196
voll Eifers gegen den Arianismus, bedachten die Heiligkeit
des Nicaͤischen Symbolums nicht, und unterstanden sich durch
Einruͤckung des Worts filioque das Symbolum nach ihrer
Meinung noch orthodoxer zu machen, als es nach bisherigem
Gebrauch gewesen war. Von den Spanischen Kirchen kam
diese vermehrte Ausgabe des aͤltesten ehrwürdigsten Symbolums
in die Fraͤnkischen Kirchen, und da zwischen Franken
und Griechen wegen dem Interesse der beiderseitigen Hoͤfe
eine beständige Verbindung war, der Streit wegen der Bilderverehrung
zu Gesandtschaften Veranlassung gab, so kam
auch diese Frage in Bewegung, ob es recht gewesen sey, dem
Nicäischen Symbolum einen solchen Jusatz zu geben. Die
Lateinischen Mönche beförderten endlich den ganzen Ausbruch.
Sie wallfahrteten in großer Menge nach Jerusalem, und
sangen dort unter andern gottesdienstlichen Uebungen das
Nicäische Symbolum, mit dem Zusatze wie sie es zu Hause
wohl gewohnt waren. Die Griechen wollten dieses nicht leiden,
und die Mönche suchten Hülfe bei Karl dem Großen.
Die Sentenz seiner Reichsprälaten siel zwar für die Mönche
aus, aber der Rômische Bischof, ob er schon das Dogma
billigte, mißbilligte doch die gewagte symbolische Vermehrung,
und in den Streitigkeiten mit den Griechen war Johann
VIII. so offenherzig, den Zusatz für gotteslästerlich zu erklären,
er bat sich aber für diese Fehler der Lateinischen Kirche
Gedult aus. Im zehnten Jahrhundert wußte schon niemand
mehr bei den Lateinern von einem andern Nicäischen Symbolum
als von einem solchen, worin silioque stand.
. 6. 23.
Geschichte des Bilderkriegs.
Doch alle andere Streitigkeiten dieser Periode, sowohl
in der Lateinischen als Griechischen-Kirche, waren gleichsam-