76 Preußen gegen die Umsturzbewegung.
Indem Hackländer noch der guten Beziehungen zwischen Führer und Sol-
daten gedenkt, schließt er: „So müssen auch Soldat und General zusammenstehen,
wenn Großes und Schönes herauskommen soll . . . Die Armee muß dem
Buchstaben des Befehles willenlos gehorchen, wie das Kriegsschiff dem Steuer-
Gruder. Ein Soldat, der grübelt und nachdenkt, ob der Befehl des Vorgesetzten
in seiner ganzen Ausdehnung zu erfüllen sei, ist ein Unsinn, und ein Regiment
solcher Soldaten kehrt heute seine Bajonette nach dieser, morgen nach jener Seite.
Der Soldat hat nur ein Glaubensbekenntnis, dem er unbedingt folgen muß:
das Kommandowort“ . . . .
Auf einer im Dezember 1844 angetretenen Inspektionsreise am Rhein
zeichnete der Prinz die wegen des badischen Feldzugs Dekorierten mannigfach
durch freundliche Ansprache aus. Auch die in Baden stehenden Truppen wurden
besichtigt. Als am Tage Allerseelen die in Durlach stehende fünfte Kompanie
des 30. Infanterieregiments gerade beschäftigt war, die Gräber ihrer dort ge-
fallenen Kameraden zu schmücken, erschien plötzlich ein preußischer Offizier im
Uberrock, ohne alle Abzeichen, nur von einem Reitknecht begleitet. Er trat an
das schon von den Soldaten verlassene Grab und verrichtete ein stilles Gebet.
Erst als die Soldaten sich nochmals nach dem Grabhügel zurückwendeten, er-
kannten sie in dem schlichten Offizier ihren verehrten Oberbefehlshaber, den
Prinzen von Preußen.
Nach und nach beruhigten sich die Gemüter der Bewohner des südwest-
lichen Deutschlands. Im deutschen Volke aber, wie geteilt es auch sonst sein
mochte in Rücksicht auf Neigungen und Eigentümlichkeiten, verhallte die allgemeine
Losung jener Tage: „Einheit und Freiheit!“ nicht. Und was in jener be-
wegungsvollen Zeit vergebens — weil auf falschen Wegen — erstrebt worden
war, das sollte nach weiteren zwei Jahrzehnten stiller Arbeit und nach ruhm-
volleren Kämpfen, als jene der Revolutionsjahre es waren, seine um so schönere
Verwirklichung finden.