Full text : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

10  Erstes  Buch.  Die  Elemente  des  preußi  schen  Staates  (bis  159879.

oder  Preußen  bezeichneten.  Von  diesen  rühmten  Berichte  des
11.  Jahrhunderts  Gleichgültigkeit  gegen  den  Reiz  des  Edelmetalls:
  nichte  sei  an  ihnen  auszusetzen  als  ihr  Heidentum.
Etwas  genauere  Kunde  von  den  Preußen  vermittelten  erst  die
solgenden  Kämpfe.  Die  Neste  seiner  Sprache  kennzeichnen  das
Volk  als  ein  indogermanischeo,  das  zunächst  mit  Litauern  und
Letten  zusammengehört.  Ee  zersiel  in  Stämme,  die  erst  im
Kamuf  gegen  die  Fremdherrschaft  zeitweise  gemeinsam  handeln
lernten.  Neben  den  Stammfürsten,  die  wohl  als  Reiks  bezeichnet
werden,  stand  der  Adel  der  Witinge,  unter  diesen  und  den
Freien  die  Menge  der  Hörigen  und  Sklaven.  Erbberechtigt
waren  nur  die  Söhne;  die  Töchter,  mit  Auenahme  der  ältesten,
durften  getötet  werden.  Es  herrschte  Vielweiberei:  die  Frauen
wurden  gekauft  und  wie  Mägde  gehalten.  Die  Lebensweise
der  Preußen  kennzeichnete  unverdorbene  Einfachheit:  aber  dem
Lob  ihrer  Gastfreundschaft  stand  der  Tadel  der  Neigung  zum
Trunk  gegenüber.  Schrift  und  geordnete  Zeitrechnung  waren
unbekannt.  Unerbittlich  wurde  die  Blutrache  geübt.  Was  von
ihren  Kultbräuchen  berichtet  wird,  zeigt  sie  als  Bekenner  einer
einfachen  Naturreligion:  in  Sonne,  Mond  und  Sternen  und
den  sie  sonst  umgebenden  Naturgebilden  sahen  sie  Offenbarungen
der  Gottheit,  die  man  auch  in  Hainen  und  Quellen  verehrte.
Doch  war  ihnen  auch  Idolkultus  nicht  fremd.  Das  Dasein  im
Jenseits  dachten  sie  sich  dem  irdischen  Leben  entsprechend.  Daher
gab  man  den  Toten  allerlei  Geräte  mit:  mit  vornehmen  Herren
wurden  Waffen  und  Nosse,  Jagdhunde  und  Falken,  Kostbarkeiten
  und  Schmucksachen,  ja  selbst  Sklaven  und  Kriegsgefangene
verbrannt.  So  hatte  der  Tod  für  sie  keine  Schrecken:  freiwillig
  entzog  man  sich  durch  ihn  drohendem  Unheil.

Als  der  Deutsche  Orden  die  Eroberung  Preußens  begann,
hatte  er  es  demnach  mit  einem  so  gut  wie  unbekannten  Feinde
zu  thun.  Um  so  mehr  bewährte  sich  die  militärische  Technik,  die
er  im  Morgenlande  ausgebildet  hatte  auf  Grund  der  Verquickung
  von  Ritter=  und  Mönchtum.  Wassnung  und  Marsch,
Aufschlagen  und  Abbrechen  des  Lagers,  Ordnung  des  Angriffs
und  des  Gefechts,  alles  war  auf  Grund  der  Ordenêregel  auf
das  genaueste  bestimmt.  Wie  alle  Krenzfahrer  waren  auch  die