gültiger Sieg errungen sei, obwohl von feindlicher Seite scheinbar vorteilhafte
Bellugungen angeboten werden“.
Nachdem es auf diese Weise vor aller Welt festgestellt worden war, daß
Rußland trotz der furchtbaren Schläge, die es bieber empfangen patte, nicht
daran denke, aus dem Bund unserer Feinde auszuscheiden, tat der Reichskanzler
im Reichstag den ersten Schritt zu einer politischen Offensive im Ginne der
polnischen Wünsche. Er erklärte: „Geographische und politische Schicksale haben
selt langen Jahren Deutsche und Polen gegeneinander zu kämpfen gezwungen.
Oie Erinnerung an diese alten Gegensätze mindert nicht die Achtung vor der
Leldenschaft, Baterlandellebe und Zähigkeit, mit der das polnische Volk seine
alte westliche Kultur, selne Freiheiteliebe gegen das Russentum verteidigt und
auch durch das Unglück dieses Krieges bewahrt hat. Die gleienerischen Versprechungen
unserer Feinde ahme ich nicht nach. Aber ich hoffe, daß die heutige
Besetzung der polnischen Grenzen gegen Osten den Beginn einer Entwicklung
dbarstellen wird, die die alten Gegensätze zwischen Deutschen und Polen aus der
Welt schafft und das vom russischen Joch befreite Land einer glücklichen Zukunft
entgegenführen wird, in der es die Eigenart seines natlonalen Lebene pflegen
und entwickeln konn.“
Oiese Andeutung des Reichekonzlere ist der erste Hinwels auf eine polltische
Entwicklung, deren tragische Zronie erst die Geschichte der kommenden
Jahre in ihrer vollen Herbheit erkennen ließ. Die zähe Ablehnung jeder Verständigung
durch den Zaren veranlaßte die Mittelmächte, sich ganz auf die
Seite der polnischen Wünsche zu stellen und, wie sie durch ihr Schwert die ehemals
polnischen Lande von der russischen Herrschaft befreit hatten, so sich nun
auch politisch ganz als Polens Verbündete aufzuwerfen. Wie Polen ihnen das
gedankt hat, weiß heute die Welt. Es ist ein bitterer Ausklang der ungeheuren
militärlschen Großtat, welche die Sommeroffensive von 1915 bedeutete, daß
sie die Grundlage schuf zu dem folgenschwersten polltischen Frrtum, den die
Mittelmächte lm Weltkriege überhaupt begangen haben.
Daß der Zar für seine Person dliesen Widerstand ebensowenig getragen
hat, wle er seinerzeit den Eintritt Rußlands in den Krieg perssnlich herbeigeführt
hat, liegt auf der Hand. Selbst wenn er mit den Mittelmächten zum
Frieden hätte kommen wollen — der Panslawismus hätte es nicht geduldet.
Oer hatte, um Bethmaonne Worte zu gebrauchen, in Rußland durch das Mittel der
Partelen, Zeitungen, Vereine und industriellen Komitees eine „Maschlnerie
dee Krlegewillens“, eine „durch das Geld der Entente und die ungeheuren
Verdienstmöglichkeiten des Kriegee fortdauernd genährte und in sich festgeschlossene
Organisation der Kriegeleldenschaften“ entstehen lassen, die in der Frledenefroge
den Zaren bis zu selnem Sturze zur Ohnmacht verurtellt hat. Alcht
ln Deutschland, wohl aber in Rußland hat es tatsächlich während des ganzen
Kregee eine starke, ja eine allmächtige Kriegepartel gegeben. Der Kriegeausgang
hat an den Trägern dieser Bewegung eine furchtbare und wohlverdiente
Rache genommen.
Die Westmächte haben es mit vollendeter politischer Meisterschaft verstanden,
den russischen Bundeegenossen bei der Stange zu halten bie zu dem
Augendlick, do das von seinen Kriegehetzern schlimmer ale von selner Krone
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