Full text : Großherzoglich Sachsen Weimar-Eisenachisches Regierungs-Blatt aufs Jahr 1835. (19)

142  Das  Deutsche  Reich  und  seine  einzelnen  Glieder.  (November  14.)

582  Offiziere
120  Sanitätsoffiziere
161  obere  Beamte

18.712  Mannschaften
27  untere  Beamte

5.579  Pferde.

Ersatz  für  Abgänge  beim  Expeditionskorps  hinauszusenden,  ist  nur
vorgesehen,  wenn  die  Verhältnisse  dies  durchaus  erfordern.

14.  November.  Reichstagswahl  in  Bomst-Meseritz  (Posen).

Bei  der  Hauptwahl  erhält  v.  Gersdorff  (kons.)  6.180,  Bruhn  (Antif.)
3.667,  Chrzanowski  (Pole)  7.146,  v.  Krzefinski  (deutsch-kath.)  551,  Mix  (Soz.)
40  Stimmen.  In  der  Stichwahl  (29.  November)  wird  v.  Gersdorff  mit
9.300  Stimmen  gegen  v.  Chrzanowski  mit  8.600  Stimmen  gewählt.

In  der  Wahlagitation  finden  lebhafte  Erörterungen  darüber  statt,
daß  eine  antisemitische  Kandidatur  der  konservativen  gegenübergestellt  und
so  die  deutsche  Kandidatur  gefährdet  werde.  In  der  Stichwahl  stimmt  ein
Teil  der  Antisemiten  auf  Weisung  der  Berliner  „Staatsbürger-Zeitung“
für  den  Polen.  —  Ferner  wird  die  Kandidatur  Krzesinskis  von  Polen  und
deutschen  Katholiken,  namentlich  von  der  „Kölnischen  Volkszeitung“  heftig
angegriffen,  weil  sie  zur  Zersplitterung  der  katholischen  Stimmen  beitrage.
Auch  der  Erzbischof  v.  Stablewski  erklärt  sich  gegen  Krzefinski,  was  in
deutschen  Blättern  als  Wahlbeeinflussung  scharf  gerügt  wird.

14.  November.  Der  Kaiser  eröffnet  den  Reichstag  mit  folgender
  Thronrede:

Geehrte  Herren!  Nachdem  Ich  Sie  zu  erneutem  Wirken  im  Dienste
des  Gemeinwohls  berufen  habe,  entbiete  Ich  Ihnen  namens  der  verbündeten
Regierungen  Gruß  und  Willkommen!  Die  Ereignisse  im  fernen  Osten  haben
unter  allen  gesitteten  Völkern  der  Erde  tiefe  Erregung  hervorgerufen.  Fanatischer
  Haß  und  finsterer  Aberglaube,  angestachelt  von  gewissenlosen  Ratgebern
  des  Pekinger  Hofes,  hatten  mißleitete  Massen  des  chinesischen  Volkes
zu  Greueltaten  getrieben  gegen  die  friedlich  unter  ihnen  weilenden  Vorposten
  abendländischer  Zivilisation  und  christlicher  Kultur.  Bei  dem  mutig
unternommenen  Versuche,  die  aufziehende  Gefahr  zu  beschwören,  starb  Mein
Gesandter  von  meuchlerischer  Hand.  Die  Fremden  in  der  Hauptstadt  sahen
sich  an  Leib  und  Leben  bedroht.  Aber  die  Schreckensbotschaft  einte,  was
sonst  getrennt.  Alle  Nationen,  gegen  die  sich  der  unerhörte  Angriff  richtete,
schlossen  sich  eng  zusammen,  und  einmütig  kämpften  Schulter  an  Schulter
ihre  Söhne.  Und  wie  die  Feldzeichen  draußen  gemeinsam  wehen,  so  zeigen
sich  die  Regierungen  in  ihren  Beratungen  von  dem  einstimmigen  Wunsche
beseelt,  möglichst  bald  wieder  geordnete  Zustände  herbeizuführen  und  nach
Bestrafung  der  Hauptschuldigen  der  Wiederkehr  solcher  Störung  des  Weltfriedens
  für  die  Zukunft  vorzubeugen.  Gern  hätte  Ich  auf  die  Kunde  von
dem  Ausbruche  der  Wirren  in  China  alsbald  die  Volksvertretung  um  Mich
versammelt.  Wie  das  deutsche  Volk  mit  seinen  Fürsten  die  Ausfahrt  der
freiwillig  zu  den  Fahnen  geeilten  wehrhaften  Jugend  und  ihrer  Führer
mit  Kundgebungen  freudigen  Stolzes  und  mutiger  Zuversicht  begleitete,
einer  Zuversicht,  die  seither  durch  das  Verhalten  unserer  Krieger  vor  dem
Vaterlande  wie  vor  dem  Auslande  voll  gerechtfertigt  ist,  so  würde  gewiß
auch  die  Volksvertretung  mit  patriotischer  Entschlossenheit  für  die  zu  ergreifenden
  Maßregeln  eingetreten  sein  und  hiedurch  deren  Wucht  gesteigert
haben.  Aber  während  nur  das  eine  sicher  war,  daß  ohne  Zögern  gehandelt
werden  mußte,  war  die  Grundlage  für  die  zu  fassenden  Beschlüsse,  zumal