Full text: Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1813. (8)

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verschlungen, während ein anderes fast un- 
berührt bleibt. 
Bei den Melkkühen ist die Milchabson- 
derung bald stärker bald geringer. Das Thier 
hat einen eigenen dumpfen trockenen Stoß- 
husten. · 
Die Krankheit selbst beginnet und verlaͤuft 
mit nachfolgenden Symptomen: 
Ein Hautkranipf mit Kaͤlte und Zittern 
befaͤllt das Thier zuerst an den hintern 
Fuͤssen, etwas spaͤter am ganzen Leibe, die 
Haare werden rauh, und borsten sich in die 
Höhe, es schüttelt zeitweise den Kopf mit 
emporgehaltener Nase heftig, und knirscht 
dabei mit den Zühnen, die Ohren, Lippen 
und Hörner sind bald heiß, bald kalt anzu- 
fühlen, die Augen hglänzen und thränen, 
der Husten vermehrt sich, das Wiederkauen 
(Eindrucken) wird senener, das Melkvieh 
giebt weniger, und endlich gar keine Milch, 
die Freßlust nimmt ab, und hört bald samt 
dem Wiederkauen gänzlich auf. Das Thier 
steht muthlos, und wie vergessen da, tram- 
pelt öfter, stellt die Hinterfüsse mehr unter 
den Leib, krümmet den Rücken, bei dessen 
Berührung es Schmerzen verräth, liegt end- 
lich viel mit beschwerlichen langsamen und 
stöhnenden Athem, mit Heben des Bau- 
ches, auf welchen es öfter hinblickt. Wenn 
man gleich Anfangs dem Thiere in den Mund 
und Nachen sieht, so ist dieser rauchend roth, 
bei dem Befsühlen ungewöhnlich heiß, und 
kn dem Munde, an dem Gaumen, vorzüg- 
lich aber an dem Zahnfsleische in der Ges 
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gend der Winkel der Kiefer bemerkt man, 
besonders, wenn man diese Theile mit einer 
vLeinwand etwas reibek, daß an verschiedenen 
Stellen die Oberhaut sich abschället, Eroslo- 
nen bildet, welche mit einem schmierigen talg- 
artigen Wesen bedeckt sind. 
Diese ebengenannten Zeichen werden, als 
die sichersten Merkmale, daß die beginnende 
Krankheit die Rindvieh, Pest sey, von den 
Kunstverständigen angegeben. 
Ueberhaupt dussert sich das Pestgift vor- 
züglich und zuerst an den Schleimhäuten, 
daher die vermehrte Absonderung durch 
Schleim und Rez an dem Maule, und den 
Nasen, daher der Stoßhusten als Foige 
des Reizes und größern Zuflusses nach der 
innern Oberfläche der Luströhre und ihrer 
Verzweigungen. 
Die Ausleerungen durch den Aster wer- 
den mit dem Verlaufe der Krankheit immer 
häufiger mit Zwang und Abgang von Blut. 
Zuwerlen jedoch tritt vom Anfange bis 
lum Ende eine harcnäckize Verstopfung ein. 
Der Roz aus der Nase, der Schleim aus 
dem Munde und den Augen, welche sich 
in die Augenhöhlen zurückziehen, werden zä- 
her und stmken aashaft. Es tritt eine gänz- 
liche Scheue vor dem Futter und dem Ge- 
tränke ein. 
Die Abmagerung und die Kraftlosigkeit 
nehmen zu, die Herzschläge und der Puls 
verlie#ren sich, mit diesen alle Wärme, und 
das Thier stirbt unter Stöhnen und Röcheln 
zuweilen schon in den ersten 24 Stunden, 
(115.)
	        
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