214 Reichsgerichtliche Entscheidungen.
Gläubiger, welcher in gutem Glauben gehandelt, nicht
begründet, so kann ein solcher Anspruch auch in dem
anderen Falle nicht stattfinden.
Dile Grundsätze über die actio negotiorum
estorum beruhen auf der von dem Geschäftsfre
durch seine Geschäftsführung freiwillig übernommenen
Vertretung des Geschäftsherrn. Sie sind
daher an sich nicht anwendbar auf den Fall einer
über fremdes Vermögen nicht in der Absicht, den
Eigenthümer zu vertreten, sondern nur des eigenen
Vortheils wegen getroffenen Verfügung. Denn in
diesem Falle hat der Geschäftsführer nicht ein fremdes,
sondern nur sein eigenes Geschäft geführt. (I. 6
8 1 Dig. de neg. gest. III, 5.). Daß dennoch
nach dieser Stelle die actio neg. gest. auch gegen
denjenigen stattfindet, welcher dolos über fremdes
Vermögen zu seinem eigenen Vortheile verfügt hat,
ist keine über das Prinzip dieser Klage hinausgehende
Erweiterung derselben, sondern beruht darin,
daß der dolus unbeschränkt für allen, durch den
Eingriff in fremdes Vermögen erwachsenen Schaden
haftbar macht. Dagegen hat derjenige, welcher über
eine fremde Sache für sich verfügt in der Meinung,
daß dieselbe die seinige sei, oder daß ihm ein entsprechendes,
aber in der That nicht vorhandenes Recht
an derselben zustehe, hiemit keinen Grund gegeben,
ihn so zu behandeln, als ob er diese Verfügung in
der Absicht, den Eigenthümer zu vertreten, vorgenommen.
Es kann sich vielmehr bei seiner Gutgläubigkeit
nur fragen, ob und in wieweit er für
seinen objektiven Eingriff in ein fremdes Eigenthum
zu haften hat. Nur an elner einzigen Stelle, der
schon erwähnten 1. 49 cod. ist auch in einem
solchen Falle dem Eigenthümer die actio neg.
gest. gegen den Geschäftsführer. zugesprochen:
wenn jemand eine fremde Sache, die er gutgläubig
als die seinige besoß, verkauft hat, so soll der-