Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

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Immermann  Münchh.  4,  76;  frei:  so  mögen  himmel
und  bölle  in  Eine  verdammnisz  gerinnen  Schiller
Fiesko  2,3.  —  Gerinnsel,  n.  zusammen  gerinnende
Flüssigkeit:  gerinnsel  aus  blut,  milch;  ausnahmsweise
auch  —  niederrinnende  Flüssigkeit:  die  braune  bergwand
  allerwärts  schickt  ihm  (dem  Rhein)  ihr  dunkelgelb
  gerinsel  Freiligrath  3,  80.  —  Gerippe,  u.  Gesamtheit
  von  Rippen,  Knochengerüst  eines  merschlichen
und  tierischen  Körpers:  geripp  Stieler,  gerippe,
costue,  ossa,  scelekon  Steinbach;  gerippe  eines  menschen,
  tieres,  totengerippe:  zwei  modernde  gerippe
Schiller  Kab.  5,7;  von  besonders  magern  Menschen
oder  Tieren:  ein  ungezogen  weib  .  mehrr  geripp  als
leib  Günther  481;  ein  alter,  ausgemergelt  wie  ein
gerippe  Schiller  Ränb.  4,  5;  städte  .  auf  deren  gassen
gerippe  von  pferden  graseten  Wieland  gold.  Sp.,  Einleitung;
  vom  persönlich  gesaßten  Tode:  nur  ein  heulender
sunder  konnte  den  tod  ein  gerippe  sechelten  Schiller
Kab.  5,  1;  in  freierem  Sinne:  gerippe  eines  blsties,
baumes,  einer  pflanze;  eines  schiffes,  hauses;  auch  gerippe
  eines  werkes,  buches,  einer  abhandlung  u.  ähnl.

Gern,  willig,  leicht;  Adv.  Au  dem  im  Nhd.  ausgestorbenen,
  schon  im  Ahd.  und  Mhd.  seltenen  Adj.  goth.
gairns,  ahd.  mhd.  gern.  begierig,  zu  den  Verben  gehren
und  begehren  (s.  d.)  gehörend;  die  Form  ahd.  gerno,
mhd.  gerne,  verkürzt  sich  uhd.  nur  teilweise  in  gern.
gerne  darf  noch  jetzt  nicht  als  veraltet  gelten;  in  der
alten  Spr.,  wie  andere  Adverbien,  mit  Steigerungsformen,
  ahd.  gernor  und  gernost,  mhd.  gerner  und
gernest,  die  aber  schon  im  früheren  Nhd.  wenig  gebraucht
  werden,  jetzt  ganz  ungewöhnlich  geworden  sind
und  in  gewählter  Spr.  nicht  zugelassen  werden:  ich
Wolt  aller  gernst  Wickram  Bilg.  49b;  hab  euch  immer
am  gerusten  gehabt  Schiller  Räub.  1,  3;  er  wird
gerner  darauf  verweilen  Versuch  üb.  den  Zusammenhang
§  10.  Bed.  1)  von  bestimmten  menschlichen  Handlungen,
mit  Freude,  gutem  Willen:  libenter  gerne,  geren,
willenglich  Dies.;  etwas  gern  thun  (Ps.  40,  9),  machen,
gerne  gehen,  kommen,  arbeiten,  geben,  helfen  (Pf.  13,  6);
er  ist  alle  zeit  barmherzig  und  leihet  gerne  Ps.  37,  26;
völker  die  da  gern  kriegen  Ps.  68,  31;  gerne  haddern
Spr.  Sal.  20,  3;  mit  sinnverwandtem  Ausdruck  verbunden:
  die  es  gerne  und  williglich  gaben  2.  Mos.
35,  21;  unsre  hand  ihm  gern  und  willig  leihen  Goethe
Tasso  1,2;  verstärkt:  von  herzen  gern,  berzlich,  recht,
sehr,  gar,  gar  zu  gern;  „#ein  todesurtheil  wäre  zu  unterschreiben
  recht  gern  Lessing  Gal.  1,  8;  mit  Vereinung:
  er  that  es  nicht  gern;  du  weiszt,  ich  gab
nicht  gern  den  willen  drein  Wieland  Klelia  1,  338;
mit  Gegensatz:  schleppen  ihn,  gern  oder  ungern,  fort
aut  die  schiffe  Hebel  2,  128;  wenn  ihr,  gern  oder
nicht,  zum  schmählen  lächeln  musset  Wieland  Idr.
4,  43;  —  zum  Ausdruck  von  bloßem  Empfinden  und
Verlangen:  das  sehe  ich  gern,  für  mein  leben  gern;
ich  habe  die  kinder  gar  zu  gern;  ich  gönne  es  ihm
Kern;  eins  bitte  ich  vom  herrn,  das  hätte  ich  gerne
Ps.  27,  4;  deine  knechte  wolten  gerne,  das  sie  (Zion)
gebawet  würde  102,  15;  ich  spiele  nicht  gern  .  ich
trinke  nicht  gern  ..  denn  ich  bleibe  gar  zu  gern  in
meiner  gelassenheit  Gellert  Loos  1,  1;  von  zeit  zu
2eit  seh  ich  den  alten  gern  Goethe  Faust,  Prol.  im
Himmel:;  weil  ich  gerne  an  ein  stuck  gienge  und  noch
zu  keinem  entschlossen  bin  Schiller  3,  178;  eine
sache.  die  Sie  nicht  gerne  laut  machen  wollen  4,  233;
—  abgeblaßt,  nur  —  bereitwillig:  will  ich  dich  doch
gerne  meiden  Günther  275;  etwss  gern  glauben,  gern
zugestehen;  die  damen  zwar  gestehn  nicht  gerne  diesz
gebrechen  Wieland  JIdr.  1,  91;  ich  will  hier  gerne
Zzurück  treten;  absichtlich,  in  bedauernden  Formeln:  ich
habe  das  nicht  gern  gethan,  ihn  nicht  gern  beleidigt.
u.  a.  2)  in  bloß  passivem  Sinne,  ohne  Widerstand  oder
Hindernis;  zunächst  noch  auf  der  Grenze  dieser  und  der

Gerinnsel  —  gern.

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vorigen  Bed.:  diese  pflanzen  wachsen  gern  an  feuchten
orten;  das  thier  hält  sich  gerne  an  der  see  auf  Steinbach;
  das  holz  wird  gern  wurmig  Adelung;  es  wollte
Bern  regnen,  aber  es  kann  nicht  ebd.;  dann  =  leicht,
ohne  Beschwer:  vorrath,  mit  welchem  er  sich.  gern
8  tag  hätte  behelfen  können  Simpl.  1,  420;  in  der  zeit
.  .  könnte  ich  gut  und  gern  hundert  andere  bogen
schreiben  Lessing  Bries  1772;  in  die  mehr  zeitliche
Bed.  des  Gewöhnlichen,  Häufigen  überspielend:  die  boben
steiger  fallen  gern,  die  guten  schwimmer  ertrinken  gern
Schottel  1132;  die  nahmen,  die  vergesz  ich  gar  zu.
gern  Wieland  Perv.  1,  3;  die  unwurdigen  furchten.
so  gern  überlästig  zu  sein  Schiller  3,  548;  junge  leute
werden  gern  betrogen  Adelung;  stille  wasser  sind
gern  tief  ebd.;  mit  Leichtigkeit,  von  Dingen:  das  (Schwert)
hieng  an  seiner  hufte  in  der  acheiden,  das  gieng  gerne
aus  und  ein  2.  Sam.  2,8.  —  Zusammensetzungen:
Gerngroß,  m.  der  gern  groß  sein  will,  scherzende  Bezeichnung:
  ein  kleiner  gerngrosz  (gernegrosz);  auch  als
Eigenname:  hauptleut  Gerugrosz  Garg.  70.  —  gern-Uug,
  der  gern  klug  sein  will;  zunächst  Adj.:  er  ist  ein
gernkluger  mensch,  ein  gernkluger;  welcher  .  .  aller
PEhilosophen  oder  gernklugen  der  erste  anfuhrer  war
Garg.  25;  dann  scherzende  oder  spottende  Bezeichnung:
durch  einen  gerneklug  Logau  1,  3,  57

Geröll,  n.  rollende  Masse:  das  gerölle,  solmfa
Steinbach;  gern  von  den  lockeren  Geschieben  der
Berge  oder  Flußbetten:  keine  vegetation  belebte  fels
und  gerölle  Goethe  Wanderj.  3,  5;  in  einen  abgrund
..  über  geröll  und  baumstamme  Freytag  Wald.  1;
ohne  Umlaut:  zwischen  dem  gerolls  dieses  flusses
AHumboldt  bei  Campe;  in  älterer  Form  gerulle,
schon  im  16.  Ih.  bezeugt  (Germ.  28,  367),  teils  in  der
Bed.  des  lockeren  Gebirges,  teils  der  des  Abgangs  von
den  Garben  in  Scheuern,  teils  der  des  alten  unnützen
Hausrates  Adelung:  gerull  in  einer  polterkammer
Immermann  Münchh.  1,  81;  bei  Goethe  unrichtig:
aus  erde,  grus,  gerill,  geschieben  Div.  8,  15.

Gerste,  f.  die  bekannte  Getreideart;  nur  hoch=  und
niederdeutsches  Wort,  ahd.  altsächs.  gersts,  mhd.  mud.
gerste  (die  andern  germanischen  Dialeete  brauchen  eine
andere  Bezeichnung),  urverwandt  ist  lat.  hordeum,  das
wieder  mit  lat.  horrere  für  horsere,  starren,  sich  sträuben,
zusammenhängt,  so  daß  die  Gerste  wohl  von  ihren  Ahrenstacheln
  den  Namen  erhalten  hat.  Selten  statt  das  Fem.
das  Masc.  der  gersten  Brockes  1,  180.  9,  145;  Plur.
ungebräuchlich.  gerste  bezeichnet  sowohl  die  Pflanze  als
die  Frucht:  gerste  säen,  eruten,  schneiden,  dreschen,
worfeln  u.  s.  w.;  die  gersten  hatte  geschosset  2.  Mos.
9,  31;  Boas  worfelt  diese  nacht  gersten  Ruth  3,2;  zween
scheffel  geraten  2.  Kön.  7,  1;  und  war  ein  stuck  ackera
vol  gersten  1.  Chron.  12,  13;  ein  baurentöchterlin  wolt
gersten  aufbinden  Garg.  165;  getrendelte,  gerollte,  geschrotene
  gersten  Stieler;  das  bier  wird  doch  uberwiegend
  und  fast  ausschlieszlich  von  der  gerste  gebraut
Bismarck  Reden  10,  162;  in  Artbezeichnungen  zwei.,
vierzeilige  gerste,  sommer  -,  winter  -,  bartgerste;  als
Viehsutter:  gersten  und  stro  fur  die  ros  1.  Kön.  4,  28;
die  pferde  füttern  sie  mit  gerste  Goethe  ital.  Reise  2;
sprichwörtlich:  ein  gewisses  praktisches  judicium,  das
man  freilich  nicht  in  der  gerste  friszt  Schiller  Ränb.
2,  3.  gerste  heißt  auch  die  Gerstengraupe,  und  ein  Gericht:
  gerste  von  eiern  Frauenz.-Lex.  1159.  —  Zusammensetzungen:
  Gerstenacker,  m.  Acker  auf  dem  Gerste
wächst.  —  Gerstenbier,  n.  Bier  aus  Gerste.  —  Gerstenbrot,
  n.  Brot  aus  Gerste.  —  Gerstenernte,  f.  Ernte  der
Gerste  Ruth  1,  22.  —  Gerstenseld,  n.  Feld  auf  dem
Gerste  wächst.  —  Gerstengraupe,  k.  Granpe  aus  Gerste.
—  Gerstenkleie,  k.  Kleie  von  Gerste.  —  Gerstenkorn,  n.
Samenkorn  der  Gerste;  übertragen  auf  eine  kleine  entzündete
  Geschwulst  am  Augenlid.  —  Gerstenkuchen,  m.
Kuchen  aus  Gersteumebl  Hes.  4,  12.—  Gerstenmehl,  n

Gerngroß  —  Gerstenmehl.