Full text: Also sprach Bismarck. Band I. 1846 - 1870. (1)

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Die liberale Partei ist in Preußen und in Deutschland so 
mächtig, die Gesamtheit der Elemente, welche die Partei 
bilden und noch fest zusammenhängen, ist so beträchtlich und die 
öffentliche Meinung spricht sich so energisch zu Gunsten 
der Mehrheit der Kammer aus, daß wir alles von 
einem heftigen Ansturm der Meinungen zu fürchten haben. 
Was ist unter so mißlichen Umständen zu tun? Welchen 
Entschluß soll man fassen?“ 
Persigny: „Wenn Sie wie England an die Freiheits- 
kämpfe gewöhnt wären, wenn alle Klassen der Gesellschaft in 
Preußen daran gewöhnt wären, einen Ausgleich durch gegen- 
seitige Zugeständnisse herbeizuführen, wenn Sie insbesondere 
nicht den Illusionen ausgesetzt wären, von welchen alle Neu- 
bekehrten der Freiheit unfehlbar ergriffen werden, so würde ich 
Ihrem Könige raten, sich vor der öffentlichen Meinung zu 
beugen und ohne Befürchtung die Wege der konstitu- 
tionellen Regierung einzuschlagen. Aber bei der gegenwärtigen 
Lage der Dinge würde das töricht sein. Daß Sie nicht ver- 
standen haben, einer unerfahrenen und zur Regierung Ihres 
Landes unfähigen Partei Widerstand zu leisten, war eine 
Schwäche, und diese Schwäche werden Sie eines Tages mit 
blutigen Tränen zu bezahlen haben.“) 
Sie haben die günstige Chance, daß der Kampf der 
liberalen Partei gegen Ihre Regierung sich auf die Armee- 
Frage erstreckt, und daß die Regierung infolgedessen, indem sie 
die Armee verteidigt, die letztere auf ihrer Seite hat. Sie 
haben noch einen anderen wertvollen Vorteil zur Seite: im 
Gegensatze zu uns in Frankreich ist bei Ihnen die Bewilligung 
des Budgets durch die Kammer nicht unerläßlich für den Fort- 
gang der Regierung, da im Falle eines Konfliktes zwischen 
den Staatsgewalten das Budget des vorhergehenden Jahres 
*) Folgt ein Hinweis auf die Lehren der Geschichte, die Per- 
sigany auf die Verhältnisse Preußens anzuwenden empfahl.
	        
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