Entwicklung des Krieges
die Verteidigung gegen den italienischen Angriff — mit
den unter ı und 2 angeführten Aktionen in Einklang
gebracht werden kann. Diese zwingende Notwendigkeit
ist nicht nur eine politische; denn die politischen
Entwicklungen von heute setzen sich morgen in militärische
Zwangslagen um*.“
Der Kanzler schloß sich meiner Auffassung an. Im
Großen Hauptquartier jedoch stellte man die Ausnutzung
des galizischen Sieges bis zur äußersten Möglichkeit über
alle andern Erwägungen.
Während unsere Armeen in Galizien neue Siege errangen,
Lemberg befreiten und weiter gegen Osten vordrangen,
blieb die Balkanlage im Schwebezustand. Bulgarien suchte
sich mit der Türkei direkt zu verständigen; aber die Sondierung,
ob die Türkei bereit sei, den Bulgaren Adrianopel
und die Grenze Enos-Midia zuzugestehen, stieß in Konstantinopel,
trotz der bedrängten Lage der Dardanellen,
auf entrüstete Ablehnung. Insbesondere Enver Pascha,
der Wiedereroberer Adrianopels, konnte sich mit der
Herausgabe dieser Festung nicht abfinden. Djavid Bey,
mit dem ich in jener Zeit über die Deckung des türkischen
* Auch Graf Czemin, damals noch österreicbisch-ungarischer Gesandter in Bukarest,
sah in jener Zeit eine Aussicht, Rumänien zu gewinnen. In einer Rede, die er am 11. Dezember
1918 in Wien gehalten hat, führte er aus, daß Majorescu, der Führer der rumänischen Konservativen,
damals nicht abgeneigt gewesen sei, sich auf unsere Seite zu stellen; die rumänische
Armee, die nach Bessarabien vorgestoßen wäre, wäre weit in den Rücken der zurückflutenden
russischen Armee gekommen und hätte nach menschlicher Berechnung in Rußland
ein Debacle herbeifübren müssen. Damals, wo es noch kein „Amerika” am Horizont gab,
hätte man nach einem solchen Erfolg vielleicht den Krieg beendigen können. Allerdings hätten
damals die Rumänen als Preis für ihre Kooperation eine ungarische Grenzrektifikation verlangt,
die von Ungarn glatt refüsiert worden sei,
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