Full text: Leopold von Ranke's sämmtliche Werke. 27. und 28. Band. Zwölf Bücher Preußischer Geschichte. Fünftes bis neuntes Buch. (27)

62 Fünftes Buch. Drittes Copitel. 
Hätte es, man erlanbe uns diesen Rückblick, in dem dreißig- 
jährigen Kriege eine solche gegeben! Dann würde weder die katho- 
lisch-österreichische Macht mit der Unterstützung von Spanien Nord- 
deutschland überfluthet, noch auch das deutsch-schwedische Kriegsheer 
unter französischem und zuweilen englischem Einfluß daselbst vor- 
gedrungen sein. Wohl waren damals die religiösen Antriebe bei 
weitem gewaltiger, und so zu sagen wilder; aber man weiß, wie oft 
die politischen Interessen damit zusammenfielen. Die Welt war nun 
dahin gekommen, daß die letzten die Feindseligkeit der ersten in Zaum 
hielten. Unmöglich kann ein großer Staat ausschließend auf Einem 
Glaubensbekenntniß beruhen; er braucht zu seinem Dasein eine Menge 
von Kräften, die von der religiösen Wahrheit unabhängig sind. 
Sollten wir jemals wieder untereinander schlagen, so durfte es nicht 
der religiösen Entzweiung halber geschehen, die auf diese Weise nicht 
auszumachen ist, und noch weniger wegen fremder Streitsachen, so 
nahe sie sich auch an die deutschen herandrängten und sie zu ergreifen 
suchten; wenn es nicht anders sein konnte, so mußten wenigstens nur 
die eigenen Staatsinteressen der deutschen Mächte den Anlaß geben. 
Die vornehmsten, welche in Frage kommen konnten, zwischen 
Preußen und Oesterreich, waren diese soeben beschäftigt, miteinander 
auszutragen. 
Schon im Jahre 1726 waren, wie berührt, Unterhandlungen 
auf das ernstlichste und mit gutem Erfolge gepflogen worden. 
Worauf Alles ankam, wovon Alles abhing, das war die An- 
erkennung der pragmatischen Sanction. Ein größerer Vortheil konnte 
für das Haus und die Monarchie von Oesterreich damals nicht er- 
langt werden, als wenn zunächst einer der mächtigsten Reichsfürsten, 
dem die übrigen folgen würden, diese Satzung gewährleistete. Un- 
möglich hätte sich jedoch das eine oder das andere erreichen lassen, 
wenn der Kaiser dabei geblieben wäre, seine Tochter an einen spa- 
nischen Prinzen zu vermählen. Es ist eine Zusammenkunft einiger 
der angesehensten Reichsfürsten in Mannheim gehalten worden, in 
welcher sie sich ausdrücklich dagegen verwahrten. Auch Friedrich Wil- 
helm wollte nur von dem österreichischen Stamme deutscher Nation 
hören, und es sind ihm darüber immer beruhigende Erklärungen ge- 
geben worden. Dies vorausgesetzt nun, erklärte er sich bereit, die 
Erbfolgeordnung anzuerkennen; jedoch hatte auch er eine Begünstigung 
dagegen zu fordern. Denn als vollkommen frei sah er seine Ein- 
willigung an, und es schien ihm billig und recht für einen so großen. 
Dienst auch seinerseits einen Gegendienst zu verlangen. Er machte
	        
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