568 Diagnose.
(Bazillen) aller Welt bereits bekannt sind und sich stets dort entwickeln, wo
Verwesung, Schmutz und Krankheit sich vorfinden. Nur durch bestimmte, stark
wirkende Substanzen sind sie zu vernichten; dazu gehören Karbolsäure, Sublimat,
Chlorkalk, Lysol, ferner durch Siedehitze usw. Im Dampfe vermag man verseuchte
Kleider zu reinigen, im siedenden Wasser feste Geräte keimfrei zu
machen. Unausgesetzter Zuzug frischer Luft aber ist das beste Desinfektionsmittel,
indem sie eine Ansammlung von Bakterien überhaupt verhindert. In
Krankenzimmern, Aborten, Aufbewahrungsorten von schmutziger Wäsche usw.
lasse man daher immer die Fenster offen und sorge zuweilen auch für kräftigen
Durchzug. Reinigt man außerdem die Fußböden mit Seifenwasser, Tapetenwände
mit feuchtem Brot, gießt man in Abortröhren recht oft heißes Sodawasser
oder Chlorkalk, weicht man die gebrauchte Wäsche Kranker sofort in Sodawasser
oder Karbollösung ein, dann hat man nichts versäumt. Nach der Berührung
ansteckender Kranken, z. B. einer eitrigen Augenentzündung der Kinder, durch
Tripper der Mutter entstanden, müssen die Hände der Pflegerin stets sorgfältig
gereinigt werden, da die Tripperkokken sich sehr leicht übertragen und
sürchterliche Entzündungen erregen, überall, wo sie hingeraten. Mit warmem
Seifenwasser bürste man zuerst die Hände, dann spüle man sie mit Lysol oder in
einer Flüssigkeit mit aufgelösten Angererschen Sublimatpastillen. Ebenso gehe
man bei Behandlung syphilitischer Geschwüre vor. Schlechte Luft, mangelhafte
Reinlichkeit, ungenaues Verhalten und dazu Karbol und Sublimat, das ist keine
richtige Zusammenstellung und wird den erstrebten Haupterfolg oft vermissen lassen.
Diagnose. Das Erkennen der Krankheiten, der grundliegenden Ursache
aller Krankheitserscheinungen, wird Diagnose genannt. Baut sie sich auf gründliche
wissenschaftliche Kenntnisse auf, so stützt sie sich auf scharfe Schlußfolgerungen
und logische Voraussetzungen, und so kann eine Diagnose unter Umständen eine
bedeutende geistige Leistung sein. Oberflächliche Beurteilung aber, die Sucht
einzelner Arzte, überraschende Diagnosen zu stellen, ohne genau mit der Wirklichkeit
zu rechnen, das ist ein verwerfliches Vorgehen, das mancherlei Gefahren
mit sich führt. Gar manches geht im menschlichen Körper vor, das weder
Namen noch Erklärung bis heute gefunden hat: es ist daher allein der Wahrheit
entsprechend und zeugt allein von wirklich tiefgehender Forschung, wenn man
naheliegende Behauptungen gänzlich vermeidet und sich bestimmter Diagnosen
in unklaren Fällen auch vollständig enthält. Bei Ausübung einer Heilkunde,
die nur mit physikalisch-diätetischen Mitteln arbeitet, ist es jedem Arzte klar,
was er auch in unklaren Fällen fürs erste zu tun hat, weil er nicht, wie der
Allopath, auf die Möglichkeit wartet, eine unantastbare Diagnose gleich zu
Beginn einer Erkrankung stellen zu können. Selbstverständlich ist im weiteren
Verlauf der Krankheit eine Diagnose nicht entbehrlich, sondern sogar von
unleugbarem Wert für den weiteren Gang der Behandlung. Der Laie hüte
sich aber vor voreiliger Diagnosenstellung! Was darin seitens urteilsunfähiger
Leute oft geleistet wird, ist unglaublich.