Wohlfahrtseinrichtungen für bedürftige oder leidende Kinder. 49
wandern meine Jungen durch den rauschenden grünen Gebirgswald,
wo die Heidel- und Preißelbeere reift, wo weiches Moos wie ein
grünes Polster den Boden überzieht, wo das flinke Eichhörnchen
turnt zum lustigen Konzert der Finken und Zeisige. Wir besuchen
die sägende Brettmühble im stillen Talgrunde; wir besteigen die luftige
Bergeshöhe und lassen unsern Blick weithin über die sich vor
uns ausbreitende Landschaft schweifen; wir lagern uns auf sonniger
Heide und lassen uns die duftenden Heidelbeeren trefflich munden;
wir durchstreifen das dunkle Fichtendickicht, um Stein- und Birkenpilze
einzuheimsen; wir spielen mit dem silberhellen Waldbächlein,
das lustig plätschernd durch Farrenkraut und über weiße Kiesel dahineilt.
Und am Sonntagmorgen wie feierlich, wenn ringsherum aus den
Tälern des Gebirges die Sonntagsglocken erschallen, wenn frommer
Lobgesang aus Kindermund die weiten Hallen des Walddomes durchklingt
und die Bäume des Waldes darein rauschen wie Töne einer
Orgel. „Dann gehet leise nach seiner Weise der liebe Herrgott durch
den Wald.“ Unsere Wanderungen lassen uns auch einen Blick
ın das Leben und Treiben der Gebirgsbewohner, ihr Wohl und Wehe
tun. Wir sehen zu, wie im Moore der Torfgräber Torf sticht und zu
Ziegeln formt; wir beobachten im Walde den Holzhauer, wie er
Bäume fällt und für den Gerber die Rinde abschält; wir treten ein in
die kleine, reinliche Gebirgshütte, wo die arme Näherin für kärglichen
Lohn mit Perlen und Seide stickt; wir besuchen die Arbeitsstätten
des vogtländischen Webers und Stickers, die mit Geschick und Fleiß
die Vorhänge für unsere Wohnungen und die feinen Stickereien für
unsere vornehmen Damen herstellen; wir unterhalten uns mit dem
biederen Förster, der uns schöne Waldwege führt und auf einsamer
Waldesblöße äsende Rehe zeigt. Für die Knaben gibt es also Erholung
und Stärkung an Leib und Seele, Belehrung und Unterhaltung
in mannigfachster Weise. Und beim frischen, frohen Wandern :ist
der Führer den Kindern ein väterlicher Freund, dem sie ihr Herz erschließen,
und der ihnen auf hunderterlei Fragen Rede und Antwort
steht. Solche Ferienwanderungen sind Glanzpunkte der Schulzeit,
die mit ihrem verklärenden Scheine weit hinaus ins Leben schimmern.
Auch daheim im Gasthofe herrscht frisches, fröhliches Leben.
Auf dem weiten Wiesenplan hinter dem Hause können die Jungen
sich tummeln und spielen, soviel sie wollen, auf dem weichen Rasen
können sie sich sonnen und ihre ermüdeten Glieder zur Ruhe ausstrecken
nach Herzenslust. An den kleinen Arbeiten, die eine Gastund
Landwirtschaft mit sich bringt, dürfen sie teilnehmen. Mit lautem
Das Unterrichtswesen im Deutschen Reich. Ill. Anhang. 4