522 Geschichte der Akademie unter Frieprien Wirners D. (1786-1797).
Recht des Deutschen in der Akademie wieder beschränkt wurde‘,
sie duckten sich, als WOorLLSER, den sie doch verabscheuten, die
Geschäfte übernahm, und sie bäumten sich nicht auf, als Edicte
gegen die Freiheit der Wissenschaft, wie das gegen Kant gerichtete,
erschienen‘. Mit Händen kann man es hier greifen, «dass diesen
TELLER, ENGEL, ZoFLLsEeR bei allem Tugendgerede das thatkräftige
Ptlichtgefühl und bei alleın »Fortschritt« das begeisternde und fülrende
Ideal fehlte. Nicht nur ihre Aesthetik, mit der im Jahre
1796 die Xenien abhrechneten, auch ihr Patriotismus und ihre Weltanschauung
war bankerott. Seit zehn Jahren war ihnen Gelegenheit
gegeben, zu zeigen, was sie konnten. Sie schmeichelten sich auch,
die Gelegenheit benützt zu haben — in der Auseinandersetzung mit
Kant und in Einzelforschungen haben sie wirklich etwas geleistet —.,
aber in der Leitung des Ganzen liessen sie Ausländern und einem
WorLLnerR das Feld, und nicht erst die Nachwelt, sondern schon
die jüngeren Zeitgenossen urtheilten mit Recht, dass sie die höheren
Aufgaben, die ihnen gestellt waren, in keinem Sinne gelöst haben.
Auch die preussischen Akademiker haben einen Frieden von Basel geschlossen!
Es bedurfte anderer Charaktere, anderer Patrioten, anderer
Talente, um die halbfranzösische Acadcmie Royale in eine Gemeinschaft
umzuwandeln, die des deutschen Namens würdig war. Am
16. November 1797 starb der König; er hatte in den letzten drei
Jahren die Akademie kaum mehr beachtet. Sein Nachfolger dachte
zunächst daran, sie aufzuheben oder doch gänzlich umzugestalten.
! Die »Franzosen« hatten sich ein paar Jahre vorher besser gewehrt, als die
Herrschaft ihrer Sprache in der Akademie gebrochen werden sollte; s. nicht nur
VERDY DU VERNoIs Vorstellung (oben S. 5ıı), sondern auch Mertax's Ausführungen
in den Mcmoires 1785 (erschienen 1787) p. 3981.
3 Die berüchtigte Kabinetsordre gegen Kaxr. der doch Mitglied der Akadeinie
war, erschien am 1. October 1794. als Herrzuers schon ein todter Mann war.
Sie ist von WoELLXER gegengezeichnet. — Von den verschärften Censurmaassregeln
wurden indirect auch die Berliner Akademiker getroffen. Nıcorar, der übrigens
noch nicht Mitzlied war, verlegte seine » Allgemeine Deutsche Bibliothek« nach Kiel.
Aber in der Akademie wurde das Worr«xer'sche Regime (s. die Eloges. die nach
1797 gehalten worden sind) erst kritisirt, nachdem der verabscheute Mann gestürzt
war. Das freie Wort zog sich aus der Akademie in die private »Philosophische
Gesellschaft«e zurück, die noch bei Lebzeiten MEXDELSsoHN’s 1733 gegründet worden
war (s. über sie oben S. 392 und die Eloges von Nicor.aı auf ExGen und TELLER in den
Abhandlungen der Akademie 1803 8.17. 1804/11 S.50 und den Artikel »E. F. KLeEıx«
in der Allgemeinen Deutschen Biographie Bd. ı6 S.89; es gehörten ihr SparLnıns.
Excer, KrEeın, Donun, Senne, NicoLar, ZOELLNER, BiestER und Andere an; hier
wurde eine gehaltvolle und fördernde Geselligkeit gepflegt; die Mitglieder lieferten
Aufsätze ein, die eirculirten und eingehend kritisirt wurden). Die Gesellschaft
löste sich 1798 auf, als sie nicht mehr nothwendig schien.