Italiens Abkehr vom Dreibund
was sich in den geheimen diplomatischen Verhandlungen
abspielte: Das neue italienische Kabinett, umworben
von Versprechungen und bedrückt von Drohungen der
Entente, getrieben von dem sich immer mehr erhitzenden
Nationalismus und Irredentismus der Straße, dabei dem Zug
des eigenen Herzens folgend und fast mehr schiebend als
geschoben, verlangte von Österreich-Ungarn die im Dreibundvertrag
vorgesehene Kompensation unabhängig von
dem tatsächlichen Eintritt der zu kompensierenden österreichisch-ungarischen
Machterweiterung auf dem Balkan,
lediglich auf Grund der damals von der österreichischungarischen
Armee eingeleiteten und dann so unglücklich
verlaufenen neuen Operation gegen Serbien; es verlangte
die Kompensation nicht, wie es dem Sinn des Vertrages entsprach,
auf dem Balkan, sondern es richtete seine begehrlichen
Augen auf Trient und Triest; es forderte schließlich
nicht eine Kompensation für später, sondern sofortige
Auslieferung der verlangten Gebietsteile.
Eine Gefühlspolitik hätte diese Zumutungen auf jede
Gefahr hin mit Entrüstung zurückgewiesen. Aber Gefühlspolitik
verbot sich für die Mittelmächte bei der ernsten
Lage, in der sie sich befanden, von selbst. Es galt, Figuren
zu opfern, um nicht mit Sicherheit das Spiel um die eigene
Existenz zu verlieren.
Die deutsche Regierung schickte den Fürsten Bülow, der
sich zur Verfügung gestellt hatte, als außerordentlichen
Botschafter nach Rom, damit er als bester Kenner der
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