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Ende unserer Noth, du, der dem tobenden Weltmeere Ufer setzt und Grenzen giebt.
Die mit Thränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen
und tragen edlen Saamen; fie kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.““
„Wie ein schönes Lied, so schließt Borowski seinen Brief, angenehm gesungen,
mehr noch als gelesen, einen tiefen, belebenden Eindruck macht, so
erwachten, indem ich der Königin zuhörte, in mir beim alten Worte neue Gefühle.
Denn ihre melodische, ich kann gar nicht sagen wie betonte Sprache
war wie ein entzückender Gesang, der aus ihrem reich besaiteten Herzen sloß.
Wie ich horchte und die hohe erleuchtete Frau, das Wort des Lebens auf ihren
beredten Lippen, ansah, fiel mir der Spruch ein: „„In Deinem Lichte sehen
wir das Licht, und selig find, die da Leid tragen, fie sollen getröstet werden.“
Denn Alles wurde mir heller, wie zuvor, und fie selbst erschien mir in einer
lichtwollen Klarheit, schöner, wie ich fie jemals gesehen.“
Das Mißgeschick des Krieges trieb das edle Königspaar noch weiter bis
nach Memel hinauf, aber auch in diesem äußersten Unglück bewahrten fie ihren
gottergebenen Sinn und die heitere Seelenruhe eines zwar schwer geprüften,
aber mit sich in völligem Einklange stehenden Gemüthes. Da alle Herrschergröße
und Herrlichkeit zu schwinden drohte, so wendete fie ihre ganze Kraft und
Sorge der Familie, der Erziehung ihrer Kinder zu, und auch des königlichen
Gatten Herz fand in dieser reich lohnenden Thätigkeit Befriedigung. Während
von allen Seiten Thränen des Mitleids über das unglückliche Loos der hohrn
Frau vergossen wurden, erfüllte doch ihr Herz tiefer Friede, der stets da einkehrt,
wo der Mensch mit voller Hingebung einer hohen Pflicht lebt, und so
fehlte es denn dem königlichen Paare in diesen Tagen der Bedrängniß nicht am
seligen Stunden stillen, häuslichen Glückes. „Früher, äußerte sie selbst, als
mir Alles nach Wunsch ging, erschien mir der biblische Spruch: „„Welchen der
Herr lieb hat, den züchtigt er,“" seltsam und räthselhaft, denn ich konnte das
mit seiner Liebe nicht vereinigen; aber nun weiß ich aus Erfahrung, daß er
dann am meisten liebt und segnet, wenn er das Herz von den nichtigen, flüchtigen
und schmeichelnden Erscheinungen der Erde ab- und zum Bleibenden und
Ewigen hinzieht. Was wir da im Aeußeren entbehren und verlieren, wird uns
im Innern reicher und besser ersetzt, um es nie wieder zu verlieren, und der
Mensch kann dahin nur auf dem Wege der Prüfung und Läuterung gelangen.“
Die Königin erhielt nur zu reiche Gelegenheit, um die Wahrheit dieses
Wortes zu erproben. In Memel fehlte es bald an dem Nothwendigsten, und
es war nicht einmal sicher, ob dieser letzte Zufluchtsort ihnen bleilben sollte.
Der Mangel an Geld stieg so hoch, daß kaum noch genug für die dringendsten
Ausgaben des täglichen Lebens übrig blieb. Die königliche Tafel war in jener
Zeit so äußerst einfach und frugal, daß viele versichern, man habe damals an
den meisten bürgerlichen Familientischen besser gespeist, als dort. Die kostbaren
Silber-Gervice waren zu Gelde gemacht, man aß von irdenen Tellern und
Schüsseln. Aber auch in diesem Uebermaß äußerer Unfälle sehlte ## niht an
reichen Tröstungen für vie edlen, hartgepchsten Herden.