Full text: Geschichte des deutschen Volkes.

Dornberg. Schill. Fciedrich Wilhelm von Braunschweig-Ols. §8 622—627. 389 
erwartetem Losschlagen sollte eine Landung der Engländer an der Ems- 
oder Wesermündung geschehen, zum mindesten mit 50000 Mann. Dadurch 
sollte die ihren alten Fürstenhäufern noch treue Bevölkerung in Hannover, 
Braunschweig, Hessen zu den Waffen gerufen werden. Preußen, meinte man, 
würde sich dann sicher anschließen, und so das gesamte Deutschland den 
Kampf gegen Napoleon aufnehmen. Dies war der Plan, der aber durch 
das Zögern und die Selbstsucht Englands, das jene Landung auf Walcheren 
in den Niederlanden (§ 615) der in Deutschland vorzog, nicht zustande kam. 
Nur einzelne Bewegungen, zwar bald verunglückt, aber doch schön und 
heroisch, traten statt der allgemeinen Erhebung zu Tage. 
* 623. Dörnberg stammte aus hessischem Adel, hatte sich seines 
tapferen Volksstammes früh würdig gezeigt, sich in seinen Jugendjahren bei 
verschiedenen militärischen Ereignissen ausgezeichnet und noch 1806 Blüchers 
Keldenlos bis zuletzt mit ihm geteilt. Er war dann, in Preußen bei der 
Grminderung des Heeres verabschiedet, als Oberst in Teromes Dienst ge- 
treten, trug aber, wie das gesamte Hessenvolk, mit Unwillen das fremde Joch 
und war in den oben gedachten Erhebungsplänen fortwährend thätig. Das 
Land schien zum Aufstand reif, vor allem auf die Bauern, die in Hessen 
noch immer landwehrfähig waren (§ 401), zählte man. Dörnberg faßte 
den Plan, mit jenen und mit seinem Bataillon, auf das er rechnen zu können 
glaubte, den König von Westfalen in seiner eigenen Hauptstadt gefangen 
zu nehmen. Aber die Bauern brachen zu früh los (21. April). Nun mußte 
Dörnberg Kassel verlassen, doch sah er sich in kurzem an der Spitze von 
8 bis 100000 Landleuten. Aber des Krieges zu ungewohnt und fast waffen- 
los, zerstob der Haufen bei den ersten Kartätschenschüssen und Reiterangriffen, 
die auf ihn geschahen. Im Bauernkittel verkleidet, kam Dörnberg nach 
vielen Abenteuern zum Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig, den er 
dann tapfer begleitete, bis er später in Rußland und zuletzt in preußischen 
Militärdiensten eine ehrenvolle Stellung gefunden hat. 
*624. Schill, ein feuriger, schöner Mann, etwas zu rasch und aben- 
teuerlich, aber ein Held durch und durch, hatte sich, wie oben (§ 587) er- 
zählt, in der Verteidigung Colbergs ausgezeichnet. Er war damals der erste, 
der, als die Franzosen vertragsmäßig endlich 1808 Berlin räumten, mit 
preußischen Truppen wieder in die Hauptstadt einzog und als Liebling der 
Soldaten wie der Bürger voll Begeisterung empfangen ward. Auf (r 
wandten sich die Augen selbst bedeutenderer Männer, wie Steins, Gneise- 
naus u. a., die jene oben besprochenen Aufstandspläne letteten. Er war 
bereit loszuschlagen. Zugleich sollte Dörnberg in Hessen, andere jüngere 
Offiziere in der Altmark gegen Magdeburg losbrechen. Nun begann, im 
April 1809, Osterreich seinen Krieg, aber Preußen zauderte mit seinem Bei- 
tritt. Da faßte Schill den freilich gewaltsamen, aber doch hochherzigen Ge- 
danken, das Beispiel zu einem norddeutschen Volkskampfe zu geben und wo- 
möglich Preußen und seinen König mit fortzureißen. Am 28. April führte 
er sein Reiterregiment (etwa 500 M.) wie zum Exercieren vor Berlin hin- 
aus. Draußen erklärte er ihnen, er sei entschlossen, den Kampf gegen den 
Unterdrücker Deutschlands zu beginnen. Die Reiter, die ihm mit ganzer 
Seele anhingen, folgten ihm mit begeistertem Zuruf. An zweihundert Mann 
aus seinem Infanterie-Bataillon mit vier Offizieren eilten ihm später frei- 
willig nach. Bald mehrte sich seine Zahl; er wandte sich auf Sachsen, er- 
zwang sich den Durchmarsch durch Wittenberg und rückte dann auf Halle, 
die treue preußische Stadt, die ihn wie einen Befreier empfing. Nun aber