Contents : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1914 (1)

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boten  übertragen  wird,  und  deren  einziger  Zweck  ist,  die  Träger
des  Standes  und  des  Vermögens  ihres  Erzeugers  zu  sein.

st  die  Ehe  in  den  höheren  Kreis  meist  rein  konventionell
und  trägt  demgemäß  auch  das  Familienleben  häufig  diesen  konventionellen
  Charakter,  der  dadurch  wahrhaftig  nicht  verbessert
wird,  daß  man  die  Töchter  in  die  „Pension“,  die  Söhne  auf
die  auswärtigen  höheren  Bildungsanstalten  schickt,  so  ist  die  Ehe
in  den  niederen  Kreisen  weit  mehr  das  Produkt  der  Liebe  und
der  Neigung.  Diese  Neigung  wird  aber  oft  zerstört  und  untergraben,
  weil  die  Sorge  und  die  Noth  sich  allzuhäufig  einstellen
und  mit  dem  zunehmenden  Kindersegen  stetig  zunehmen.  Der
Mann  ist  gezwungen,  vom  frühen  Morgen  bis  zum  späten  Abend
sich  abzurackern,  sein  Beruf  nöthigt  ihn,  den  Tag  über  die  Häuslichkeit
  zu  meiden,  weil  der  Weg  nach  der  entfernten  Arbeitsstätte
  ihm  selbst  die  kurze  Ruhepause  in  der  Familie  zuzubringen
verbietet.  —  Die  Frau  wird  durch  die  Noth  vielfach  zu  demselben
  Gange  in  die  Fabrik  wie  der  Mann  gezwungen;  die  Kinder
  bleiben  sich  selbst  überlassen,  verwildern  natürlich  und  sind
ihre  Kräfte  kaum  nothdürftig  entwickelt,  so  wandern  sie  ebenfalls
in  die  Fabrik,  wo  sie  vom  Fabrikanten  ausgepreßt,  sittlich  und
körperlich  zu  Grunde  gehen.  Hohnlachend  tritt  der  Fabrikant
die  Gesetze  über  die  Kinderarbeit  mit  Füßen,  er,  der  so  gerne
dem  Arbeiter  gegenüber  von  der  „Majestät“  der  Gesetze  spricht.
Und  wie  mangelhaft  ist  in  dieser  Beziehung  so  häufig  die  Controle
  derselben  Behörde,  die  jedes  Vergehen  des  Arbeites  unnachsichtlich
  bestraft;  der  liberale  Volksvertreter  glaubt  aber  eine
große  That  vollbracht  zu  haben,  wenn  er  die  Petitionen  seiner
Gesinnungsgenossen  für  Aufhebung  der  Beschränkungen  der  Kinderarbeit
  ohne  ein  Wort  des  Tadels  bei  Seite  legt.
"  Und  bei  dieser  Pflege,  welche  der  Liberalismus  der  Cultur,
dem  Eigenthum,  der  Ehe  und  der  Familie  angedeihen  läßt,  da
wundert  man  sich,  wenn  die  Sittenverwilderung  und  die  Rohheit
immer  größer  werden;  die  Schullehrer  nicht  mehr  wissen,  wie  sie
erziehen  sollen,  da  das  sociale  Leben  und  die  ganze  sociale
Minsphere  wieder  zerstört,  was  günstigen  Falls  die  Schule  gut
gemacht  hat.

olchen  Zuständen  gegenüber  vertritt  der  Socialismus  die
höhere  Cultur,  weil  er  allen  Kindern  des  Volkes,  ohne  Ansehen
der  Person,  eine  gleiche  und  die  möglichst  vollkommenste  Beldung
und  Erziehung,  und  *  möglichst  weit  ausgedehnt  über  das
jetzige  schulpflichtige  Alter  hinaus  angedeihen  lassen  will.

Er  fordert  das  Eigenthum  für  Alle,  weil  er  alle  Produk-=tionsinstrumente
  und  die  Arbeitsmittel,  also  auch  den  Grund  und
Boden,  zum  Gemeineigenthum  der  Gesellschaft  machen  will.
Jeder  soll  Eigenthümer  sein,  aber  Keiner  auf  Kosten  des  Andern.

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