Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

Aummer  252

Rosenheimer  Anzelger

Donnerstag,)  8.  November  1912

 

ter  len.  Frau  Collon  ist  häufig  zusammen
mi  dent  krüheren  Bescher  des  berüchtigten
#nacgenesies  am  Riesenweg  gesehen  worden.
Anderseits  wird  auch  gesagt,  daß  Collon,  der
acbenso  wie  seine  Fcau,  ein  leidenschaftlicher  Spieler
  war,  seine  zerrütteten  Vermögensverhältnisse
  durch  einen  Selbstmord  habe  in  Ordnung
bringen  wollen,  indem  er  dadurch  seiner  Frau
die  Auszaliung  einer  Lebensversicherung  er-Mmöglichte.
  Sicherlich  haben  eine  oder  zwei  Personen
  uu  dieser  Angelegenheit  Selbstmord  be-Nangen.
  Es  handelt  sich  eben  nicht  nur  um
Epianage  Legen  Deutschland,  sendern  auch  um
eine  soiche  gegen  die  Schweiz,  die  dem  Betrefsenden
  eine  Veslrafung  wegen  Landesverrals
eingelragen  haben  würde.

Vern  der  zumänischen  Front.

Zun  einer  Seltionssitzung  des  Petersburger
Atrd.  ter  und  Soldatenrates  erslattete  eine  Abordunng
  von  der  rrumänischen  Front  einen
Verit  über  die  Stimmmung  unter  den  Truppen,
  der  in  folgende  Worte  ausllang:  „Der
gane  Frontabschnitt  ist  ermüdet  und  zu  weiteren
  Kämpfen  nicht  bereit:  die  Soldaten  fordern
  sofortigen  Friedensschluß.  Wenn  in  der
nachsien  Zeit  tein  Friedensschluß  erfolgt,  verlassen
  die  Soidaten  eigenmächtig  die  Schützengräben.
  Sie  weigern  sich  jetzt  schon  zu  schießen.
  In  einigen  Wochen  werden  die  Soldaten
die  W  vafi  sen  niederlegen  und  den  Frieden  verkünden.“
  J½  Anschluß  an  diese  Mitteilung  fanden
  in  der  Selt  onssitzung  leine  Debatten  statt.
Die  D  weniersen  nahmen  den  Bericht,  der  ins
Minister-Komitee  weitergeleitet  wurde,  im  voller
  Ruhe  zur  Kenntnis.

i.

Nilolauce,  wo  bist  du?

Der  Kraluner  „Dzas“  meldet  nach  dem  ossfi-5
  ren  boen  Arbeiler  und  Soldatenrates,
##dedm  die  ameritanische  Kommission,
jn  N.  Lm  id  Desuchte  und  über  Wladiwostoĩ
  nit  den  mge  ded  ameritanischen  Roten
Krcuzes  vbie  Nütfrei  se,  angetreten  habe,  den
Jaren  mei  —EI—  entführ.
le  unnd  *  Amerika  brachte.  Daraufbin  sei
soferi  n  bee  Untersuchungslommission
aus  Peiersburg  nach  Sibirien  entsandt  worden,
die  diese  A  656%  egenheit  unlersuchen  u.  schleunigst
  daruber  Uerichlen  soll.  Vorerst  darf  man
hinter  die  Meldung  cin  Fragezeichen  machen,
wenn  aumo  die  Mügliähcit  ihrer  Nichtigleit  nicht
von  der  Dand  zu  weisen  isl.

  

 

Rohyeiten  der  amerilani  schen

Kriegeheber.

  

  

Oer  Kßf  gegen  die  Friedensbewegung  hat
zur  itn  einen  Bunder,  der  sog.  „Weißen
Müze“,  »  fulrl.  Am  Somtag  schlepplen  Mitelicber
  UGVeesellschaft  den  Pazifisten  Dr.

  

riom,  einen  Führer  des  „Vollsin
  Gincinnatti  bei  einer  großen

 

.  vor
Friedemeversummiung  hätte  sprechen  sollen,  fort.
Er  warde  mit  Gewall  20  Meilen  weit  in  die

wo  er  ausgepeitscht  und  liegen
  geiaf  1  Wurde.  Dr.  Bigelow,  der  einer  der
angeschen  9  wilen  in  Amcrika  angehört
und  po.  it  sc  einc  bedentende  Nolle  spielt,  besindet
  sich  sthwer  lrank  in  einem  Spilal  in
Kincinnali.

Einöde  999  ¾z:4,

   
   

 

 

Am  den  Fieden.

Zur  Papstnote.

In  einem  seür  bedeutsamen  Briefe  laßt  der
Hellige  Bauer  durch  den  Kardinal-Staatsselre.

  
 

tär,  dem  Mitir.  Chesnelong,  Erzbischof  von
Sens,  nychlmin,  bie  papstliche  Note  vom  1.  August
  1817  rliten.  Der  Kardinal  Staatosekreiär

  lußt  darin  seine  Ueberraschung  zum  Ausdruck
  lonimen,  mit  der  er  beobachtet  habe,  doß
die  Abneigung  gegen  den  Friedensschritt  des
Papstes  besonder  in  Frankreich  so  slark  sei,  da
doch  nichts  weniger  als  von  ciner  Begünstigung
der  Zentralmächte  die  Rede  sein  lönne.  Wenn
jemand  begünstigt  sei,  dann  sei  es  gerade
Frankreich  und  Belgien  an  erster  Stelle.  Vollig
falsch  sei  die  Behauplung,  die  Note  sei  von  den
Zentralmar  öten  beeinflußt.  Immer  wieder  werde
  die  Forr#erung  gesiellt,  der  Papst  möge  doch
erst  in  seiner  Cigenschaft  als  obersler  Richter
in  Sachen  der  Moral  und  der  Gerechtigkeit
einmal  darüber  entscheiden,  wer  am  Kriege
schuld  sei.  Nun  aber  habe  der  Heilige  Vater
aus  Teilnahme  jur  die  leidende  Menschheit  das
Vermittleramt  ubernommen,  cum  die  Kriegführenden,
  von  denen  iede  die  Echuld  der  Gegenpartei
  zuweist,  zur  Cimselsung  des  entsetzlichen
Mordens  und  zur  Anbahnung  des  Friedens
zu  bewegen.  „Kamm'’  es  da  —  ftägt  der  Kardinal
  der  Rolle  des  Vermiltler?  zukommen,
darüber  zu  entscheiden,  welche  der  beiden  anwesenden
  Parteien  schuldig  sei  und  umecht  habe?
  Wärde  er  damit  erreichen,  die  beiden  Parteien
  zu  dem  von  ihm  beabsichtigten  Ziele  les
führen?“  Diese  Frage  enthält  schon  die  Antwort;
  es  liegt  auf  der  Hand,  wie  es  sich  schon
#Us  den  allerei#achstem  Tagesstreitggreiten
deihen  läht,  daß  —  der  zwischen  den
Streitenden  vermitteln  will,  nicht  zum  vorne
rein  die  eine  oder  andere  der  Porteien  ver-Mcteilen
  kann.  4  ,  ν

ordnung  sei  in

“

4  zien  wird  das  Ko

 

Bulgariens  Kriegsziele.

In  der  letzten  Sobranje-Sitzung  gab  Minister.
prösident  Radoslawow  über  die  Kriegsziele
Buchatien  bei  t  Hervorhebung  der

Dobrudscha  unter  tärmischem  Beifall  folgende
Erllärung  ab:  Um  jeden  Zweifel  zu  beseitigen,
wolle  er  Kiierlich  erklären,  daß  „alle  Geblete,
wo  bulgarisches  Blut  geflossen  ist,  Bulgarien  gehören
  werden“.

Bonsiche  Nansschun.

Die  Regierungskrise  in  Berlin.

Die  Negierungslrise  hat  neuen  Konfliktssloff
erhalten.  Es  ist.  milgeteilt  worden,  daß  d#.
Vertreler  der  vier  Parteien,  also  des  Zentrums,
  der  Nationalliberalen,  der  Fortschrittlichen
  Volkspartei  und  der  sozialdemotkratischen
Mehrheitsgruppe  aufs  neue  dem  Reichskanzler
gegenüber  den  Wunsch  ausgedrückt  haben,  daß
neben  dem  Grafen  Hertling  ein  fortschrittlicher
Parlamentarier  zum  Vize  lanzler  ernannt  und
vor  allem,  daß  ins  uß.  Staatoministerium
ein  fortsch  ritlicher  A.  zeordneter  berufen  werden
  möge.  Der  Kaiser  hatte  die  Ernemmung  des
Landtagsabg.  Dr.  Friedberg  zum  Vizepräsidenten
  des  preuß.  Staaleministeriums  bereils  unterschrieben.
  In  den  Kreisen  der  vier  Mehrheitsparteien
  glaubte  man,  Grund  zu  der  Annahme
  zu  haben,  daß  Dr.  Friedberg  den  Posten
  annehmen,  aber  seinerseito  gleichgeitig  den
Wunsch  der  Mehrheitsparteien  auf  Berufung  eines
  Fortschrittlers  in  das  preuß.  Ministerium
vertreten  und  zur  Voraussetzung  für  seine  Mitarbeit
  machen  werde.  Zur  Ueberraschung  ailer
Beleiligten  und  nicht  zuletzt  seiner  Parteifreunde
  im  Reichstag  hat  Friedberg  sich  anders
besonnen.  Er  lehnte  ab,  da  er  von  der  Verufung
eines  sortschrittlichen  Wchgeordneten  i  in  die  preu-Pische
  Regierung  nichts  wissen  will;  auch  bei  der
Negierung  soll  es  starken  Widersland  dagegen
geden.  Damit  ist  also  ein  neuer  Kouflikt  gegeben,
  und  es  erheben  sich  bereils  Vorwürse
gegen  Friedberg  und  von  liberaler  Seite  auch
gegen  die  Regierung.  Man  lbeicht,  won  einer
neuen  unhaltbaren  Cage.  Die  „M.  N.  N.“  sagen:
  „Nachdem  der  Verluch  einer  hoert  ehale
von  Parlamentariern  an  leitende  Stellen  im
Peiche  und  in  Preuhen  durch  die  ablehnende
Haltung  des  Grafen  Hertling  gegenüber  der
Fortschrittlichen  Volkspartei  gescheitert  ist,  ist

 

eine  neue  Lage  geschoffen,  die  den  Parteien  die

Erciheit  ihrer  Cutschließung  gegenüber  der  gegenwärtigen
  Regierung  #rassebbt.  Die  einzelnen
  Fraktionen  werden  demnächst  zu  dieser
neuen  Lage  Stellung  nehmen.“  Reichskanzler
Graf  Hertling  hat  seine  beabsichtigle  Reise  nach
München  bis  auf  weiteres  aufgeschoben.  Generaiseldmarschall
  von  Hindenburg  und  Generalduarikcrmeister
  Ludendorff  sind  gestern  abend
nach  dem  Großen  Haup  hulnee  zurüdgekehrt.

Boverischer  Laudiag.

Neuerungen  in  der  Rechtspflege.

Anünchen.  6.  Nov.  In  der  heuligen  Situng
des  Finanzausschusses  gab  Justizminister  von
Thelemann  auf  einen  Antrag  Thimm  (Soz.
belannt,  daß  er  auf  tunlichste  Abkürzung  der
Zivilprozesse  dringen  werde.  Eine  Aenderung
des  Gerichtskosiengesetzes  und  der  Zivilprozch=Aussicht,
  Der  Anwaltszwang
lönne  nicht  vollständig  beseiti  gt  werden  ohne
große  Schädigung  des  Anwaltsstandes.  Die
Kriegsnotgesetze  werden  nach  dem  Kriege  alsbald
  aufgehoben.  Das  Sühneverfahren  wird
noch  weiter  ausgebant.  Abg.  Gießen  (Ilib.)
verbreitet  sich  über  die  Einri  tung  des  künftigen
  Schiedsgerich  tes  und  S  huldeinziehungsversahrens,
  mit  welch  oterem  ein  Versuch  gemacht
  werden  müse.  Der  Zwangsvergleich
auherhalb  des  Konlurses  habe  sich  ebenfalls
bewährt.  Schiießlich  wurde  der  Antrag  Thimm
angenommen.  *--Wien,

  6.  Nov.  Erst  jetzt  erfährt  man,  daß
bei  dem  Kaiserhoch  des  „Präsidenten  Groß  im
Abgeordnetenhause  die  Tschechen  sitzen  geblieben
  sind.  Daraufhin  rief  M  Elöckner  den

Tschechen  zu,  sie  sollten  doch  wenigstens  „die
dae  hoch  halien",  darin  hätten  sie  ja  Ue- 



 

MWiien,  6.  Nov.  Ucber  die  Kohlenlager  Westgalizien“
  ist  bis  jeht  folgendes  bekannt  gewor-Nach
  den  vorgenommenen  Sckhätungen
werden  die  Kohlenvorräte  in  den  770  Quadratlilometer

  messenden  Hebieten  den  Bedarf  von

Galizien  mindeslens  1  Jahre  decken:  dabei

liind  die  Flöze  in  einer  Tiefe  von  mehr  als  1000

Meter  uuberücdsichtigt  ge  lieben.  Auf  Grund

von  Bohrungen  wurden  auf  einem  Gebiet  von

400  Quadratlilometern  die  bis  800  1000  Me

ter  tief  anstehenden  auf  113  Millionen  Tonnen

chätzt;  der  Rest  des  Gebietes  ist  durch  Bohngen
  noch  nicht  zuerssucht  worden.  Für  ganz
Lesinepnoen  auf  rund

Millionen  Tonnen  geschätzt.  Die  Kohle  ist

von  guter  Beschaffenheit;  ihr  Heizwert  beweg!
sich  zwischen  5500  und  7000  Kilogramm-MWärmeeinheiten,
  sodaß  sie  den  besten  brschusuchen
und  Ostran#ex-Kohlen  gleichzustellen  it.

ges

HMnhsser  Neuisleitn.

München,  6.  Nov.  Wie  die  nun  abgeschlos.
sene,  genaue  Abrech:  nmung  ergeben  hat,  wurden
am  Allerbeiligenfeste  mit  der  Straßenbahn  rund

00  Fahrgäste  be  sördert.  Damit  wurde  die
höchlte  ucertegten  seit  Bestehen  der  Strabenbahn
  erreicht.  Die  Einnahme  mit  68  500
Mark  übersteigt  noch  die  vorjährige  Reineinnalme
  am  gleichen  Tage  um  rund  5000  Mk.
Der  Magistrat  sprach  dem  Sllabenbahnpersonul.
das  an  diesem  Tage  eine  schwere  Aufgabe  zu
erfüllen  hatte,  Dank  und  Anerlennung  aus  und
dankte  besonders  auch  dem  stellv.  Generalkommando
  für  die  Freigabe  von  im  Heeresdienst
slehenden  Straheikbahnern  für  diesen  Tag.

 

Sayerische  Nachtisken.

Aus  der  Pfalz,  6.  Nov.  Die  Harzgewin-Jahre

  gute  Erträgnisse,  trotzdem  sich  der  Arbei-##rangei
  sühlbar  machte.  Das  Wetter  war  der
Hanbi  ldung  sehr  gänttig:  auch  gelang  es
durch  eine  Anzahl  wertvoller  technischer
Neuerungen  bei  der  Harzgewinnung  die  Erträge
#zu  sleigern.  Vor  allem  in  dem  nächsten  Jahr
mird  der  Erlrag  der  Harsgewinnung  noch  erhôlt
  werden  können,  wenn  die  Neuerungen  erit
ailgemein  eingeführt  sind.

RNegensburg,  6.  Nov.  Ein  in  der  Neuhausulraße
  wohnender  Offizier  erschoß  in  seiner
Wohnung  aus  Unvorsichtigleit  seinen  Freund,
einen  hiesigen  Chorsänger  und  Musiker.  Der
Offizier  wollte  in  Gegenwart  seines  Freundes
den  Revolver  beiichtigen.  Plötzlich  krachte  ein
Schuß,  der  den  GChorsänger  in  die  rechie
Schläfegegend  traf.  In  das  Krankenhaus  verbracht,
  verstarb  er  an  den  Verkehungen.

Remmingen,  6.  Nov.  Ein  äußerst  gefährlicher
  Eindrechker  wurde  hier  verhaftet,  der
in  einer  Reihe  banerischer  und  württembergischer
Orte  sich  unter  falschem  Namen  einmietete  und
die  vorübergehende  Abwesenheit  der  Wohnungs.
inhaber  brnüßte.  Bargeld,  Wäsche  u.  Schmuck
von  erheblichem  Werte  zu  seehlen.  Der  Verhaftete
  ist  der  schwerbestrafte  35  Jahre  alte  Schlosser
  Wilhelm  Funk  aus  Köln.  Ein  Teil  der
Beute  isi  wieder  beigebracht.

Kufstein,  6.  Nov.  Ein  tragischer  Vorfall
ereignete  sich  im  hiesigen  Gerichte  „gebäude.  Der
Schuhmackermeister  W-  Gruber  war  als  Beklagter
  vorgeladen.  Nach  Lage  der  Sache  scheint
er  seine  Verurteilung  vorausgesehen  zu  haben
und  deshalb  in  ziemliche  Wa  geraten
zu  sein,  denn  er  erklärte  dem  Richter,  daß  es
itm  schlecht  sei.  Bald  darauf  w  er  vom
Stuhl  und  war  tot.

Innsbruck.  6.  Nov.  Auf  dem  Berg  Jsel,
dem  aus  den  Kämpfen  der  Tiroler  gegen  die
Franzosen  belannten  Vergstock,  sollen  nach  dem
Kriege,  bauliche  Veränderungen  vorgenommen
werden.  Man  plant  eine  Erweiterung  der  Anlagen,
  deren  Mittelpunkt  das  Andreas-Hofer-Denlmal
  bilden  wird.  Ferner  denkt  man  an  die
Errichtung  eines  vergrößerten  Kaiser-Jäger-Muscums,
  einer  Ehrenhalke  und  eines  modernen
  Wirtschaftsgebäudes.  Auch  die  Shhaffung
eines  großen  Kaiser-Jäger-  Whs  ist
ins  Auge  gefaßt.  Der  Wettbewerb  für  dieses
großzügige  Millionenprojekt  soll  in  erster  Linie
für  obn  che  Architelten  und  Künstler  offen  sein,
die  als  Kaiser-  Jäger  unter  den  Waffen  stehen.

35verlches  Oberimnt.

Bas  Aibling,  6.  Nov.  Nächsten  Sonntag
(11.  Nov.)  findet  altkatholischer  Gottesdienst
statt.  Er  wird  in  der  evangelischen  Kirche  abgehalten
  und  beginnt  um  10  Uhr.  Anläßlich  der
400  fährigen  Jubelfeier  der  Reformation  wird
in  der  Predigt  der  Reformation  und  ihres  Urhebers
  gedacht.  (.

Bad  Albling,  6.  November.  Die  Bezirksversammlung
  der  Veteranen=  und  Kriegerver.
eine  sand  in  Ellmosen  statt;  18  Vereine  waren
dazu  erschienen.  Obmann  Dorrer  gab  in  seiner
Erbffmungsanfprache  einen  Ueberblick  über  die
Ereignisse  an  den  Fronten  und  gedachte  der

großen  Opfer  unserer  Felbgrauen.  Aus  dem
Jahresbericht  ist  zu  entpehrten,  daß  sämtliche
Vereine  des  Bezirkes  dem  Bayer.  Veteranenund
  Kriegerbunde  angeschlossen  sind.  Die  Mitgliederzahl
  beträgt  2226  Mam,  darunter  2106
Fei#dzugssoldaten  und  Gediente.  Weiter  zählt
der  Verband  77  Ehrenmitglieder.  Das  Mer-Mmögen
  ailer  Vereine  beträgt  20  516  Mark  in
Inventar.  Für  Kameraden  wurden  J346  Ml.,
für  Sierbegelder  734  Mark,  für  Beerdigungskosten
  307  Mark  aufgewendet.  Im  Verkaufe  der
Versammiung  hielt  Ohmann-Stellvertreter  Oppelt
  einen  Vortrag.  über  seine  Elebnisse  als
Sergeant  in  einem  Armierungsbanaillon  an  der
MWoesifront.  Voritand  Wiesböd  des  Boreins  Vagen
  erzählle  serner  über  Land  und  Leute  von
Numänien.  Die  Bezirksversammlung  im  Jahre

 

 

 

1918  wird  in  An  bei  Aibling  abgehalten.

nung  im  bsälzischen  Wasgau  brachte  in  diesem

 

wasserburg,  6.  Nov.  Die  Bauernehre  erhält
  im  Umgang  mit  den  gefangenen  Feinden
vielfach  Löcher,  so  sehr  man  vor  dem  Krieg
auf  sie  stolz  war.  Und  erst  die  Bauernehre  der
bolden  Weiblichkeit!  Der  „Wasserburger  Anzeiger“
  berichtete,  -  ein  Franzose  in  Grasweg
  eine  Bauerstochter  um  der  Liebe  willen
einfach  niederstach.  Jetzt  erfährt  man,  daß  beide
  gemeinsam  in  den  Tod  gehen  wollten.  Er
bhat  das  Mädchen,  das  sich  von  ihm  Mutter
sühlie,  nicht  nieder  estochen,  sondern  ihm  einen
Schuß  in  den  Kopf  beigebracht,  worauf  er  die
Wuffe  gegen  sich  richtete  und  dann  floh.  Es
handelt  sich  um  die  Rotbauerstochter,  deren
erste  Sorge  nach  überstandener  Bewußtlosigkeit
  wieder  ihrem  „Franzl“  galt.

Hrien.  7.  Nov.  Bei  den  Verwundeten.
Die  Prinzessinnen  Wiltrud  und  Gundelinde  stattelen
  dem  Vereinslazarett  vom  Roten  Kreuz
im  Distrittslrankenhaus  ein  Besuch  ab  und  unterkielten
  sich  eingehend  mit  den  Verwundeten,
welche  mit  Liebesgaben  beschenlt  wurden.  Auch
für  die  Zivilkranken  hatlen  die  Königstöchter
manch  freundliches  Wort.

Traunstein,  6.  Nov.  Die  Pfarrgemeinde
Anger  lieferte  größere  Mengen  eingelochte  Bceren
  und  eingemachtes  Obst  für  unsere  verwundeten
  und  kranken  Krieger.  Die  Reichenhaller  Lazarette
  erhielten  120  Liter  eingemachte  Früchte
und  auch  nach  München  wurden  solche  in  reichlicher
  Menge  gesandt.

oelluschrichlen.

 

Jum  Ausbauder  Inn-Wasserkräfte.

Die  Prelse  bespricht  die  amtl.  Mitteilung  über
den  Ausbau  der  Wasserkräfte  des  Jun  und  der
Isar.  Der  „Baner.  Kur.“  sagt  dazu:  Damit
ist  enolich  wirllich  ein  entscheidender  Schritt
zur  Ausnützung  unserer  Niederdruckwasserkräfte
getan.  Wi  r  ersüllen  aber  nur  eine  Ehrenpilicht,
wenn  wir  festjlellen,  daß  es  dem  Abg.  Osel  und
seiner  rast  und  selbitloien  Arbeit  wesentlich  mit
zu  verdanken  int,  daß  wir  so  weit  sind.  Seinen
Untegungen  folaten  die  Banlen,  als  sie  die
Arbeilogeneinschaft  bildeten  und  sein  Referat
im  Ministerium  des  Innern  im  April  dieses
Jahres  gab  unter  lebhaftester  Unterstügung
des  Ministers  des  Imern,  Dr.  von  Breltreich,
schließlich  den  letzten  Anstoß  zu  der  hocherfreulichen
  Entwicklung  auf  den  Weg  über  die  Banlen,
  besonders  erfreulich,  weil  bunerisches  Kapilal
  mitverdienen  darf.  Unterm  11.  Juli
1816  hat  das  Ministerium  des  Innern  die  ersten
  VorschZ  age  des  Abg.  Ofel  zur  Geellschaftegründung
  abgelehnt.  Die  Hauptsache  ist:  wic
treiben  vernünstige  Industrieförderung  im  Interesie
  des  Landes,  aber  keine  Industrialisierung,
wie  die  „M.  N.  N.“  sagen.  Die  amtliche  Mitleilung
  Hhätte  übrigens  betonen  sollen,  daß  die
leberlandversorgung  unter  der  Ausnütung  der
Wasserkräste  durch  die  Grobindujtrie  absolut
nicht  leidet.

—

Rosenheim,  7.  November.

Ueberfsiedelung.  Oberinspekior  Ludwig
  Mader,  der  Vorftand  der  K.  Bahnstation
Lindau-Stadt,  hat  am  1.  November  Lindau
verlassen,  um  in  Rosenheim  den  nach  über  44
Dienstjahren  und  im  Alter  von  fast  69  Jahren
gewiß  wohlverdienten  Ruhestand  zu  genießen.
Herr  Mader,  der  nach  dem  Besuch  des  Lyceums
in  Passau  und  der  Technischen  Hochschule  in
München  1873  als  Fraltitant  in  den  Eisenbahndienst
  trat,  der  ihn  nach  Nürnberg,  Kufstein,
  Weiden,  Nosenheim  und  Oberkotzau  führte,
  kam  als  Oberinspektor  am  1.  Dezember  1909
als  Vorstand  zur  Bahnstation  Lindau-Stadt,  wo
er  sich  durch  seinen  hervorragenden  Diensteifer
und  sein  liebenswürdiges  Entgegenkommen  aligemeiner
  Beliebtheit  erfreute  und  seinem  *½
bhen  Personal  ein  wahrer  Vater  war.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefaklen:
Georg  Haneder,  Postpadmeister  aus  Westerham,
Soldat  in  einem  IJnf.-Reg.;:  Franz  X.  Göppenhamer
  aus  Vad  Aibling,  Soldat  in  einem  Inf.=Neg.;
  Franz  Warmehinger,  Bauerssohn  aus
Linden  bei  Amerang,  Soldat  in  einem  Res.=Inf.-Reg.,
  Juhaber  des  Militärverdienstkreuzes
  3.  Kl.;  Joseph  Spötzl,  Reiserersohn  aus
Hunzenrais  gan,  Emmering  Gefreiter  in  einem
Inf.,Neg.,  Juhaber  des  Eisernen  Kreuzes  2.
Klasse  und  des  Militärverdienstkreuzes  3.  Kl.

Gendarmeriedienst.  Der  Vizewacht  ·
meister  Heinrich  Hagel  in  eisendorf  wurde  in
den  Ruhestand  versetzt.  Versetzt  wurden  die
Gendarmeriesergeanten  Heinrich  Götzer  von
Aibling  nach  Pörrubach  und  Karl  Lang  von
Pasing  nack  Teisendorf,  die  Gendarmen  Joh.
Sckilling  von  Sauerlach  nach  Hundham  und
Friedrich  Karl  von  Hundham  nach  Sauerlach.

Diebstähle.  Entwendet  wurden  von  einer
Kelterei  in  der  Kaiserstraße  ein  Ballon  Weinessig;
  aus  einem  Aunwesen  in  der  inneren  Mangjallstraße
  zwei  dunkelgraue  belgische  Mjesenlessinnen;
  ein  Fahrrad  (Marke  „Opel“  ohr  einem
  chafthaus  in  der  Nähe  des  VGobrhofes;  vor
dem  Bahnhof  ein  Kinderreiterwägelchen.  an
dessen  Stelle  ein  altes  lleineres  hinterstellt  wurde,
  welches  auf  der  Polizewaqhe  besichtigt  werden
  kann.  —————