Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1843. (20)

Die  Arbeiterfrage  81

fangs  nur  Zurückstellungen,  dann  aber  die  Gewinnung  von  Arbeitskräften
  bearbeitete.  Außerdem  waren  bei  der  Bearbeitung  des  Ersatzgeschäftes
  die  Abteilungen  für  Aus=  und  Einfuhr,  für  Kriegsbeschädigte
und  Gefangene,  für  allgemeine  Arbeiterfragen,  sowie  die  Beschaffungsämter
  beteiligt.

Dieser  vielköpfige  Apparat  mußte  Hemmnisse  im  Betriebe  verursachen,
  eine  Vereinheitlichung  wurde  dringend  notwendig.  Es  entstand
  die  C  1  b  unter  Oberst  Ritter  und  Edler  von  Braun,  Hauptreferent
  für  Arbeiterfragen  Herr  Sichler.  Sie  bearbeitete  den  gesamten
Ersatz,  ausschließlich  Gefangene  und  Kriegsbeschädigte.  A  1  forderte
bei  ihr  den  Bedarf  für  das  Heer  an.

Hiermit  war  viel,  aber  nicht  alles  erreicht.  Das  Departement
mußte  sich  von  der  Arbeiterfrage  ausgehend  mit  allen  wirtschaftlichen
Notwendigkeiten  bis  zum  Valutaproblem  einerseits  und  der  Volksküchenfrage
  andererseits  befassen;  Volk  und  Heer,  Volkswirtschaft,  Kriegswirtschaft,
  Heeresersatz,  Materialbeschaffung,  Gefangenen=  und  Kriegsbeschädigtenfrage
  hingen  so  eng  zusammen,  daß  sie  nur  von  einer,
alles  überblickenden  Stelle  aus  geleitet  und  gelöst  werden  konnten.  Diese
Stelle  konnte  nur  das  Allgemeine  Kriegsdepartement  sein,  und  bei  ihm
in  erster  Linie  die  Abteilung  O  1  b.  Eine  Trennmung  von  ihm,  besonders
  von  der  Armee-Abteilung  (A  1),  in  Gestalt  eines  neuen  Departements
  mußte  zu  unübersehbaren  Friktionen  führen.

Ein  Versuch  des  Departements,  zunächst  die  zu  anderen  Departements
  gehörenden  Referate  für  Kriegsbeschädigte,  feindliche  Ausländer,
  Gefangene  der  C1b  anzugliedern,  stieß  innerhalb  des  Kriegsministeriums
  auf  Schwierigkeiten.  Als  sie  beseitigt  waren  und  die
neue  Organisation  feststand,  trat  das  Kriegsamt  in  Erscheinung.

Bevor  ich  auf  die  einzelnen  Phasen  der  Ersatzfrage  nach  militärischen
  und  wirtschaftlichen  Gesichtspunkten  eingehe,  erscheint  es  mir  notwendig,
  einen  Blick  auf  die  Arbeiterfrage  im  allgemeinen  zu  werfen.

Die  staatliche  Gesetzgebung  und  Verwaltung  hatte  sich  der  Arbeiterbewegung
  gegenüber  vor  dem  Kriege  mehr  oder  weniger  passiv  verhalten.
  In  gewissen  Kreisen,  die  sich  nicht  nur  auf  die  Arbeitgeber  beschränkten,
  wurde  den  Arbeiterorganisationen  nicht  gerade  übergroßes
Wohlwollen  entgegengebracht.

Es  konnte  daher  nicht  befremden,  wenn  die  organisierte  Arbeiterschaft
  auch  ihrerseits  dem  Staate  und  der  Gesellschaft  mit  nicht  eben

Wesberg,  Deer  und  Helmat  6