Metadaten : Geschichte der Hohenzollern.

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Lieutenant  von  Geßler  stellte  sich  an  die  Spitze  des  von  dem  Obersten
Schwerin  geführten  Dragoner-Regimentes  Bayreuth,  drängte  durch  das  preußische
Fußvolk  hindurch,  und  machte  einen  so  wüthenden  Angriff  auf  das  zwar
erschütterte,  doch  immer  noch  muthig  fechtende  östreichische  Fußvolk,  daß  er
binnen  einer  Stunde  zwanzig  Bataillone  sprengte,  das  Schlachtfeld  mit  Todten
und  Verwundeten  bedeckte,  mehrere  Tausend  gefangen  nahm,  eine  Menge  Geschütze
  und  67  Fahnen  eroberte.  Der  glorreiche  Sieg  war  in  wenigen  Stunden
erfochten  worden;  um  8  Uhr  sah  man  den  Feind  in  eiligem  Rückzuge  gegen
die  Gebirgspässe.  Die  Preußen  verfolgten  die  Flüchtigen  nur  einige  Stunden,
da  der  nächtliche  Marsch  und  der  heiße  Kampf  auch  ihre  Kräfte  erschöpft  hatten;
sie  bedurften  der  Ruhe.  Groß  aber  war  der  Lohn  dieses  herrlichen  Sieges,
denn  die  Verbündeten  verloren  über  9000  Mann  an  Todten  und  Verwundeten
und  7000  Gefangene;  66  eroberte  Kanonen,  76  Fahnen  und  andere  Ehrenzeichen
  schmückten  den  seltenen  Triumph.  Auch  die  Flucht  kostete  den  Gegnern
noch  viel;  eine  große  Zahl  von  Ueberläufern  verstärkte  die  preußischen  Schaaren
und  ersetzten  den  nicht  unbedeutenden  Verlust  von  5000  Mann  Todten  und  Verwundeten,
  mit  denen  man  den  Sieg  hatte  erkaufen  müssen.

Die  Freude  Friedrichs  II.  über  diesen  Sieg  war  um  so  größer,  da  er  ihn
vorzüglich  seiner  neuen  Schöpfung,  der  durch  seine  Anstrengungen  umgeformten
Reiterei  verdankte.  Ganz  besondere  Ehrenbezeugungen  verlieh  er  dem  tapferen
Dragonerregiment  Bayreuth;  dieses  erhielt  ein  neues  Siegel  mit  bedeutungsvollen
Sinnbildern  und  andere  Ehrenabzeichen,  unter  andern  auch  das  Recht,  den
Grenadiermarsch  durch  Tambours  zu  schlagen  und  den  Kürassiermarsch  zu  blasen.
Außerdem  sollte  ein  besonderes  Ehrendiplom  die,  wie  es  heißt,  „höchst  rühmliche
und  in  dem  Angesicht  der  ganzen  feindlichen  Armee  recht  heldenmüthig  ausgeführte
  That  des  braven  Dragonerregimentes  von  Bayreuth  auf  der  Wahlstatt
öffentlich  versiegeln  und  dadurch  aus  besonderer  königlichen  Gnade  und  thätlichem
  Erkennen  gegen  die  hohen  und  niederen  Offiziere  des  tapfern  bayreuthschen
  Regimentes  dieses  so  herrliche  und  unglaubliche  Meisterstück  der  erworbenen
Kriegserfahrung  anjetzt  und  bei  der  Nachwelt  in  beständigem  Andenken  erhalten
und  außerordentlich  verewigen.“  Der  Befehlshaber  des  Regiments,  Oberst  von
Schwerin,  ward  zum  Generalmajor  befördert,  der  General  Geßler  in  den
Grafenstand  erhoben.  In  Friedrichs  Instruction  für  die  preußischen  Generale
heißt  es:  „Nur  erst  seit  der  Schlacht  bei  Hohenfriedberg  kann  man  den  Zeitpunkt
festsetzen,  wo  meine  Reiterei  geworden  ist,  was  sie  sein  sollte  und  jetzt  ist“;  und
an  einem  andern  Ort  derselben:  „eine  That  so  selten,  so  ruhmwürdig,  verdient
mit  goldenen  Buchstaben  in  den  preußischen  Annalen  verzeichnet  zu  werden  —
die  Welt  ruht  nicht  sicherer  auf  den  Schultern  des  Atlas,  als  Preußen  auf
einer  solchen  Armee.“  Ueberhaupt  hob  sich  der  Ruf  des  preußischen  Heeres
ungemein  um  diese  Zeit,  denn  schon  vor  der  Schlacht  waren  glänzende  Waffenthaten
  geschehen.  So  hatte  der  Oberstlieutenant  von  Wedell  beim  Rückzug  aus
Böhmen  mit  einem  einzigen  Grenadierbataillor  den  Uebergang  über  die  Elbe