Friedrich der Streitbare. 90
Siegmund jedoch sprach: des enwelle Got nit, er woll
lieber sterben. Dennoch ließ sich der König von den, angeblich
ihm ergebenen böhmischen Edlen bereden, die Belagerung
von Prag aufzugeben und das Heer zu entlassen, für
welche Gefälligkeit man ihm den Gefallen that, ihn im
Schlosse zu Prag zu kronen und einige Versprechungen zu
leisten, die man nie zu halten dachte. Der kriegerische Friedrich
mochte wegen dieser übereilten Friedenshandlung wohl
innerlich ergrimmen; doch storte dies sein ubriges gutes Verhältniß
zu dem Kaiser nicht. Allein, um sich und seine
Lander gegen den deutlich genug kundgegebenen Haß der Böhmen
und die Streifzüge der Hussiten zu schützen, nicht weniger
auch, um den Uebersiedelungen Hussitischer Grundsätze
und Glaubenslehren nach seinen Landen hin vorzubeugen,
verband er, nebst seinem Bruder Wilhelm und seinem Vetter,
Friedrich dem Einfältigen, sich mit den Churfürsten zu Mainz,
Trier, Coͤln und Pfalz, und sie gelobten, sich gegenseitig sowohl
gegen Einfälle der Hussiten zu schützen, wie auch gemeinschaftlich
den Saamen irrgläubiger (7) Meinungen und Lehren
ersticken zu helfen. Hierauf that er, um den Einfällen der
Gegner zuvorzukommen, elnen neuen Zug nach Böhmen.
Die Prager hatten sich durch Versprechungen wie durch Gewalt
den Zutritt mehrerer andern Staͤdte zu verschaffen gewußt und
dadurch sich bedeutend verstärkt. Brir, welches Friedrich der
Streitbare durch einige Mannschaft für den König besetzt
hielt, weigerte sich dieses Zutrittes; daher die Prager sich vor
diese Stadt legten und sie so heftig berannten, daß sie nahe
daran war, sich zu übergeben. Auf die Nachricht dieser
Noth eilte Friedrich, begleitet vom Herzog Wilhelm von
Braunschweig, mit ansehnlicher Macht zum Entsatze herbei,
und griff die sich ihm widersetzenden Hussiten so nachdrückdrücklich
an, daß ihrer zweitausend getddtet, sechshundert
gefangen und erbarmungslos niedergehauen, die Uebrigen aber
mit großer Verwirrung zur Flucht gendthigt wurden. Durch
diesen Sieg wurde nicht nur Brix befreit, sondern auch der
ganze leutmeritzer Kreis unter die Botmäßigkeit Sigmund's
1421
zurückgebracht. Im folgenden Jahre schrieb Sigmand ei- 1122