Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 5. (5)

394 Projekt. Sendung Moltkes nach Florenz. Jede Abtretung preuß. u. deutschen Gebietes an Frankreich unmögl. 
ihm aufnehmen, wird er mir sein Urteil und die Ergebnisse seines eigenen Nachdenkens und 
seiner Erfahrung nicht vorenthalten wollen. 
Ich darf Ew. pp. daher ganz ergebenst ersuchen, in diesem Sinne mit ihm Ihre Unter- 
haltungen, deren Anknüpfung mir sehr zur Befriedigung gereicht hat, fortzusetzen. Sie 
brauchen von dem, was ich Ihnen hier vertrareiherrn von der Pfordten von Gewicht sein, 
von dessen Discretion ich mich durch die Erfahrung überzeugt habe,⁷ nichts zu verhehlen. Im 
übrigen bitte ich Ew. pp., dies Schreiben nur als ein ganz vertrauliches anzusehen. 
* 257. Telegramm an den Gesandten in Florenz Grafen von Usedom. 
[Konzept von der Hand des  Unterstaatssekretärs von Thile.] 
Berlin, den 9. März 1866. 
Sobald die Sendung eines italienischen Offiziers nach Berlin feststeht, werden wir auch 
einen General, der zum Abgang bereit ist, nach Florenz schicken, wahrscheinlich den Chef des 
Generalstabes der Armee General von Moltke. Dringend zu wünschen aber, daß dortseitige 
Sendung deshalb nicht unterbleibe, damit prompte Behandlung der militärischen Fragen 
gesichert bleibe. Steht Sendung dort fest und wer? Eile und Geheimnis auf beiden Seiten 
wünschenswert, da unsere Überlegenheit gegen Österreich in Schnelligkeit der Rüstungen liegt, 
und daber zu vermeiden, daß Österreich Vorsprung gewinnt. 
258. Telegramm an den Botschafter in Paris Grafen von der Goltz. 
[Konzept von der Hand des Unterstaatssekretärs von Thile.] 
 Aus der vertraulichen Aussprache, die Graf von der Goltz am 5. März mit Napoleon III. 
über dessen eventuelle Kompensationsforderungen gehabt hatte (vgl. die Vorbemerkung zu 
Nr. 254) war deutlich zu Tage getreten, daß der französische Kaiser auf die Herstellung der Grenzen 
von 1814 reflektierte und insbesondere die Rückgabe von Landau im Auge hatte. 
Berlin, den 9. März 1866. 
Zu Ew. pp. persönlicher Kenntnißnahme:¹ Ich habe Ihr vertrauliches Schreiben dem 
Könige vorgelesen. Jede Abtretung preußischen und überhaupt deutschen Gebietes scheint 
Seiner Majestät unmöglich und würde in der Tat die nationale Seite unserer Aktion, auf 
welche das Hauptgewicht zu legen ist, sofort lähmen. 
Eine principielle u[nd] kategorische Erklärung hierüber wollen Sie nach Möglichkeit ver- 
meiden, nur auf Befragen, wo es nothwendig, den erwähnten Erwägungsgrund geltend 
machen.² 
 H. Oncken, Die Rheinpolitik Kaiser Napoleons III. von 1863 bis 1870, I, 105. 
* 259. Telegramm an den Gesandten in Wien Freiherrn von Werther. 
[Konzept von der Hand des Unterstaatssekretärs von Thile.] 
Berlin, den 9. März 1866. 
Nach anscheinend glaubwürdigen Notizen wird in der österreichischen Armee für die 
Eventualität eines Krieges mit Preußen bereits im stillen gerüstet. Ew. Exzellenz und Graf 
Groeben wollen in behutsamster Weise hierauf achten und über Ihre Wahrnehmungen fort- 
laufend und schleunig berichten. 
7 Der Relativsatz: „von dessen ..."  eigenhändiger Zusatz Bismarcks. 
258 1 Die Einleitungsworte eigenhändiger  Zusatz Blsmarcks. 
2 Der letzte Absatz eigenhändiger Zusatz Bismarcks.