Full text: Fünfzig Jahre aus Preußens und Deutschlands Geschichte.

Wiederherstellung des alten Bundestages. 87 
Biederherstellung des alten Bundestages infolge des Olmützer Vertrages. 
Minister von Manteuffel begab sich nun zur Konferenz nach Olmütz, um 
mit dem österreichischen Ministerpräsidenten Fürsten Felix von Schwarzen- 
berg namens seines Monarchen sich über die Ordnung der deutschen Verhält- 
nisse zu derständigen. 
Das Ergebnis dieser Verhandlungen war der vielbesprochene, Preußen 
demütigende Olmützer Vertrag vom 19. Rovember 1850. Unter der Einwirkung 
des Druckes, den Kaiser Nikolaus, Deutschlands böser Geist während mehrerer 
Jahrzehnte, auf Preußen ausübte, erklärte sich dieses mit den Maßregelungen 
zur „Wiederherstellung der Ordnung“ in Kurhessen einverstanden und versprach 
auch, dem Friedensschluß in Schleswig-Holstein zu gunsten der Dänen sich nicht 
zu widersetzen. Außerdem willigte man preußischerseits ein, eine Konferenz 
in Dresden zu beschicken, um sich über die Wiederaufrichtung des „Deutschen 
Bundes“ zu verständigen. Und in der That lebte der verhaßte Bundestag, 
nunmehr auch von Preußen wieder beschickt, am 30. Mai 1851 in der früheren 
Weise noch einmal auf. Derselbe schritt alsbald in Schleswig-Holstein zu 
gunsten Dänemarks ein, setzte die „deutschen Grundrechte“ außer Kraft und 
ließ am 2. April 1852 — Schande über Schandel! — die in den Bewegungs- 
jahren begründete deutsche Flotte durch seinen Bevollmächtigten, den olden- 
burgischen Staatsrat Hannibal Fischer, öffentlich versteigern!! 
Das Wiederaufleben des alten kraftlosen Bundestages erfüllte nach der 
einen Seite hin den erhofften Zweck. Es diente dazu, Preußen von neuem an 
seiner Entwickelung zu hindern, und ließ Deutschlands Einheit nicht aufkommen; 
selbst die Führung der Nordstaaten entglitt Preußens Händen. Rücksichten auf 
das Ausland, besonders auf Rußland, der Mangel an thatkräftigem Willen 
seitens derjenigen, welche an der Spitze des preußischen Staates standen, sowie 
der Eigennutz der kleineren deutschen Regierungen ließen die schöne Gelegenheit 
zur Einigung Deutschlands, welche die Jahre 1848 bis 1850 so reichlich dar- 
geboten hatten, ungenützt vorübergehen. 
Es folgte nun eine lange Zeit politischer Erschlaffung und bedauerlicher 
Rückschrittsbestrebungen, während welcher die Einheit Deutschlands fast nur auf 
wirtschaftlichem Gebiete Ausdruck fand. Die Versuche Osterreichs, den Zoll- 
verein zu sprengen, um den Eintritt in denselben zu erlangen, scheiterten an der 
Umsicht, die Preußen wenigstens in dieser Beziehung entfaltete; es traten im 
Gegenteil Hannover, Oldenburg und einige kleinere Staaten, die bisher dem 
Zollverein widerstrebt hatten, diesem bei. 
Auch das politsche Leben schien zeitweilig aus seinem Winterschlafe wieder 
erwachen zu wollen. Am 14. September 1859 wurde zu Frankfurt a. M. 
der „Nationalverein“ begründet, der die Errichtung eines einigen Deutsch- 
lands mit Preußen an der Spitze und mit einem Volksparlament anstrebte. Die 
Gefahr eines Krieges gegen Deutschland lag damals nach den Waffenerfolgen 
der französischen Heere in Oberitalien (gegen Osterreich) in der Luft; unter dem 
Eindruck dieser Gefahr faßte der Verein schnell Boden und wuchs auf 30000 
Mitglieder an. Die Bewegung geriet jedoch wieder ins Stocken infolge des
	        
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