Das Volk. 165
einer nach ihm scheinbar gleichmäßig weiterarbeitenden Staatsmaschine zu gut
aufgehoben; er fühlte sich aller politischen, sozialen und nationalen eigenen Sorge
enthoben, und auf die Warnungen der Alldeutschen achtete er nicht. Als dann
der Jusammenbruch kam, waren die für die Selbsthilfe nötigen Organe zurückgebildet
und nicht mehr leistungsfähig. Eine wirkliche tiefgehende Gesundung
kann unter solchen Umständen immer nur von unten auf, vom Kinde auf, vor sich
gehen; die Schulen von der ersten Volksschulklasse an müssen mit nationalem Geiste
erfüllt werden, und nur national erzogene Lehrer dürfen an der Erziehung der Jugend
arbeiten. Das ist in allen andern Ländern so und kann auch in Deutschland
wieder so werden. Es war Bismarcks schwersker Fehler, die Schule nicht mit in den
Aufbau des Reichs gezogen zu haben; ihm fehlte ein Moltke für die deutsche
Erziehung. Auch der so ungemein wichtige Stand der Lehrer, namentlich der
Volksschullehrer wurde unter ihm und noch viel mehr unter seinen Nachfolgern
zu sehr vernachlässigt. Wenn der Satz richtig ist, die Schlachten von 1870/7
habe der deutsche Volksschullehrer gewonnen, so ist auch der Schluß richtig, den
Krieg 1914/18 habe der deutsche Volksschullehrer verloren. Aber die Hauptschuld
daran trägt eine kurzsichtige Regierung, die ihn durch schlechte Behandlung
— nahmen ihm Bismercks Nachfolger die Siege von 1870/71 üũbel? — immer
mehr in die jüdisch-liberale und sozialistische Richtung drängte. Bis Deutschland
wieder eine deutsche Schule und deutsche Lehrer hat, kann nur Gelegenheitsarbeit
von Fall zu Fall geleistet werden; man muß überall einzuhacken suchen, wo sich die
Möglichkeit einer nationalen und völkischen Einwirkung bietet.
Die Friedensbedingungen und Kriegsentschädigungen der Feinde werden
uns zu Arbeitssklaven der Entente auf Jahrzehnte hinaus erniedrigen. Und
zwar zu schlecht bezahlten. Die Kriegsentschädigung kann von uns nur entrichtet
werden in Waren; zur Herstellung der meisten derselben benötigen wir
ausländische Rohstoffe; diese liefert uns das Ausland zu teuren Preisen; die daraus
geschaffene Ware kann aber nicht teurer verkauft werden als zum Welthandelspreis.
Es wird also an den deutschen Waren weniger verdient werden, als der
Ausländer an der gleichen Ware verdient, oder, mit anderen Worten, damit
überhaupt noch der Nutzen herausgeschlagen wird, mit dem wir uns selbst ernähren
und außerdem die Kriegsentschädigung zahlen können, wird der deutsche Arbeiter,
dom Taglöhner bis zum Direktor, sich mit einem geringeren Lohn begnügen
und angestrengter arbeiten müssen, als jeder Ausländer; davor werden ihn die
schönsten papierenen internationalen Verabredungen über Arbeitszeit und Löhne
nicht bewahren. Der deutsche Arbeiter wird schuften müssen, damit der englische,
amerikanische, französische Arbeiter ein besseres Leben führen kann als er selbst;
er wird der Lohnsklave der ganzen Welt sein. Die Proletarier aller feindlichen Länder
werden sich vereinigen, aber nicht, um den deutschen Arbeitern zu helfen, sondern
um aus ihren Arbeitgebern bessere Arbeitsbedingungen herauszuschlagen, die die
Arbeitgeber auf Kosten der deutschen Arbeiter leicht bewilligen werden können.
Den Traum von den Segnungen der „Weltrevolution“ haben die deutschen Arbeiter
selbst zerstöre, als sie allein im ungeeignetsten Augenblick eine deutsche Revolution ins
Werk setzten; denn damit schufen sie den fremden Arbeitgebern diese Möglichkeit.
Der Sozialdemokrat und Ministerpräsident Hirsch hat zu den Arbeitern am 25. Juni
1919 gesagt: „Der Friede bedeutet das Ende der Weltrevolution, die Stärkung des
Kapitalismus und Imperialismus in den feindlichen Ländern und die Versklavung
der deutschen Arbeit“.