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Partei in der Hand. Denn das jeweilige amtliche Parteiblatt gab
die Losung und Ordre aus nach jeder Richtung hin: in Betreff der
politischen Tages- und Jahresereignisse und der Stellung der Partei
zu denselben; über alle Vorkommnisse im Innern der Partei, in
anderen Parteien, in der Internationale; betreffs der Stellung der
Partei zu allen diesen Vorkommnissen; über die Dinge, welche die
Jahresversammlungen der Partei zu beschließen hätten oder be—
schlossen hatten; über alle Gesetzesvorlagen und Verhandlungen des
Reichstages; über alle Zeitgenossen des In- und Auslandes, alle
literarischen, künstlerischen Werke, alle Erfindungen und Entdeckungen
der Gegenwart; über die ganze Geschichte der Menschheit, über
Religion, Philosophie, Sittenlehre, Naturwissenschaft und vor Allem
über Volkswirthschaftslehre oder „Gesellschaftswissenschaft“. In allen
diesen Dingen war das Parteiblatt (d. h. immer und unabänderlich
Herr Liebknecht) der heilige Dalai Lama, dessen Koth noch das Entzücken
der Gläubigen erregt. Willenlos und ohne Murren hatte
die gesammte Partei sich diesen unfehlbaren Offenbarungen und
zwingenden Geboten zu unterwerfen bis auf den heutigen Tag, und
that es auch mit dem ihr anerzogenen Leichnamsgehorsam. Wehe
dem, welcher sich aufzulehnen wagte! Noch Jeder, der Herrn Liebknecht's
Zuchtruthe zu trotzen sich erdreistet, hat sie gründlich gekostet.
So Hasselmann, dem sofort nachgesagt wurde, er habe in
Hamburg Hemden gestohlen*) — und doch trug Hasselmann, als
ihm dieser Leumund gestiftet wurde, seit Jahren selten ein frisches
Hemd und keinen heilen Rock mehr. So erging es Most, wie wir
noch sehen werden; so auch 1890 und 1891 „den Jungen“ in Berlin
und anderwärts, welche sich gegen den Alten vom Berge aufzulehnen
wagten. Der auf dem Parteikongreß in Halle gestellte Antrag, die
scheußlichen Verleumdungen der „Eisernen Maske“ über jene Parteigenossen,
welche der bekannte Unbekannte grundlos als „Polizeispitzel“
gebrandmarkt hatte, zu untersuchen und den unschuldig
Verleumdeten zu ihrem Rechte zu verhelfen, wurde durch Herrn
Liebknecht's Einschreiten und Einfluß von einer Kommission von
Strohmännern — welcher sich der löbliche Kongreß selbstverständlich
blindlings unterwarf — unbedingt abgelehnt.** ) Ein Mann, welcher
in solcher Weise wie Herr Liebknecht, der gesammten Partei ihr
gesammtes geistiges Futter vorschneidet und zumißt — sofern überhaupt
dabei von „Geist“ gesprochen werden kann — ihr alle Wissenschaft,
alle Religion, allen Glauben, alle politischen und wirthschaftlichen
Grundsätze gebieterisch zurechtlegt und vorschreibt, ihr Thun
*) Die Hintermänner der Sozialdemokratie, Berlin, Conitzer 1890.
S. 58.
**) Amtliche Protokolle des Parteitages in Halle, Oktober 1890.