308 12. Der Kanzler des Norddeutschen Bundes
von Stuttgart bemerkt, das Zollparlament solle nicht durch
Erweiterung seiner Kompetenzen sich zum Schauplatze politischer
Kämpfe zwischen Nord= und Süddeutschland machen, schon aus
Rücksicht auf das Ausland. Eine offene Darlegung des Gegen—
satzes zwischen Süd= und Norddeutschland würde eine Störung
des Friedens bedeuten.
Darauf erwiderte Bismarck: „Um ein für allemal das Programm
der Politik des Norddeutschen Bundes zu kennzeichnen,
erinnere ich Sie an eine längst publizierte Zirkulardepesche des
Kanzlers des Norddeutschen Bundes vom 7. September v. J.
Wenn Sie dieselbe mit Aufmerksamkeit lesen, so werden Sie
sich überzeugen, daß das Programm der Politik des Norddeutschen
Bundes, an welchem dieselbe noch heute festhält, die
Selbständigkeit Süddeutschlands in keiner Weise gefährdet, und
selbst wenn Sie den Wunsch aussprächen, diese Ihre Selbständigkeit
aufzugeben (Sie nennen es so, ich nicht — sich dem
Norddeutschen Bunde zu nähern, will ich lieber sagen), so
müßten Sie diesen Wunsch schon so motivieren, daß er auf
beiden Seiten dieselbe günstige Beurteilung fände. Sie halten
uns für viel empressierter, als wir es sind. . . Aber wenn
ich mich so gegen das Bestreben jeder Kompetenzerweiterung
verwahre, so muß ich auch jedem Bestreben, die vertragsmäßige
Kompetenz des Zollvereins zu vermindern, entgegentreten. Ob
ein solches Streben hier vorliegt, lasse ich noch unentschieden;
dem Herrn Vorredner aber und allen, die dasselbe Themamit
ihm behandeln, gebe ich zu bedenken, daß ein Appell
an die Furcht in deutschen Herzen niemals ein Echo
findet!"“
Der Eindruck dieser Worte, der an sich schon groß war,
wurde dadurch erhöht, daß ein anderer Schwabe, aber ein
baperischer, der Abgeordnete Dr. Völk-Augsburg im Verlauf
seiner Rede ausrief: „Noch haben einige Leute Vergnügen
daran, sich mit Schneeballen zu bewerfen; aber die Sonne wird
mit wachsender Wärme ihnen das Material bald verzehren;
ja, meine Herren, es ist Frühling geworden in Deutschland!“
Stürmischen Beifall erregte diese Rede nicht nur im Zoll-