesen ist, der Reichstag habe die
Deckungsmittel verweigert, obwohl demselben volle Klarheit
über die Lage der preußischen Finanzen gegeben worden ist.
Unter den Reichstagsabgeordneten scheint die Meinung ver-
breitet, es sei mit dem Defizit nicht so schlimm; durch das
natürliche Steigen der Einnahmequellen werde sich bald Deck-
ung finden. Meinerseits besorge ich aber, daß der Mangel
an Fonds — durch teilweise Aufzehrung der nötigen Be-
triebsfonds der Kassen, durch Vorschüsse an verschiedene Ver-
waltungen des preuhischen Staates und des Bundes, durch
Ausfälle in den veranschlagten Einnahmen und durch
Mehrausgaben im Vorjahre, sowie durch das rechnungs-
mäßige Defizit, welches sich wieder pro 1870 ergeben
wird, weil die Ausgaben des Staates pro Kopf in stärkerem
Maße gestiegen sind, als die Einnahmen, endlich durch Stei-
gerung der Steuerkredite, deren Einziehung immerhin seine
setzentwurf gelangte mit Schreiben Bismarcks vom 5. April 1869
an den Reichstag.
Am 9. April 1869 erwähnte der Geh. Leg.-Rat Abeken ein
hübsches Wort von Bismarck. Ein Franzose hatte ihm den gegen-
wärtigen Zustand in Paris geschildert und mit der Bemerkung
geschlossen: „L'’ empercur hésite entre I envie de vous faire la guerre
et la crainte de so mesurer avec I’ Allemagne. Bismarck erwiderte:
„Chez nous c' est tout juste le contraire, nous n' avons ni cette
envie ni cette crainte.“