Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Aummer  60

Rosenheimes  Anzelger

Sanistag,  13.  März  1915

 

ubher  die  japanischen  Forderungen  gegeben  hal,
maren  unbestimmt.  aber  beunruhigend.  Ueber
den  Charakter  der  Fuorderungen  scheint  lein
Zweifel  zu  herrschen.  tie  laufen  auf  eine  Obe

herrschaft  Japans  über  China  hinaus.  Unter
den  gegenwärtigen  Umständen  üt  die  Reserve,
die  sich  Grey  auferlegl,  natürlich  und  zweifel
losr  notwendig,  aber  die  japanische  Frage  zeigt,
welch  gewichtige  Probleme  von  der  osffentlich  en
Diskussion  ferngehalten  werden.  Das  Preß
bureau  knebelt  die  Presse  andauernd  in  wichti
gen  Angelegenheiten,  die  von  keinerlei  mililäri
sckem  Interesse  sind.

In  England  wird  man  also  über  das  Vor
gehen  Japans  recht  ungemutlich,  Japan  schein:
eben  unter  dem  Drucke  seiner  Drohungen  von
China  zu  erreichen,  was  er  bezweckte.  Dage
gen  lann  auch  England  nichts  ausrichten;  die
Engländer  sind  vielmehr  gezwungen,  ohnmächtig.
zuzusehen,  wie  die  D  Dinge  im  fernen  Osilen  sich
immer  mehr  zugunften  Japans  entwickeln.  Die
scuchternen  Worte  Greys  sind  das  beste  Einge
füändnis  dafür.  Der  Leidtragende  des  Handels
im  sernen  Osten  in  England,  das  dulden  muh½b,
wie  ihm  die  beslen  Stlücke  weggenommen  werden,
  ohne  daß  es  im  geringsten  sich  dagegen
aufzulehnen  vermöchte.  ist  bitter,  aber
wohl  verdient!

Die  bo#yerischen  Vecinstilsten.

Verlustliste  Nr.  161.

Das

Infanterieregiment  München:  Juf.  Johann
###inun  aus  Truchllaching,  leicht  verwundet:
Unkeroffizier  Michacl  Lins  aur  Stammham,  in
solge  Unglücksfalles  verletzt.

16.  Insanterieregiment  Passau  (Landshutg:
Unteroffizier  d.  R.  Johann  Berndl  aus  Unter-Karching,
  gefallen.

Reserve-Jusanterie  Regiment  Nr.  18:  Unter
offizier  Gg.  Einöder  aus  Miesbach,  schwer  verwundet;
  Juf.  GOg.  Glasedoner  aus  Wasserburg,
schwer  verwundet:  Iuns.  Ferd.  Attlieliner  aus
Steinhöring,  schwer  verwundet:  Juf.  Johann
Meier  aus  Ried.  verwunot:  Utffz.  Joh.  Wallbrunn
  aus  Isen,  schwer  verwundet;  Juf.  Jos.
Thaler  aus  Nosenheim,  leicht  verwundel:  Uttsz.
Xaver  Freihofer  aus  Rosenheim,  leicht  verwum:
dei;  Jaf.  Matth.  Irger  aus  Erlställ,  gefallen:

Jus.  Lorenz  Hell  aus  Frasdorf,  gefallen;
Inf.  Joj.  Landinger  aus  Kolbermoor,  gefalleu:
  Juf.  Manth.  Haberlander  aus  Teisendorf,
gefallen;  Juf.  Balth.  Hammerl  aus  Oberwös
sen.  gefallen:  Zuf.  Hermann  Neubauer  aus
NRosenheim,  gefalien:  Inf.  Jos.  Koppelfl  äller
aus  Pielling.  schwer  verwundet:  Inf.  Felix
(Himpl  aus  Niedl,  leicht  verwundei:  Inf.  Jos.
Obertaner  aus  Piesenhausen,  leicht  verwundet:
Inf.  Klem.  Kellerer  aus  Großholzhausen,  leicht
verwundct;  Inf.  Gg.  Deckert  aus  Großkarolineufeld,
  leicht  verwundet;  IJnf.  Steph.  Lenz
aurs  Au,  leicht  verwundel:  Utffz.  Ernst
Komposch  aus  Schliersee,  gefallen;  Juf.  Franz
Gruber  aus  Halfing,  leicht  verwundel:  Inf.  Jolann
  Pertel  aur  Rulpolding.  leicht  vermundel:
  Inf.  Josef  Wagner  aus  Rosenheim,  leicht
verwundet;  Ini.  6.  Kapener  aud  Schechen,
leicht  vermundet;  Inf.  Peler  Mayer  aus  Tegernsee,
  leicht  verwunder:  Ins.  Franz  Schmid  aus
Kleinholzhausen,  leicht  verwundel;  Inf.  Ludw.
Oberndorfer  aus  Trannnein,  leicht  verwundet:;
Ini.  Joh.  D  areder  us  (brabenjlält,  leicht  ver-Juf.
  Kaller  aus  Tinmoning,

u  undel
leicht  verwundel:  Seb.  KRiaus  aus  Emerts

Jol.

Inj.

ham,  leicht  verwundek:  Inf.  Mar  Weiß  aus
Oberwössen,  leicht  verwundet;  Ins.  Franz  Röhlmaier

  aus  Vogtareuth,  schwer  verwundet.

Landwehr.  Juf.  Reg.  Nr.  1:  Ers.-Res.  Joseph
K  nner  aus  Wafferbrg,  gefallen;  Wehrmann
#n.  Jos.  Mayer  aus  Burghausen,  schwer  veru
  undet:  Wehrmann  Mar#in  Pöschl  aus  Kolbermoor,
  vermißt:  Wehrmann  Lorenz  Lindner  aus
NRosenheim,  gefallen;  Mehrmann  Friedr.  Hefler
aut  Rosenheim.  gefallen;  Wehrmann  Engelbert
—traßberger  aur  Bergen,  schwer  verwundet:
Wehrmann  6g.  Hirschmüller  aus  Kolbermoor,
leigt  verwundet:  Wehrmann  Balth.  Höfer  aus
Linldorf,  schwer  verwundel;  Wehrmann  Josef
Drarl  aus  Chieming,  leicht  verwundet:  Wehrmann
  Jak.  Hagenauer  aus  Surheim,  leicht  veruundel;
  Wehrmann  Seb.  HDosmann  aus  Trannnalchen,
  gefallen:  Wehrmann  Theodor  Koller
aus  Oberaudors,  leichl  verwundel:  Gesr.  Ludw.
Kirchner  aus  Straß,  gefallen:  Wehrmann  Steunlan
  Gramsamer  ans  Pietling,  schwer  verwundel.
  gestorben  am  20.  Februar  1915;  Wehrmann
alob  Prechtl  aus  Kemating,  schwer  verwundet;
Wehrmann  Joh.  Vapt.  Deckl  aus  Traunstein,
schurr  verwundet:  Wehrmann  Josef  Brandner
Enrdorf,  schwer  verwundet;  Wehrmann  An-Ureas
  Streitwieser  aus  Taching,  leicht  verwundel;
  Wehrmann  Kaspar  Hefter  aus  Trannstein,
gefallen:  Wehrmann  Jos.  Hell  aus  Reischach,
leilnt  verwundet;  Wehlrmann  Josef  Baumann
aur  Tattenhausen,  leicht  verwundet:  Wehrmann
Tuohann  Nagl  aus  Fahrnpoint,  schwer  verwundet:
  Wehrmann  Josef  Eisenreich  aus  Grubmühl,
leicht  verwundet.

Ers.-Inf.-Reg.  Nr.  1:  Res.  Gg.  Brunner  aus
Traunstein,  gefallen;  Iuf.  Martin  Pachiner  aus
Feldlirchen,  schwer  verwundet.

Nes.-Kav.-Reg.  Nr.  1:  Res.  Jos.  Müller  aus
Inversdorf,  verwundet,  gestorben  am  19.  Februar
  1915.  -

 

Oberbayer.  cheistl.  Bauernvereine.

München.  il.  Muürz.
Im  großen  Saale  des  eeenen  EL
stansbauses  hielt  der  Tberbaueriiche  ti  ilide

Bauernverein  am  Donnecolag  seine  10.  orbent
liche  slark  besuchte  Generalversammung  ab.  Aus
dem  von  Direltor  Melchner  erflatte#en  Rechen
schasts  beridet  inn  hervorzubeben,  daß  der  Verein
  Ende  1513  30½00  Obmannschaften  mit
29415  Mitgliedern  zählie.  16  Lbnannschilen
uurden  neu  gegrundet.  Einnahmen  im  Beicage
von  74  620  Mt.  sianden  Aus—  aaben  in  der
Löhe  von  01.57  Ml.  acqennber.  Das  Uer
einepbermosen  heträgt  Zlninnn  Ml.  «

mdtnqalamronut  Tr-E.i:li.cni·..1u:-:ls.·
handelte  in  einem  eingenenden  Vortrage  das

Thema:  Krieg  und  L.#  zudairtschaft.  Der  Krieg

so  führte  der  Nedner  aut  hat  wieder  er
uiesen,  daß  die  Landwirtidait  das  Lebensinart
der  deutschen  Naiion  bedeule:.  Leider  hat  bri
Kriegeausbruch  ein:  Versch’enderung  der  Liehes
zu  unverhallnis  F  aßig  niedrigen  Prchen  ring:
setzt,  der  die  behordlimen  Maßnahmen  über
das  Schlachigen  icht  und  das  Scklack#aller  bei
Kälbern  und  Schl#einen  ni#ht  zu  begegnen  vermochten.
  Man  hätie  Mindenxreise  für  Viel
und  Höchstrreiie  für  Fleiich  feslietzen  sollen.  Die
fur  Scharinefleisch  solgten  nicht
cn  den  rückläusigen  Schlach  laruichtspreisen

eine  bedauerliche  Erscheinung,  die  besonders
unangenehm  sich  in  München  geltend  machie.
Von  diesen  Verhältniisen  hatten  Produgenten
und  Konsumenlen  in  gleiher  Weise  Schaden.
Nach  dem  Kriege  uird  man  der  Militärveru
  altung  zissernmäßig  den  Nachwei  darüber  erbringen,
  nie  sich  gewisse  Firmen  ein  Monopol
fur  Lieserungen  für  das  DHeer  zu  verscha'fen
u  #ußten.  Man  wird  aber  dann  auch  verlangen,
  daß  von  diesen  lolossalen  Geuinnen  entsp
  rechende  Prozentsätze  dem  Vaterland  wieder
argegeben  nerden  müssen.  (Lebh.  Beifall.)  Cine
rechtzeitige  Verleliung  aller  Getreidevorräte
hatte  dazu  geführ:,  daß  frühzeilig  die  Spekulation
  ausgeschieden  m#orden  wäre.  Gegen  die
Produzenten  ltann  der  Voruurf,  daß  sie  zur
Verteuerung  der  Kartosselvreise  beigetragen  haben,
  nicht  erhoben  nerden.  Die  letzte  Erbhung
der  Hochstpreise  für  Kartofseln  i#t  auf  die  Inilialive
  des  Bundesrats,  die  ohne  Zuilun  der
Produzenten  erging,  zurückzuführen.  Bei  der
Frühjsalh#robestellung  mussen  die  Bauern  wegen
des  Mangels  an  Gespannen  #reu  und  feit  zusammenhaiten.
  Das  Kultusministerium  verdient
den  besonderen  Dank  der  Banern  für  sein  Entgegenlommen
  limichtlich  der  Erleichterungen
beim  Schulbesuch.  Die  Versammlung  nahm  mit
lebhaftem  Beifall  den  Appcu  des  Nedners  auf,
auch  auf  dem  Alierfelde  durchzuhalten.

Die  Versammlung  nahm  damn  noch  eine  Anzahl
  Resolutionen  an.  die  im  uesentlichen  folgendes
  fordern:  Erhöhung  der  Rationen  von
Brotgeiteide  und  Mehl  sowie  von  Haber  als
Pferdefutter  uähreno  der  Anbauzeit  und  der
Ernte;  Freigabe  eines  Quantums  Getreide  für
Hühnersutter;  einheitlichere  Regelung  der  Voraussetzungen
  für  die  Gemährung  der  reichsgesehzlichen
  Familienunterstützung;  Festietzung
eines  Saathaberquantume  von  4  Zenter  pro
Heltar  für  alle  Bezirle  in  Oberbayern;  Zu—
lassung  des  Handels  mit  nicht  militärischen
Pferden  innerhalb  des  Bezirles  des  1.  bayerischen
  Armeekorps.  Weitere  Entschließungen
fordern  mit  Rücksicht  auf  die  übermäßige  Zunahme
  des  Wildes  einen  vermehrten  Wildab-E
  iß  und  proteitieren  gegen  die  in  München
vom  Rriegsausschuß  für  Konsumenteninteres.
sen  eingeieitete  Benegung  gegen  den  Milchpreis.

Bei  der  Neumahl  der  Vorstandschaft  wurde
Landtagsabgeordneter  Schmid  (Wolfrarshausen)
  nieder  zum  1.,  Reichstagsabgeordneter
Angerpointner  (Traunstein)  zum  2.  und  Pfarrer
  Rebaus  (Baar!  zum  3.  Vorsitzenden  genähn.
  Als  Schriftführer  wurden  dje  Abgg.
Osel  und  Einhauser,  als  Kassier  Direltor  Melchner
  berufen.  (M.  N.  N.)

Ho-  ad  Beesondlnachrichlev.

amünchen.  11.  März.  Der  frühere  Erzherzog
  Ferdinand  Karl,  der  unter  dem  bürgerlichen
  Namen  Ferdinand  Burg  seit  mehreren
  Jahren  in  München  lebte,  ein  jüungerer
Bruder  des  ermordeten  Thronfolgers  Erzherzogs
  Franz  Ferdinand,  ist  gestern  Nacht  hier
gestorben.  Ferdinand  Burg  litt  an  Gelentrbeumatismus
  und  Venenthrombose.  Dos  Hinscheiden
  erfolgte  nach  Empfang  der  Sterbesalromente
  in  Gegenwart  seiner  Familie,  insbesondere
  auch  der  aus  Wien  eingetroffenen  Erzher-#ogimen
  Maria  Theresia  und  Maria  Annunciata
  souie  der  jüngeren  Schwester  des  Verblichenen
  Fran  Prinzessin  Elisabelh  zu  Liechtlenstein.
  Die  Beisezung  wird  nach  Ueberführung
  der  Leiche  nach  Südtirol  in  Obermais  bei
Meran  erfolgen.  no  der  Verstorbene  eine  Besitzung
  besaß.  Ferdinand  Burg  vermählte  sich
seinerzeit  nach  der  Uebermindung  aller  höfischen
  Schnierigkeiten  morganatisch  mit  der  Tochler
  eines  Prager  Hofrats  und  Professors,  Nosa
Czuber,  verzichtete  daraufhin  auf  alle  seine  ihm
von  Geburt  aus  zukommenden  Vorrechte  sowie
auf  alle  Würden  und  führte  seither  den  bürgerlichen
  Namen  Ferdinand  Burg,  ohne  jegliches
  Adelsprädikat.  Letztmalig  weilte  der  Ver- 



storbene  beim  Begräbnis  des  Buordeten  Thronsolgers

  auf  österreichischem  Bode

des  großen  Opjersinnes

 

M.  ——  —7
Kuntiilches  Dberierd

UNiedberaschau,  11.  März.  Am  9.  März
nurde  unter  dem  Schweinebestande  des  Dampfmollerci.
  „itere#  F.  S.  Zillibäller  in  Niederasr
  au  ler  Aus##ruch  der  Maul  und  Klauensem#:
  amtslieräclich  fellgestellt.  Sverrbezirt
ist  das  Zenten  eöit,  Beobachtungsgebiet  sind
i#e  Gei  ölte  rez  Bergermeisters  Andrelang,  der
Gasehojleiircrin  Rest,  de;  Bauern  Kiener  zum
Kail  und  ve##  Bauern  Nieder,  alle  in  Niederasc,]au,
  soui:  die  Straße  am  Seuchengehöft
voruler  vden  der  Al  zweigung  der  Bahnhos-=slras:
  li=  zim  ;Ge###tides  Kiener  zum  Kail
mit  dem  Ver  et  ei’  Klauenviehverkehrs,  mit
Auznal.#r  von  Sänucktlieren,  die  in  die  Andre
ianasche  M.g  eref  V.  r.  racht  nerden.

mühldorf.  11.  März.  Ein  falscher  Feld
Hrauer  n  urde  lier  #ilgenommen.  Einen  Kriegs
scaurian  hat  er  nie  gesehen,  war  überhaupt
nie  Soldat.  Ec  i####  eiler  nichts  als  ein  mi  te“-loter
  Slrolch,  der  durch  mordemäßige  Ausichneidereien
  uler  angel##iäe  Erledussse  im  Krieg  Un
terstützungen  erschuindelte  und  JZechprellereien
verübte.

Frauenverein  vom  Rolen  Kreuz
in  Kolbermoor.
Kolbermoor,  11.  Mäz.

Die  am  30.  Jannar  d.  J.  abgehaltene,  leider
  nur  schwach  besuchte  erste  Generalversammlung
  des  Frauenvereins  vom  Roten  Kreuz  in
Kolbermoor  gab  ein  Bild  der  ungemöhnlichen
Arbeit,  die  von  dem  jungen,  erst  nach  dem
Ausbruch  des  Krieges  gegründeten  Verein  bis
zum  Jahresschlusse  geleistet  wurde.

Von  Anfang  an  hatte  sich  der  Verein  zwei
Hauptaufgaben  gesiellt:  die  Ausstattung  des
Vereinslazarettes,  dessen  Errichtung  schon  vor
der  Gründung  des  Vereins  angeregt  woden  war,
und  die  regelmäßige  Absendung  von  Liebesgaben
  an  die  Krieger  im  Feld.  Für  das  Lazarett
  wurden  durch  den  Herrn  Assistenzarzt  Dr.
Durner  etua  20  Frauen  und  Mädchen  als
Helferinnen  ausgebildet.  In  die  Ausstattung
des  Lazaretts  teilte  sich  der  Frauenverein  mit
dem  Mannerverein  und  der  Baumwollspinnerei,
die  ihren  Kindergarten  zur  Verfügung  siellte
und  das  Molbiliar  beichafste.  In  gemeinsamer
Arbeit  nmurden  durch  Mitglieder  des  Vereins
die  beiden  Abteilungen  des  Lazaretts  für  die
Ausnahme  von  40  verwundeten  und  erkrankten
Kriegern  mit  der  erforderlichen  Bett=  und  Leib-Uäsche
  aufs  reichste  versehen.

Noch  mehr  Arbeit  verursachte  die  Lösung
der  zueiten  Ausgake,  die  regelmaßige  Absendung
von  Licbesgaben  an  die  Krieger  im  Felde.  Dank
unserer  Belkerung
konnte  jeden  Monat  eine  sehr  stattliche  Kiste
an  die  Abnahmestelle  in  München  abgehen.  Die
Sendungen  umfaßten  Belleidungs=  und  Gebrauchsgegenstände
  aller  Art,  Nahrungs=  und
Genußmittel  und  Nauchzeug.  also  alles,  was
des  Schützengrabenmenschen  Herz  erfreuen  kann.
Es  ist  selbstverständlich,  daß  im  November  eine
eigene  Weihnachtssendung  abging,  die  besonders
reichhaltig  war.  Der  Dank  sagte  dem  Absender,
wie  sehr  er  das  Richtige  getroffen.  Die  Bekleidungsgegenstände
  wurden  auch  hier  größtenteils
  in  gemeinsamer  Arbeit  von  unermüdlichen
  Mitgliedern  angefertigt.

Daß  neben  diesen  Hauptausgaben  noch  allerlei
  nebenherlief,  ui#  die  Verabreichung  von  Unterslützungen
  an  entlasiene  Insassen  des  Lazaretts
  und  einberusene  Soldaten  aus  Kolbermoor,
  Weihnachteobescherung  von  besonders  bedürftigen
  Ortseinwohnern,  Unterstützung  von
Wöchnerinnen  u.  dgl.  m.  bedarf  leiner  Erräh-=nung.

Mit  den  ordentlichen  Beiträgen  der  200  Mitglieder
  hätten  sich  die  hohen  Ausgaben  nicht
bestreiten  lassen.  Auch  hier  stellten,  wie  bei
dem  zur  gleichen  Zeit  ins  Leben  getretenen
Hilfsverein,  viele  Verein:  und  die  beiden  Fabrikleitungen
  (Baumwollspinnerei  und  1
werl)  einmalige  zum  Teil  sehr  hohe  Beträge
zur  Verfügung.  Am  nachhaltigsten  erniesen  sich
aber  die  lleinen  und  lleinsten  Gaben,  die  „Ar—
beitergroschen“,  die  in  die  beiden  in  der  Spinnerei
  ausgellellten  Sammelbüchsen  floisen;  fast
5(0()  Mkl.  lamen  auf  diese  Weise  zusammen.
Und  das  Ersreulichste  daran  ist,  daß  die  Beträge
  sich  bis  Neujahr  immer  auf  der  gleichen
Höhe  bielten  und  nur  etmas  sanken,  als  immer
mehr  Arbeiter  dem  Rufe  des  Königs  solgten.

Die  Arbeiterschaft  hat  sich  damit  ein  glänzendes
  Zeugnis  ihres  Opfersinnes  ausgestellt.
ist  zu  hoffen,  daß  sie  nicht  erlahmt;  denn
sie  u#eiß,  daß  die  draußen  vor  dem  Feinde  nicht
erlahmen,  uenn  die  zu  Hause  Gebliebenen  ihre
Schuldigkeit  tun.

Slifsverein  Kolvermoor.
Kolbermoor,  11.  März.

Gleich  nach  Kriegsausbruch  trat  hier  die
Hilfstätigkeit  in  einer  sehr  umsichtigen  und  anerkennensnerten
  Weise  in  Kraft.  Von  weitauschauenden
  und  tatträftigen  Männern  wurde  ein
„Hilfsverein“  gegründet,  der  es  sich  zur  Aufgabe
  slellte,  die  bedürftigen  Angehörigen  unserer
  tapferen  Krieger  zu  unkerstützen.  Durch
namhafte  Zuwendungen  hochherziger  Spender,
sowie  durch  fortlaufende  monatliche  Beiträge
leitens  der  hiesigen  Einwohnerschaft  wurde  es

 

—

B  Hillsverein  ermöglicht,  recht  viel  Gutes

u  tun.  So  umrden  bis  zum  1.  Mär#  an  Geld-Anerstützungen
  1547  Ml.  ausbezahlt,  die  Weihnach
  tsllebesgabensendungen  an  unsere  Feldzugssoldaten
  erforderten  einen  Aufwand  von  860
Mark,  und  an  die  Kinder  der  Krieger  wurden
irka  27000  Mittagessen  verabreicht,  die  in
ebenso  schmackhasten  use  reichlichen  Portionen
in  zuei  eigenen  Küchen  hergestellt  werden.  Für
einen  Ort  wie  Kolbermoor  sind  das  Leistungen,
die  sich  sehen  lassen  können  und  die  dem  „Hilfsverein“
  nicht  nur  die  Danlkbarkeit  der  Unterstützten,
  sondern  auch  die  Hochachtung  aller
Kreise  sichern  müssen.

Für  die  Familien  jener  Arbeiter,  die  in  der
hiesigen  Baumuollsprinnerci  oder  im  Tonwerk
beschäftigt  maren,  sorgen  beide  Etablissements
selbst  in  hervorragender  Weise.  So  hat  das
Tonwerl  bedeutende  Aufwendungen  für  Geldunterstützungen
  und  Verteilung  von  Naturalien
gemacht.  Die  Moblesse  der  Baumwollspinnerei
in  Auffassung  der  Lage,  somie  das  Ausmaß
der  Unterstügungen  müssen  geradezu  als  vorbUildlich
  bezeichnet  werden.  Zwei  Zahlen  bemeisen
  dies:  In  eigener  Küche  wurden  bis
ietzt  über  23000  Portionen  Essen  hergestellt,
und  die  Barauszahlungen  erreichen  die  stattliche
  Summe  von  reichlich  15000  Mk.

So  scheuen  der  Hilfsverein  wie  auch  die  beiden
industriellen  Betriebe  neder  Zeit  noch  Geld.
in  dem  Bestreben,  von  den  Angehörigen  der
Kriegsteilnehmer  Not  und  Elend  abzuwenden.
Wahrlich,  eine  reiche  Segenstatigkeit,  die  da
geübt  uird!  Und  auch  für  unsere  tapferen
Krieger  n#rd  es  eine  Beruhigung  sein,  wenn  sie
wWissen,  daß  sich  hilfreiche  Hände  ihrer  Familien
annehmen,  auch  sie  nerden  sreier  und  froher  die
unerhörten  Strap#azen  bieses  fürchterlichsten  aller
Kriege  ertragen,  uenn  ihre  Kinder  nicht  Hunger
zu  leiden  brauchen,  während  sie,  fern  vom  heimischen
  Herde,  auf  Frankreiche  und  Rußlands
Gesilden  mit  den  ruchlosen  Feinden  blutige  Abrechnung
  halten.  Darum  Etre,  uem  Ehre  gebührt!


Die  Geeslenhöchsppreise.

München,  11.  März.  Die  „V.  St.  31g.#“
schreibt  amtlich:  Der  Bundesrat  hat  am  9.
März  1915  eine  Aenderung  der  Belanntmachung
  über  die  Höchstpreise  für  Roggen,  Gerfte
und  Weizen  vom  19.  Dezember  1914
RGBl.  S.  528  beschlossen.  Diese  Aenderung
  bezieht  sich  aber  ausschließlich  auf  die
Höchstrreise  für  Gerste,  nicht  auch  auf  jene  für
Roggen  und  Weizen.  wie  eine  mißverfländliche
Pressemitteilung  von  gestern  amehmen  lassen
konnte.  Der  Roggenhöchstpreis  beträgt  nach  nie
vor  für  den  dauptort.  München  237  Mk.,  für
Frankfurt  a.  M.  235  Ml.,  für  Mannheim
236  Mk.;  der  Weizenhöchstpreis  ist  nach  wie
vor  um  40  Mk.  mehr  als  der  Höchstpreis  für
Roggen.  Die  vom  Bundesrat  beschlossene  Aenderung
  betrifst  drei  Punkie:  1.  Der  Gerstenhöchstpreis
  wurde  um  50  Mk.  für  die  Tonne
erhöht.  Er  beträgt  also  für  den  Hauptort
München  nunmehr  287  Ml.,  für  den  Hauptort
Frankfurt  a.  M.  285  Mk.,  und  für  den  Hauptort
  Mannheim  286  Mk.  Der  Hoöchstpreis  für
die  Tonne  geschrotener,  gequetschter  oder  sonst
zerkleinerter  inländscher  Gerste  ist  wie  bisher
um  10  Mk.  höher,  2.  Der  nunmehrige  Gersten.
höchstpreis  gilt  für  alle  Verkäuse;  die  in  der
Bundesratsverordnung  vom  19.  Dezember  1914
zugelassene  Ausnahme  für  Verläufe  an  Kleinhändler
  oder  Verbraucher,  welche  drei  Tonnen
nicht  übersteigen,  ist  beseitigt,  was  für  Bayern
schon  durch  die  Ministerial--Bekanntmachung  vom
14.  Januar  1915  geschehen  war.  Z.  Die  Neports
  für  Gerite  sind  aufgehoben.  Bei  Gerste
erhöhen  sich  die  Hochstpreise  nach  dem  1.  März
1915  nicht  weiter,  um  je  1.50  Mk.  am  1.  und
15.  jeden  Monats.

Colalnschrichter.
Rosenheim,  12.  März.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Georg  Haidacher,  Sen  alobauer  von  Reischenliart,
  Landuelrmann  im  1.  Landwehr-Iuf.=Reg.;
  Josef  Gratzl  aus  Otting,  Gefreiter  im
19.  Res.-Inf.-Reg.

Auszeichnungen  im  Felde.  Der  Gutsbesitzer
  Georg  Schöttle  von  Brannenburg  ist
mit  dem  Eisernen  Kreuz  ausgezeichnet  worden.
Cleichzeitig  wurde  er  zum  Leutnant  befördert.

Kriegsanleihe.  Der  Banetische  Poslverband
  zeichnete  gemeinsam  mil  seiner  Krankenversicherung
  500000  Marl  auf  die  boo#ige
Kriegsanleihe.  Bei  der  ersten  Jeichnung  bebuiligte
  sich  dieser  Verband  bereils  mit  30  000
Mar  Die  Arbeiterpensionslasse  der  K.  B.
artl  annte  uird  sich  an  der  zweiten
Kriegsanleihe,  ebenso  wie  an  der  ersten,  mit  dem
Betrage  von  einer  Million  Mark  beteiligen.

Kriegsgefangene  für  die  Land-=mirtschaft.
  Amtlich  wird  aus  Berlin  gemeldet:
  Für  die  Durchführung  der  Ackerbestellung
  und  Ernte  erllärte  sich  die  Heeresvernaltung
  bereit,  Kriegsgefangene  möglichst  noch
im  Laufe  dieses  Monats  in  ausgiebigem  MahBe
zur  Verfügung  zu  stellen.  Die  Grundsätze  über
die  Vernendung  von  Kriegsgefangenen  gehen
in  diesen  Tagen  den  Landratsämtern  zu,  bei
denen  auch  der  Bedarf  an  Kriegsgefangenen  an-