Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1914 (1)

43

Staaten,  die  Europa  diagonal  durchschneiden,  gute  Freundschaft
mit  allen  seinen  Nachbaren  halten,  mit  den  Königen,  dem  Kaiser
und  allen  Kurfürsten;  denn  ein  Krieg  kann  ihm  nicht  leicht  vortheilhaft
  sein.“  Also  der  friedliche  Beginn.  Allein  er  fährt  fort.
„Es  wäre  eine  sehr  schlechte  Politik,  das  System  eines  Menschen
ohne  alle  schaffende  Kraft  und  Erfindung  dabei  stehen  bleiben  zu
wollen.  Denn  wer  nicht  vorwärts  geht,  weicht  zurück.  Es  ist  vielmehr
  nöthig  die  einzelnen  Theile  zu  nähern,  die  Stücke,  die  natürlich
  zu  unserem  Besitzthume  gehören,  wieder  zusammen  zu  bringen.
Da  ist  zuerst  das  polnische  Preußen,  welches  jederzeit  zum  Königreiche
  gehört  hat  und  nur  abgetrennt  ist  in  Folge  der  Kriege,
welche  die  Polen  mit  dem  deutschen  Orden  hatten.  Dann  ist  da
das  schwedische  Pommern,  von  welchem  wir  nur  durch  die  Peene
getrennt  find.  Es  eröffnet  sich  dann  der  Weg  zu  einer  neuen  Eroberung,
  die  sich  ganz  natürlich  darbietet,  nämlich  Mecklenburg.
Man  hat  nur  das  Aussterben  der  herzoglichen  Linie  geduldig  zu
erwarten,  um  ohne  Weiteres  Besitz  zu  nehmen.  Ich  schreite  von
Eroberung  zu  Eroberung,  und  setze  mir  vor,  wie  Alexander,  eine
neue  Welt  zu  gewinnen.  Die  Länder  Jülich  -Berg  zu  erwerben,
ist  durchaus  nothwendig,  um  sich  von  dieser  Seite  zu  vergrößern
und  Kleve  und  Mark  nicht  ohne  Gesellschaft  zu  lassen.  Durch
diese  Erwerbung  bahnt  man  sich  den  Weg  zu  vielen  Gegenständen,
um  necken  und  chicaniren  zu  können,  wie  das  ja  bei  den  häufigen
Streitigkeiten  auf  den  Grenzen  niemals  fehlt.  Der  Nutzen  dieser
Erwerbungen  ist  mithin  einleuchtend.“

„Es  ist  die  politische  Nothwendigkeit,  die  ich  hervorhebe,“  sagt
er.  „Ich  meine  auch,  daß  das  was  ich  sage,  sehr  vernünftig  ist.
Denn  wenn  die  Dinge  so  weit  sind:  so  würde  der  König  von
Preußen  unter  den  Großen  der  Erde  eine  hübsche  Figur  machen.“

Wie  sich  erwarten  läßt,  ist  nicht  gemeine  Habgier  der  Grund
dieses  politischen  Strebens.  Wer  auch  hätte  jemals  das  von  sich
gesagt?  —  „Ich  wünsche  diesem  Hause  von  Preußen,“  fährt  der