Full text : Hand- und Lehrbuch der Staatswissenschaften. Erste Abteilung VII. Band. Das Verkehrswesen (1_7)

279  III.  Abschnitt.  Der  Eisenbahnverkehr.

dringen  deshalb  dichte  Ströme  von  Menschen  aus  diesen  Bezirken  in
das  Innere  der  Städte;  zu  anderen  Zeiten  geht  der  Strom  in  umgekehrter
Richtung.  Im  Innern  der  Städte  sind  bei  der  lebhaften  Bewegung  der
städtischen  Bevölkerung  fortwährend  Entfernungen  zurückzulegen,  die
aufs  schnellste  und  ohne  besondere  Anstrengung  zu  überwinden  fast  jedermann
  bestrebt  ist.  Hier  greifen  neben  den  an  die  Vollbahnen  angegliederten
  Vorortbahnen  die  Straßenbahnen  und  die  Hoch-  und  Untergsrundbahnen
  ein.  So  viel  auch  in  den  großen  Städten  sonstige  Verkehrsmittel
  benutzt  werden,  wie  Omnibuslinien,  Kraft-  und  andere
Droschken  usw.,  so  ist  doch  obne  das  Eingreifen  der  innerstädtischen
Bahnen  der  jetzige  städtische  Verkebr  undenkbar.

Die  Verkehrsleistung  der  Straßenbahnen  liegt  demnach  vorzugsweise
  auf  dem  Gebiete  des  Personenverkehrs.  Er  ist  der  Zahl  der  beförderten
  Personen  nach  überaus  groß.  Die  mittlere  Beförderungsstrecke
dagegen  ist  kurz,  in  Berlin  z.  B.  1910  nur  3,5  km.  Der  Güterverkehr
ist  unbedeutend.  Auf  den  deutschen  Straßenbahnen  wurden  —  nach
der  Zeitschrift  für  Kleinbahnen  befördert:

Güter  Personen

1000  t  1000
1910  1  460,7  2316  134,3
1905  1  595,9  1  634  151,0
1900  1  038,2  1043  943,1

Der  Personenverkehr  ist  hiernach  sehr  schnell  gewachsen  und  übertrifft
  an  Zahl  der  beförderten  Personen  die  deutschen  vollspurigen  Bahnen
noch  beträchtlich.

Das  starke  Überwiegen  des  Personenverkehrs  über  den  Güterverkehr
  bei  den  Straßenbahnen  ist  in  der  Natur  der  Sache  begründet  und
deshalb  überall  anzutreffen.  So  haben  z.  B.  die  französischen  Straßenbahnen
  1907  nur  15000  t  Güter,  aber  927  1/,  Mill.  Personen  befördert,
die  schweizerischen  Straßenbabnen  1909  rund  140000  t,  aber  111,2  Mill.
Personen  usw.

Bei  den  nebenbahnäbnlichen  Kleindahnen  hat  die  Güterbeförderung
eine  größere  Bedeutung  als  bei  den  Straßenbahnen.  Ein  kleiner  Teil
dieser  Kleinbahnen  dient  nur  der  Güterbeförderung,  nur  ganz  wenige
sind  ausschließlich  für  Personenverkehr.  Weitaus  die  meisten  dienen
beiden  Zwecken.  Auf  den  deutschen  nebenbahnähnlichen  Kleinbahnen
wurden  befördert:

Personen  Güter

1400  1000  t
1910  109206,5  26  079,5
1905  70  526,4  14  075,0

1900  43  360,0  7  196,0