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abschwächen, weil er unklar, liberal, und mehr anekdotenerzäh-
lender Höfling als Staatsmann ist, und Frau von Usedom
wird uns durch ihre Erxzentrizität Verlegenheit und uner-
wünschte Eindrücke in Frankfurt zuziehen.“
Der Regent: „Das ist es ja eben, daß die hohe Be-
fähigung Usedoms sich nirgendwo anders verwerten läßt, weil
seine Frau an jedem Hofe Verlegenheiten herbeiführen würde.“
Bismarck: „Danm ist es also ein Fehler, daß ich nicht
auch eine taktlose Frau geheiratet habe, sonst würde ich auf
den Posten, auf dem ich mich heimisch fühle, denselben Anspruch
haben, wie Graf Usedom.“
Der Regent: „Ich begreife nicht, wie Sie die Sache
so bitter auffassen können; Petersburg hat doch immer für
den obersten Posten der preußischen Diplomatie gegolten, und
Sie sollten es als einen Beweis hohen Vertrauens aufnehmen,
daß ich Sie dahin schicke.“
Bismarck: „Sobald Eure Königliche Hoheit mir dieses
Zeugnis geben, so muß ich natürlich schweigen, kann aber doch
bei der Freiheit des Wortes, die Ew. Königliche Hoheit mir
jederzeit gestattet haben, nicht umhin, meine Sorge über die
heimische Situation und ihren Einfluß auf die deutsche Frage
auszusprechen. Usedom ist ein brouillon, kein Geschäftsmann.
Seine Instruktion wird er von Berlin erhalten; wenn Graf
Schlieffen Decernent für deutsche Sachen bleibt, so werden die
Instruktionen gut sein; an ihre gewissenhafte Ausführung
glaube ich bei Usedom nicht.“
Nachdem Bismarck sich noch über den bundestäglichen
Posten geäußert, ging derselbe auf die Gesamtsituation über:
„Ew. K. H. haben im ganzen Ministerium keine einzige staats-
männische Kapazität, nur Mittelmäßigkeiten, beschränkte
Köpfe.“
Der Regent: „Halten Sie Bonin für einen beschränkten
Kopf?“