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Von diesem Zufalle erhielt die Krankheit
den Namen Uebergalle.
Beilage Zifer 6.
Porschriften zur Behandlung des an der Rind-
vieh= Pest erkrankten und des an dieser Seuche ge-
fallenen Rindriehes.
. 1. Gegen die Rindvieh- Pest giebt es bis
jeht kein anderes Präseroativmittel, als die
Bermetdung der Ansteckung. Auf welche
Art aber diese vermieden wird, geben die
Beilagen von Zifer 1 bis 5 an.
C. 2. Zur Zeit des Erscheinens der Rind-
vieh-Dest in einem nähern oder enrferntern
Orte ist nächst der sorgfältigen Vermeidung
jeder Ansteckungsgefahr auf das Rindvieh
noch besondere Obachtsamkeit zu haben. Das-
selbe soll gur gendhrt, nicht übermäßig an-
gestrengt, öster gewaschen oder geschwemmt,
gerteben und gestriegelt, überhaupt rein ge-
halten werden. Eine gleiche Reinlichkett ist
in den Ställen zu beobachten, und diese sind
öfters zu lüsten, mit feischer Streu zu be-
legen und Räucherungen mit Wachholder-
holze oder Wachholderbeeren in denselben
vorzunehmen.
F. 3. Wenn ein Stück Hernvieh in einem
Stalle, oder aus einer Heerde erkranke; so
soll man seine Zuflucht ja nicht zu Pfuschern rc.
nehmen, sondern den Thierarzk, wo bereits
ein solcher ist, rufen lassen. In Ermang-
lung desselben ist es am zweckmäßigsten, die
oben 6. 2. gegebenen Worschriften so genau
als möglich in Vollzug zu bringen, dem
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erkrankten Thiere eine leicht verdauliche, ge-
sunde, saftige, saͤuerliche, gesalzene Nah-
rung und mit Sauerteige und Salz, oder mie
Sauerkrautwasser, oder mit Essig und Salw
gesäuerte Mehltränke, eder eine Abkochung
der wilden Aepfel (Holzäpfel) zu reichen.
Des Tags zwei bis dreimal soll den er-
wachsenen Srücken ein Einguß von einer
halben Maß Essig mit einer handvoll Salz,
oder von einer Maß Wasser mit einem Loth
Schwefelsure (Witriolöl) oder Salzsäure
gemacht werden. Junges Vieh erhält davon
nur die Hälfte. Bei eintretender Besserung,
welche aus dem ##ieder anfangenden Wieder-
kduen (Eindrücken) am gewissesten erkanne
wird, sind nährende Mehlteänke, geschro,
tenes Furter, bietere, die Verdauung beför=
dernde Magenmittel, als: das Pulver von
der Enzianwurzel, der Alantwurzel oder
Galgantwurzel zu einem halben Lothe für
erwachsene Stücke, für junge zur Hälfte,
zweimal des Tages gereicht, sehr zuträglich.
Das Blurlassen ist in der Regel bei die-
ser Krankheit durchaus schädlich.
C. q. Von einer vorzüglichen Wichtigkeie
ist nach der vorgenommenen Tödtung der an
der Rindvieh-Dest kranken Seücke, oder
nach dem Fallen derselben, die Vergrabung
der Aeser und die Retnigung der Ställe und
Geräthschaften. Von diesen leztern handele
die ndchste Beilage Zifer 7.
C. 5. Das zum Todrschlagen bestimmte
Vieh ist an dem Orte, wo die Gruben zum
Verscharren desselben bereit sind, abzurreie
ben nud dort zu schlagen. Das Gefallene