Schloß Babelsberg, den 22. September 1862.
unterredung mit König Wilhelm, betreffen?
Bismarcks Politik nach Eintritt in das Mi-
nisterium.“)
König Wilhelm trug sich mit dem Gedanken eines Ver-
zichts auf die Krone und zeigte Bismarck das auf dem Tische
liegende Aktenstück in seiner Handschrift; ohne geeignete Mi-
nister könne er nicht regieren.
Bismarck: „Es ist Eurer Moajestät bereits seit dem Mai
bekannt, daß ich bereit bin, in das Ministerium einzutreten,
ich bin gewiß, daß Roon mit mir bleibt, und ich zweifle nicht,
daß die weitere Vervollständigung des Kabinetts gelingen
wird, falls andere Mitglieder sich durch meinen Eintritt zum
Rücktritt bewogen finden sollten.“
Der König: „Sind Sie bereit, als Minister für die Mi-
litär-Reorganisation einzutreten, auch gegen die Majorität des
Landtages und deren Beschlüsse?“
Bismarck: „Ich bin bereit.“
Der König: „Dann ist es meine Pflicht, mit Ihnen die
Weiterführung des Kampfes zu versuchen, und ich abdiziere
nicht.“
Der König forderte Bismarck auf, ihn in den Park zu
begleiten. Auf diesem Spaziergange gab er Bismarck ein Pro-
gramm zu lesen, das in seiner engen Schrift acht Folioseiten
füllte, alle Eventualitäten der damaligen Regierungspolitik
umfaßte und auf Details wie die Reform der Kreistage
einging.
Es gelang Bismarck bei der weiteren Unterredung, den
König davon zu überzeugen, daß es sich für ihn nicht um
Konservativ oder Liberal in dieser oder jener Schattierung,
sondern um Königliches Regiment oder Parlamentsherrschaft
handle, und daß die letztere unbedingt und auch durch eine
*) Bismarck „Gedanken und Erinnerungen“, Bd. I S. 267.