114
griffene Hauptarsenal der griechischen Kriegsmarine besehen und
Nachmittags ein Spaziergang in den Citronenwald gemacht, der
nördlich von der kleinen Hauptstadt des gleichnamigen kleinen
Eilandes mehr als eine Stunde in der Länge und Breite das
Ufer einsäumt. Dieser duftige Wald sucht weit und breit in
allen südlichen Ländern seines Gleichen. Sich an den Fuß der
Berge anlehnend, welche südöstlich an das Vorgebirge Skylläon
auslaufen, beherrschen seine höchsten Punkte eine weite, großartige,
anmuthige Aussicht auf einen Theil der üppigen Ebene,
auf ferne Berggipfel, auf das blaue Meer mit den Küsten von
Attika im Hintergrunde. Alles ist Farbe, Alles athmet Wärme,
Alles strahlt Glanz aus. Der Kronprinz schaute und schaute.
Die sengende Sonne berührte ihn nicht; denn dichter Schatten
lag unter den Baumwipfeln, deren goldgelbe Früchte die Luft
würzten. Die Sonne stand schon tief, als man den Wald verließ,
und bis die Herrschaften wieder das Deck des Schiffes
betraten, funkelte die See schon im weißlichen Glanze der Sterne.
Das Meer blieb ruhig. Der Dampfer pflügte die Salzfluth
unablässig bis um Mittag des 14. Mai. Zwischen dem Eilande
Kranon, wo Paris auf der Flucht mit der schönsten
Sterblichen, Helena, sich die erste Ruhe gegönnt, und zwischen
dem Städtchen Marathonisi, das an einem Bergabhang erbaut
ist, ließ der „Othon“ die Anker fallen.
Nun begann die Landreise. Der stattliche Reiterzug wand
sich in langer Zeile am Ufer hin, und kam bald zwischen die
bewaldeten oder angebauten Hügel, die sich vom Fuße der Bergkette
des Taygetos (siebentausend vierhundert sechzehn Fuß hoch)
bis an den Eurotasfluß hinziehen. Der bewölkte Himmel ließ,
zur Eile mahnend, dicktropfige Regenschauer fallen. Aber
erst mit Einbruch der Nacht erreichte die königliche Karawane
den nördlichen Theil jener Hügelkette, wo das Dorf
Levetzowa mit seinen schmutzig-armseligen Hütten für ein könig-—
"v. " —i
22