torstimme kommandieren, die Straße solle geräumt werden, kein
Mensch dürfe sich vor der langen Häuserreihe blicken lassen. Nur
die Wache vor dem Littoral durfte auf ihrem Posten bleiben, bis
auch sie eine Minute später Deckung suchte.
Da nahm ich mein Fernrohr und eilte die Treppen hinunter.
In dem eleganten, teppichbelegten Vestibül des Hotels, wo Sofas,
Tische und Stühle zwischen riesigen Topfpflanzen kleine Gruppen
bildeten, gingen Offiziere eilig hin und her, und man erkannte
leicht, daß etwas Außergewöhnliches bevorstand. „Wird man
schießen?“ fragte ich Beß. „Ja, es wird geschossen“, antwortete
er mit stoischer Ruhe. Durch die Glastüren des Vestibüls konnte
man beobachten, was sich an der Mündung der Rue du Cerf zutrug:
dort kommandierte Admiral von Schröder, dort sah man
den Fregattenkapitän Tägert, und dort rollte die Mannschaft der
Matrosenbrigade mit fieberhafter Hast die zwei 6-cm-Schiffskanonen
heran und ihre Munitionswagen — andere Artillerie
war zurzeit in der Stadt nicht zur Hand.
Die Straße war von Zivilisten geräumt, und kein anderes
Militär als Bedienung und Leitung der Batterie hielt sich dort
auf. Ich durfte daher nicht ausgehen, konnte aber doch beobachten,
wie schnell und genau die beiden Kanonen gerichtet und
wie sie geladen wurden: „Laden! — Fertig! — Feuerl!“
Der erste Schuß erdröhnte! Das Echo hallte in der Straßenmündung
wider, und die Fensterscheiben des Hotels klirrten in
ihren Rahmen. Ich ging in den Speisesaal. Von dort war
freie Aussicht über das Meer und auf das erste Torpedoboot.
Einen Augenblick später folgte der zweite Schuß. Der erste
schlug unmittelbar vor dem Torpedoboot ins Wasser ein, ohne
daß sich entscheiden ließ, ob er Schaden angerichtet hatte. Auch
der zweite Schuß ging ganz in der Nähe des Ziels nieder.
Im Speisesaal waren mehrere Offiziere. Ich stand zusammen
mit dem Leutnant des ersten Reserve-Seebataillons Dr. Algermissen
aus Colmar. Acht Fenster des großen Saals gehen aufs
Meer hinaus, zwei und der Eingang auf die Rue du Cerf. An
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