61. Joheg##
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Anzeiger Rosenhetm. —
Gn#i### 3 1. Jannar 1915
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Rosenheimer Tagblatt
Amtliches Publikaslons-Organ
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Ausfere Truppen in den rufäschen Bauptstelungen vor Warschau.
ein Marinc-Parfrnal, urischiff vermißt. — dic Kämpfe in den Argonnen. — Orci engurche Flugzeuge vermist — Ddie Angst in england.
der engische Schlachtkreuzcr „Tiger“ in der Seeschlacht in der Nordfer vernichtet. — Weltere engusche Schiulspriunec. — ble rutricchen
Bäuber in Onprcußen. — Reuc önterreichische errolge in den Rarpathen — Kücktein der Stattpaucrs von Tiicfst. — bas vordringen der
CTürken im Kaukafus. — der drelverdand und Ferlien, — Schlmme lage in
Die Kämpfe in den Argonnen.
Aus dem Großen Hauptquartier wird uns
geschrieben:
I.
Im Kriege 1870 haben die Argonnen leine
Rolle gespielt. Das Waldgebirge wurde zwar
lei dem Marsche auf Sedan von deutschen
Truppen durch#ogen, die dabei wegen der spärlichen
Ortschafien und des wenigen Wassers
Mangel litten, es fanden darin aber keinerlei
Kämpfe statt. Solche gab es auch nickt, als die
Armee des Kronprinzen von Preußen zu Anfang
September 1914 zwischen Argonnen und
Verdun südwärte gegen die Marne vorrückte.
Auch Mitte September noch war der Woalo
frei vom Feinde gewesen. Die Sache änderte
sich, alo zu Beginn des sich nunmehr entwillelnden
Stellungslampfes das deutsche Westheer
eine Linie eingenommen hatte, die von
Neims her in west-ösllicher Richtung nach der
Maas bei Consenvoy führte. Zwar erwartete
man ansanglich auch jenzt noch leine Waldlämpsfe
die deutschen Truppen fuhrten vielmehr bei
Vinarville auf der Weineite und bei Chatel
auf der Of#n#eite der Argonnen ihre Siellungen
b' dicht an die Waldränder heran, walrend
man das Gebirge selbst durch Detachements
irerrte. Als aber die Franmosen namhaste
Käfte in den Wald führten, in der augenscheinlichen
Absicht, aus diesem heraus eine umfassende
Bewegung gegen einen der am Walde angelehnlen
deuischen Flügel ein uleiten, da war der
Augenllick gekommen, wo die Argonnen eine
neue militärische Bedeutung gewinnen mußten.
II.
Der Beschreibung der Kämpfe sei eine kurze
Charakterisrik der Argonnen vorausgeschickt.
Das Waldgebiet erstreckt sich in einer Tiese
von etwa 40 Kilomeier in nordsüdlicher Richtung
und hat eine wechselnde Breite von 8 bis
12 Kilometern. Es wird durch das Tal der
Vicome in eine nordöstlicke und südwestliche
Halfte ven annahernd! gleicher Größe geteilt
und außerdem durd, Bahn und Straße Clermont
en Argonne-St. Menehould in einen kleineren
Südteil und einen größeren Nordteil zerlegt.
Fur den Argonnenlampf kommt nur der
nordlichsie Teil des Waldes in Betracht; mit
ihm die beiden Straßen Clermont-Fleville und
Clermont-Le Four de Paris-Vienne le Chateau
von denen erstere außerhalb der Ar
gennen, letztere im Tale der Biesme führt. An
kesseren Querverbindungen durch den Nordost#
teil der Argonnen lesteben nur die Sträsßchen
„MontkainvilleS ervon und Varennes-Le Four
Paris, als Nord-Süd-Verbindung nur die
auf dem Kamme des Walogebirges laufende
alte Römerstraße. Außerdem sind natürlich eine
Unmenge von Holzabfuhrwegen vorhanden von
mehr oder weniger fragwürdiger militärischer
Vrauchkarkeit. Diese ist von der Witterung
sehr bedingt. Bei feuchtem regnerischen Wetter
verwandeln sich die Wege wegen der lehmigen
Bodenbeschaffenheit bald in grundlose Sümpfe.
Das Waldgebiet ist eine Mittelgebirgslano-Ktast,
die etwa den flacheren Teilen des Thu-#unger
Waldes entiprechen dürfte. Nach Osten
fällt es steil und plötzlich zur Aire ab, im Inneren
weist es zahlreiche tiefeingeschnittene Täler
und Schluchten auf; hier tritt überall der
kahle Fels zutage. Die Argonnen sind ein echt
französischer Wald, der bekanntlich vorwiegend
aus dichtem Busch von Buchen, Erlen, Eichen
und Birken beiteht und alle 15 Jahre geschlagen
wird, wobei das gewonnene Krüppelholz
in den Kamin wandert. Nur einzelne Eichen
und Buchen läßt der Franzose stehen und sich
zu vollem Wachstume entfalten. Um diese
Stämme schlingen sich die im frauzösischen Walde
so zahlreicken Kletterpflanzen.
und die Waldrebe. Erstere bedeckt große Flächen
des Waldbodens und diesem entwachsen
in den Argonnen auch besonders schön und hahlreich
ein kleiner immergrüner Strauch, die Jogenannte
Stechpalme, und der Besenginfter. Der
Wald ist wenig bewohnt. Nur Köhler, Holz
hauer und Zäger gehen dort ihrer Beschäfti—
5gung nach. 5
schon seiner Undurchdringlich leit wegen, von der
BVevölkerung gemieden.
Das Innere des Waldes wirod,
Auck die Namen „uisseau
de Meurissons“, „la Fille morte“, „Mou
. lin de l'Somme mort“ weisen darauf bin.
So jicht der Wald aur, der seit nunmelr
vier Monaten Tag und Nacht widerhallt vom
Lüärm der Waffen und der durck die Erdarbeiten
der Soldaten und die Verwüstungen der Feuerwaffen
ein ganz neues Geprage erhalten hal.
IlI.
Als Ende September die ersten deutcchen
Truppen aus dem Airetlal in westlicher Rich
tung in die Argonnen vorgeschoben wurden,
hatten die Franzosen, nack dem sie aus den ö:
lichen Waldteilen zurudnemorfen worden ma
ren, den südlich Binarville gelegenen Waldteil
siarl besetzt. und namhafte. Kräfle aus dem
Tale der BVieeme nach Barrigade Pavillon, St.
Hubert Pavillon und Bagatelle Pavillon vori
gesandt. Diese Truppen legtlen bei den dortigen
Waldhütten Verhaue und ützengräben
an und richteten sich darinnen zur Verteidigung
ein. Vor diesen Sperren fanden die deutschen
Jägerabteilungen Ende September ernsthaften
Widerstand, so daß? Verstärlungen in den Wald
geschict wurden, um den Feind zurückzuwersen.
a aber auch dieser weitere Truppen dem Walde
zuführte, so entspannen sich hier lebhafte
Kämpfe, die auf beiden Seiten mehr und mehr
den Charalter des Stellungskrieges annahmen.
Mitten im Walde gutstand Shübengraben hinler
Schutzengraben, die durch Laufgräben untereinonder
verbunden wurden. Es wurden Unterstände
gebaut, und als das Laub siel, auch Geschütze
in den Wald gebracht. Reben der natürlichen
Beschaffenheit des Waldes erschwerten
Verhaue und Drahthindernisse dem Gegner die
Annäherung an die lünstlich geschaffenen Anlagen.
Es begann nun ein Kampf von Graben
gegen Graben, vielfach von Schritt zu
Schritt. Um unnötige Verluste zu vermeiden,
griff man zur Sappe. Mit ihr stellten sich auch
die starken Kampfmittel des Festungskrieges
wie Minenwerser, Handgranaten, Revolverkanonen,
Stahlblenden, Sandsackpackungen usw.
ein und die Tätigkeit der Pioniere gewann
eine erhöhte Bedeutung. Diese Waffe schritt
dam auch zum Minenangriff, wenn andere Mitwie
der Epheu
tel nicht zum Jiele führten. Aus allem ergab
sich ein sehr langsames Vorschreiten des Angriffs
und ein ungewöhnlicher Zeitverbrauch,
da nur sorgsältige, wohlüberlegte Vorbereitungen
zum Erfolge führten. Zuerst hatte man keine
Artillerie im Walde, dann ließ man sie auf
Wegen und Schneisen vorkommen, endlich lernte
man es, sie überall im Walde zu verwenden.
Eine Sonderheit bildeten bei den Franzosen die
sogenannten „Eselsbatterien“ (Gebirgsgeschütze),
eine Bespannungsart, die unseren Soldaten neu
wir. Die Bevöllerung leistete den Franzosen
Vorschub: in deutsche Uniformen verkleidete
Soldaten machten sich an unsere Leute heran
und versuchten diese aus mhorchen. Der deutsche
Soldat und Argonnenkämpfer entwickelte sich
bald zu größter Vielseitigleit. Schnell und gut
paßte“ er sich den neuen Verhältnissen an. Da
wir bald den Franzosen überlegene Angriffsmittel
zur Anwendung brachten, und unsere
Soldaten, was Bähigleit. Beharrlickkeit und
Angriffslust letrifft. unulertrefflich waren, so
bildete sich im Waldlampfe ein starkes Ueberlegenheitegefühl
uber den Feind heraus, der,
abgeß ehen von gelegentlichen Gegenstößen, in
die Dejeniive gedrangt wurde. Der Feind vermochte
unieren Angriifen nicht zu widerstehen,
so daß unsere Truppen in :war langsamem, aber
ununterbrochenem Vorrüdken geblieben sind, trotz
der slarlen Kräfte, die der Feind und nach und
nach entgegenstellte. (Fortsetzung folgt.)
2 n ·
Algemeines vom Krieg
Gefangenenaustausch.
WITB. Berlin, 29. Jan. Amtlich. In den
leczten Tagen sind drei Vorsteher früherer deutscher
VDerufskonsulate in Rußland, ebenso drei
früher# deutsche Waklionsuln und mehrere Bureaubeamte
von Berufskonsulaten aus Rußland
über Schweden nach Deutschland zurück.
gekehrt. Dies ist das erste Ergebnis langwieriger
Auetauschverhandlungen mit der ruslischen
Regierung, die noch fortgesetzt werden.
Getreide aus Rumänien.
Bukarest, 29. Jan. Halbamtlich wird gemeldet:
Der größte Teil der in den letzten
Monaten für Deutschland gekauften Getreidemengen
konnte wegen Waggonmangcl nicht ausgeführt
werden. Die rumänische Eisenbahnverwaltung
hat nun den Vorschlag der deutschen
Regierung angenommen, daß sie den dazu notwendigen
Wagenpark jelbst nach Rumänien
senden werde. (.3.)
Unterdrückung hollänoischer Berichte
in England.
Amsterdam, 29. Jan. Der englische Zensor
hat befohlen, daß oie holländischen Zeitungen,
welche die amtlichen deutschen WTB.
Meldungen über die Seeschlacht gebracht haben,
vor der Einfuhr nach England nach Holland
zurückgeschafft werden. (3.)
Tanger.
Aus der französischen Kammer.
Paris, 29. Jan. In der gestrigen Sitzung
nahm die Kammer die Gesetzentwürfe bezüglich
einer Erhöhung des Ausgabebetrages der
Staatschatzscheine auf 312 Milliarden Francs
und bezüglich der Ausgabe kurzfristiger Obligationen
an und trat in oie Beratung ein über
die Vorlage, betreffend die Annullierung einzelner
Naturalisationen von feindlichen Untertanen
in Frankreich. Delahaye bezeichnete die
Regierungsvorlage als ungenügend und begründete
einen Gegenentwurf, der die allgemeine
Ungültigkeitserklärung aller Naturalisierungen
deutscher und ösrterreichisch-ungarischer Staatsangehöriger
in Frankreich, die von einem gewissen
Zeitpunkt an stattfanden, bez Constant
brachte einen ähnlichen Gegenentwurf ein.
Auf Briands Antrag wurden beide Gegenentwürfe
abgelehnt. Die Weiterberatung findet
am 29. Januar statt.
Rücktritt des Statthalters von
Triest.
Wien, 29. Jan. Der Triester Statthalter
Prinz Hohenlohe soll seine jetzige Stellung verlassen
und Präsident des Oberften österreichischen
Rechnungsbofes werden. (Z.) — Diese
Nachricht ist von großer Bedeutung. Prinz
Hohenlobe gehörte bisher als Statthalter von
Triest zu jenen Personen, welche jedes Entgegenkommen
gegen dice nationalen Wünsche der reichsländischen
Italiener ablehnten. Seit langem
ist es der Wunich aller einsichtigen Kreise, daß
sein Rücktritt ermöglicht werde als äußeres Zeichen
einer versöhnlichen Haltung der österreiischen
Regierung gegenüber Italien.
Russische Ansprüche auf das Heilige
Land.
Kopenhagen, 29. Jan. In einer Bischofversammlung
in Petersdurg vertrat der Petersburger
Metropolit den Standpunkt, daß
es für Rußland nicht wünschenswert sei, auf die
Neutralisierung des Heiligen Landes hinzuarbeiten,
für die sich ein Teil der öffentlichen
Meinung in Petersburg ausgesprochen habe.
Das Heilige Land müsse vielmehr dem russischen
Reiche unterstehen, wobei die übrigen
christlichen Völker das Recht haben würden,
die heiligen Orte zu besuchen. (3.)
Rußland und Japan in Chino.
Petersburg. 29. Jon. Aus Peking
meldet eine russische offiidse Quelle, daß Rußland
und Japan gegen die Abhaltung der
geplanten großen chinesischen Frühjahrsmandver
in der Mandschurei Berwahrung eingelegt haben.
(3.)
# ·# ·
Die Rriegslage.
WIB. Großes Hauptquartier, den
29. Januar, vormittags. Amtlich.
Westlicher Kriegsschauplat
Bei einem nächtlichen Ge
den die englischen Etappenanlagen der
stung Dünlirchen —W mit Bomben belegt.
wur-