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marck kam auf seine früheren Auseinandersetzungen zurüch,
ohne etwas neues anzuführen; er teilte Benedetti aber mit, daß
der Prinz Friedrich Karl geneigt gewesen wäre, ein Aben-
teuer in Spanien zu bestehen, daß sich ihm aber
eine unüberwindliche Schwierigkeit, diejenige der Re-
ligion entgegengestellt habe, welche in den Augen des spa-
nischen Volkes selbst durch einen Religionswechsel nicht weg-
zuräumen gewesen wäre. „Wenn der Prinz sich auch immer
als tapferer und ausgezeichneter Offizier erwiesen hat, so
hat er doch niemals Beweise politischer Fähigkeit gegeben und
er würde nicht im stande sein, in den Verwicklungen, welche
in Spanien vorkommen werden, sich durchzufinden.“ Der Mi-
nisterpräsident wollte indes aus der Zurückhaltung, welche er
sich augenscheinlich auferlegte, nicht heraustreten, er ließ sich
nicht herbei, dem Gesandten zu sagen, ob die Kandidatur des
Prinzen Friedrich Karl ernstlich gestellt und unter welchen Um-
ständen dieselbe besprochen und wieder aufgegeben worden sei.
Berlin, Ende Mai 1869.
Aeußerung, betreffend die Folgen der Ab-
lehnung der Steuervorlage im Reichstag.
Als am 26. Mai 1869 die Börsen= und Biersteuer
im Reichstag des norddeutschen Bundes abgelehnt worden war,
bemerkte Bismarck unter Verurteilung der Haltung der li-
beralen Partei: „Es muß nunmehr den Wählern deutlich ge-
macht werden, daß die ablehnende Haltung der Abgeord-
neten nicht sowohl der Regierung als dem Lande selbst zum
Schaden gereicht. Dieser Zweck wird dadurch erreicht, daß
auf jedem Gebiete eine das materielle Interesse der Kreise emp-
findlich berührende Einschränkung der Ausgaben der Staats-
kasse erfolgt.“