218 VII. Die Kriegführung der Dritten Obersten Heeresleitung.
Ebenso schwarz malt Wright die Lage. Wurden die Engländer von
den Franzosen getrennt, konnten die Deutschen entweder die erschütterten
Engländer auf die Kanalhäfen werfen oder sich gegen den linken französischen
Flügel wenden. „Man konnte die Entfernung, die die Deutschen vom end—
gültigen Siege trennte, in Schritten messen. Es ist die kleine Entfernung von
der deutschen Front bis Amiens.“ Der Verlust von Amiens hätte den Verlust
des Krieges bedeutet. Abermals habe den Deutschen der Sieg gewinkt. „Sicherlich
war dies die größte Niederlage, die wir in der Geschichte erlitten haben.“
Am 26. März hatte die Armee des Generals Gough aufgehört zu bestehen. Eilig
wurde in London, Paris und Versailles verhandelt. Die Räumung von Paris
wurde angeregt, Berechnungen wurden angestellt, um die Reste der englischen
Armeen einzuschiffen und zu retten. So entschlossen auch die Staatsmänner
waren, man mußte doch damit rechnen, daß die Völker nicht mehr gewillt wären,
weitere Kriegsanstrengungen zu machen.
Der „Matin“ (13. November 1920) bestätigt, daß man an die Räumung
von Paris gedacht habe. Clémenceau sei am 23. März von Compiêègne, wo
er mit Pétain gesprochen hatte, nach Paris zurückgekommen und habe Poincaré
berichtet: „Die Sache steht sehr schlecht. Ich weiß nicht, ob wir nicht daran
denken müssen, Paris zu räumen." Marschall Foch hat sich gegenüber Jules
Sauerwein („Matin“, 8. November 1920) ähnlich geäußert: „Nach allem, was
ich hörte, war General Pétain im Begriffe, auf Paris zurückzugehen, General
Haig auf das Meer. Das Tor stand den Deutschen offen: das bedeutete die
Niederlage.“ Im „Matin“" (13. November 1920) wird behauptet, Pétain habe
bereits die Befehle zum Rückzug gegeben.
Auch der Maiangriff brachte tiefe Beunruhigung. Aus dem
Bericht des Generals Pershing, der in amerikanischen Zeitungen
erschienen ist, wissen wir, daß am 2. Juni auf Antrag des Generals
Foch die leitenden Staatsmänner Frankreichs, Englands und Staliens
an Wilson einen Hilferuf richteten: „Der Krieg gehe verloren,
wenn die „Unterlegenheite der Alliierten nicht durch schleunige Ankunft
amerikanischer Truppen behoben würde. Nur dadurch könne
eine Niederlage abgewendet werden; sonst würden deren Reserven
früher als die der Deutschen erschöpft sein.“
Die Untersuchung über die beiden ersten Augriffe ist naturgemäß
noch nicht abgeschlossen. Ihr politischer Erfolg war, daß
Wilson sich meldete und England im Haag über den Frieden mit
den Deutschen sprach. Die Politik brauchte mit den Leistungen der
Kriegführung nicht unzufrieden zu sein. Diese Leistungen waren
das Ergebnis einer Kriegführung, die die Entscheidung suchte. Sie
wären größer gewesen, wenn die kriegerischen Tugenden des Heeres