04 Die Akademie Frieprien Wiruens's IV. (1540-1859).
schaft — die Theologie allein ausgenommen — ihren Lauf gelassen.
Jener Schmerz ehrt ihn, denn er bezeugt, dass der Monarch mit
innerstem Antheil die Güter festhielt, die ihm die höchsten schienen.
Sich gegen ernste Überzeugungen, ınögen sie auch noch so
unwissenschaftlich sein, vertheidigen zu müssen, ist der Wissenschaft
niemals erspart und ist ihr nur heilsam. Traurig und lähmend
wird der Kampf erst, wenn sich eine reactionäre, skrupellose
Politik jener Überzeugungen bemächtigt. Das ist unter Frieprıcn
Wirners IV. geschehen —- nieht obne seine Schuld, aber nicht nach
seinem Willen. Doch hier beginnt bereits die Controverse über das
complexe Charakterbild dieses Königs. Zwei Akademiker haben es
zu zeichnen versucht, RasKkE und TRrEITseHKE: sie haben sich bemüht,
die verschiedenen Linien und Farben dieses Bildes wiederzugeben
und zu deuten’. Unserer Darstellung liegt eine solche Aufenbe
fern; denn in seinem Verhältniss zur Akademie ist der Monarch
immer derselbe «geblieben, und sie hat nur Grund, ihm dankbar zu
sein. Diesem Dank hat einige Monate nach dem Heimgang des Königs
TRENXDELENBURG in seiner Rede: »Die Königlich Preussische Akademie
der Wissenschaften unter dem Könige Frievrıen Wıruerm IV.« Ausdruck
gegeben, indem er »in memoriam et honorem regis« in einem
weiten Überblick zu zeigen versuchte, wie die Akademie in den Jahren
1540-1859 gearbeitet und welche Theilnahme und Förderung
ihr der König bewiesen hat”. Auch dieses darf noch gesagt werden:
Frirveien Wırnerm IV. ist der erste preussische König gewesen,
der den Festsitzungen der Akademie durch seine Gegenwart Glanz
verliehen hat. Seine Vorgänger. selbst Frirprıcn der Grosse, waren
ihnen fern geblieben: Frirpnrıcn Wiırnerm IV. wollte die Wissenschaft
auch dadurch ehren, dass er an ihrem Ehrentage inmitten ihrer
Jünger erschien. Schon als Kronprinz hatte er mehrere Mitglieder
der Akademie persönlich kennen und schätzen gelernt, nicht nur
schlag Ilvnsonpr's (s. Breuss, a.a.0. 2. Bd. S. 292) gegen den Willen des Cultusministers
Kiennorn. Gelehrte. die anderswo politisch gemaassregelt worden waren,
sind von ihm nach Berlin gezogen worden: die Brüder Grins, Havurr, Mounxsen.
ı Ranke stand dem Könige wohl noch zu nahe, um ihn ganz zutreffend beurtheilen
zu können; schreibt er doch selbst in dem Vorwort zu dem Briefwechsel
zwischen Frieprien Wirken IV. und Bussex: »Zeitgenossen pflegen einander doch
nur äusserlich zu kennen. Die wirksamen Männer folgen allzeit ihren eignen ]Impulsen
und suchen dieselben soviel als möglich zur Geltung zu bringen. Von den
inneren Antrieben Anderer, ınit denen man in Gegensatz geräth, bildet man sich
gewöhnlich nur einen sehr oberflächlichen Begriff-.
? Die am 21. März 1861 gehaltene Rede (s. Abhandlungen 1861 S.ı ff.) ist im
Urkundenband Nr. zı1 abgedruckt.