Volltext : Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1807. (2)

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Ich  hab'  mich  zärtlich  Dir  gewogen,  (7)
Hab'  Dich  vor  andern  vorgezogen

Und  Dir  mein  ganzes  Herz  geschenkt.
Ja  hätt'st  Du  noch  jetzt  ein  Gewissen,
So  würdest  Du  Dich  schämen  müssen,
Daß  Du's  niemals  hast  tren  gemeint.
Mit  List  hast  Du  mich  hintergangen,
Dein  Schmeicheln  nahm  mein  Herz  gefangen,
Mein  Herz,  das  jedem  ehrlich  scheint.
Jetzt  aber,  da  ich  zitternd  höre,

Du  achtest  weder  Glück  noch  Ehre,
Jetzt  seh'  ich  meine  Thorheit  ein.

O  warum  hast  Du  mir  geschworen,
Ich  sei  allein  für  Dich  geboren,

Ich  sei  Dein  Liebstes  auf  der  Welt.
Wie  konntest  Du  Dich  unterstehen,

Mit  mir  ein  Bündnis  einzugehen,

Da  jedes  Schmeicheln  Dir  gefällt?

—  Gewähre  mir  nur  eine  Frage,

Mein  Herz  wird  Dir  die  Anwort  sagen.
Ach  änd're  doch  Dein  Herze,

Ach  änd're  doch  Dein'n  Sinn.

Denn  all  meine  Liebe

Die  fliehet  sonst  dahin.

Dein  Herz  wird  Dich  betrüben,

Wenn  Du  den  Brief  hier  liest.

Ich  hab'  ihn  schlecht  geschrieben

Und  ihn  voll  Gram  gedicht't.

III.
O  sieh,  Teuerster,  wie  ich  um  Dich  weine,
Weint  gewiß  kein  andres  Mädchen  nicht,
Wenn  im  hellen,  blassen  Mondenscheine
Ein  von  Dir  verlass'nes  Mädchen  spricht.

IV.
Willst  Du  mich  denn  ganz  und  gar  verlassen?
Schlägt  Dein  Herz  nicht  mehr  für  mich
Warum  thust  Du  mich  im  stillen  hassen,
Bin  ich  denn  nicht  mehr  für  Dich?
Wenn  ich  denke  an  beglückte  Stunden,
Wo  mir  lachte  Lust  und  Glück,  —
Aber  nun  sind  sie  entschwunden,
Thränen  bleiben  nur  zurück.

Hermann  Dunger:  Volksdichtung  in  Sachsen.

V.

Für  Dich  soll  meine  Laute  nur  erklingen,
Wenn  mich  das  Schicksal  grausam  von  Dir
.  nimmt.

Den  letzten  Gruß  will  ich  Dir  klagend  bringen,
Denn  meine  Saiten  sind  so  tief  verstimmt.
Ich  liebe  Dich,  und  achl  ich  soll  entsagen,

Und  Du  ermißt  nicht  meinen  Schmerz?

Den  Lüften  soll  ich  dann  mein  Leiden  klagen,

Wenn  sich  beklommen  fühlt  mein  wundes
Herz?7

Wie  fröhlich  eilt  ich  oftmals  Dir  entgegen,

Von  weitem  schon  erkannte  mich  Dein  Blick,

Ich  folgte  Dir  auf  allen  Deinen  Wegen,

Im  Meere  (7)  selbst  bist  Du  mein  größtes
Glück.

Und  thaten  sie  auch  damals  Dich  verklagen,

Ich  sah  vertrauensvoll  Dir  ins  Gesicht

Und  dachte  selbst,  woran  die  Wespen  nagen,

Das  sind  dieschlechtsten  Früchte  wahrlich  nicht.

Wie  lacht  es  mir,  wenn  ich  die  Nacht  durchwache,


Im  größten  Schmerze  seh'  Dein  Traumbild
  an,

Ob  ich  mit  Dir  wohl  unter  einem  Dache

Recht  eng  verbunden  nicht  noch  leben  kann?

Und  dieser  Hoffnungsstern  —  er  soll  verschwinden,


Der  einz'ge  Lichtpunkt,  der  mir  glücklich
scheint?

Für  eine  and're  läßt  Du's  Kränzchen  winden?

Das  Schicksal  will,  ich  soll  Dir  ferne  fein.

Noch  mehr  wie  sonst  wird  Dich  mein  Auge
suchen,

Das  trüb  und  feucht  jetzt  nur  durch  Thränen
sieht.

Fast  möchte  ich  dem  bangen  Schicksal  fluchen,

Das  meine  schönsten  Freuden  mir  entzieht.

Noch  manche  Thräne  ist  auf  meiner  Wange,

Doch  unterdrücke  ich  die  Thräne  nicht.

Denn  nur  um  Deine  Ruhe  ist  mir  bange,

Drum  bitt'  ich  schmerzlich  Dich:  Vergiß
mein  nicht!

Wir  haben  hier  eine  eigenartige  Mischung  von  Eigenem  und  Fremdem.
Wenn  das  Mädchen  selbst  sagt,  sie  habe  den  Brief  „voll  Gram  gedicht't,“
so  ist  das  wahr  und  nicht  wahr.  Sie  hat  das,  was  sie  an  derartigen  Liedern
in  ihrer  Erinnerung  hatte,  dazu  benutzt,  um  damit  ihren  eigenen  Empfindungen
  Ausdruck  zu  geben,  indem  sie  wegließ  und  hinzufügte,  je  nachdem  es