62 Preußen gegen die Umsturzbewegung.
nung und die Achtung vor dem Gesetz wiederherzustellen. In der Pfalz, in
Baden und in Dresden waren neue Aufstände zu gunsten der Reichsverfassung
ausgebrochen, und indem preußische Truppen bei der Niederwerfung dieser Auf-
stände mitwirkten, wurde der Anschein erweckt und von den Gegnern Preußens
geflissentlich genährt, als ob Preußen den Reichsgedanken und den Versuch
seiner Verwirklichung sogar mit Waffengewalt bekämpfe. ·
Ein schon im Jahre 1848 in der preußischen Monarchie selbst, und zwar
in der Provinz Posen ausgebrochener Aufstand hatte seine besonderen Ursachen
gehabt. Die allgemeine Bewegung der Revolutionsjahre hatte auch die polnische
Bevölkerung ergriffen und die schlummernde Erinnerung an die einstige Selbst-
ständigkeit des Polenreichs wieder wachgerufen. Von fanatischen Geistlichen
angefeuert, von heruntergekommenen Edelleuten geführt, war das polnische
Landvolk der Provinz Posen mit Büchsen und gerade aufgerichteten geschliffenen
Sensen, den alten Waffen der polnischen Kosseniere, in die verschanzten Lager
zu Tions, Miloslaw, Wreschen und Schroda geeilt. Erst nachdem die Auf-
ständischen von den preußischen Kolonnen unter General von Wedell und
Brandt gegen die russische Grenze gedrängt worden waren, wo Kosaken ihnen
entgegentraten und den Ubertritt wehrten, streckten sie die Waffen. Leider
benutzten später die Führer der Bewegung die durch eine allgemeine Begna-
digung ihnen wieder geschenkte Freiheit, um an andern Orten die Leitung des
Widerstandes gegen die preußische Regierung in die Hand zu nehmen, so ins-
besondere Mieroslawski, der bald danach an der Spitze des badischen Auf-
ruhrs wiederholt im Kampfe gegen preußische Truppen stand.
Einzelne Ruhestörungen in Düsseldorf und andern rheinischen Städten
hatten nur geringe Bedeutung und wurden ohne größeres Blutvergießen schnell
unterdrückt.
Zur Mitwirkung bei der Wiederaufrichtung der Ordnung und Herrschaft
des Gesetzes auch außerhalb der preußischen Landesgrenzen, in Sachsen, in
Baden und in der Pfalz, war Preußen vornehmlich deshalb berufen, weil im
Gegensatz zu den süddeutschen Truppen die militärische Disziplin und die
soldatische Pflichttreue im preußischen Heere niemals geschwankt hatte. Getreu
der guten altpreußischen Überlieferung war hier der Soldat nichts als Soldat,
und unbedingt und überall konnten sich die Führer auf jeden Mann ihrer
Truppe verlassen.
Niederwerfung des Aufstandes in Dresden. Seit der Erschießung Robert
Blums hatte sich in Dresden und in andern Teilen Sachsens der Geist der
Auflehnung in bedenklicher Weise bemerkbar gemacht. Dresden war der Mittel-
punkt der Bestrebungen jener, welche vor den äußersten Gewaltthätigkeiten nicht
zurückschreckten, und die Wortführer der Umsturzpartei fanden um soleichter Gehör
bei den Massen, weil diese sich um das von den Agitatoren zur Schau ge-
tragene schwarz-rot-goldene Reichsbanner zu scharen glaubten, hinter dem sich
in Wirklichkeit aber nur die rote Fahne der Revolution verbarg. In der
schönen Elbstadt ward also der Aufstand „für die bedrohte Reichsverfassung“
organisiert, und ein energischer Mann, der russische Flüchtling Bakunin, leitete
hier die Verteidigungsanstalten, als die Preußen zur Verhütung weiteren Un-