Über den Nachweis von Stärkesirup im Honig und in Fruchtsäften.
Von
Dr. J. Fiche,
wissenschaftlichem Hilfsarbeiter im Kaiserlichen Gesundheitsamte.
Zum Nachweis von Stärkesirup im Honig dienten früher Verfahren, welche auf
der Unlöslichkeit der im Stärkesirup enthaltenen Stärkedextrine in Alkohol beruhten.
Nachdem aber von verschiedenen Forschern in einwandfreier Weise festgestellt worden
war, daß auch im reinen Bienenhonig Stoffe von dextrinartiger Beschaffenheit vorkommen,
welche ebenfalls durch Alkohol gefällt werden, mußte ein anderer Untersuchungsweg
eingeschlagen werden. Die Literaturangaben über Honigdextrine sind
sehr zahlreich; es seien nur einige der wichtigsten hier angeführt.
v. Raumer!) und Mader?) gewannen aus der durch Bierhefe vergorenen Honiglösung
den rechtsdrehenden Bestandteil des Tannenhonigs durch Fällung mit Alkohol.
O. Künnemann und Hilger?) isolierten aus Tannenhonig ein Dextrin, welches sie
als Achroodextrin ansahen. Beckmann‘) fand in der Anwendung von Methylalkohol
und Barytwasser eine Reaktion, welche geeignet erschien, Stärkedextrine von Honigdextrinen
zu unterscheiden. E. Burkardt?) kam bei seinen Untersuchungen über
Honigdextrine zu dem Resultat, daß diese ein kleineres Molekulargewicht besitzen als
die Stärkedextrine. J. Monnheim und E. Beckmann?) glaubten aus ihren Versuchen
den Schluß ziehen zu können, daß das Honigdextrin ein Disaccharid ist. Zu
dem gleichen Resultat kam v. Raumer’), welcher außerdem für die Honigdextrine
ein geringeres spezifisches Drehungsvermögen fand als für die Stärkedextrine. Hilger
und Wolff®) untersuchten die im Koniferenhonig vorkommenden Dextrine. Sie schlossen
aus ihren ausgedehnten Untersuchungen, daß die Honigdextrine als Übergangsstufen
von Stärke zu Zucker anzusehen seien und den Charakter der Achroodextrine besitzen.
Jeder Koniferenhonig enthalte ein ihm eigentümliches Dextrin von konstanter spezifischer
Drehung, das entweder der Stärke oder dem Zucker näher stehe. Barschall®)
") Zeitschr. f. angew. Chemie 1889, 8. 607.
?) Archiv. f. Hygiene X, 1890, S. 436.
*) Forschungsberichte f. Lebensmittel 1896, S. 211.
) Zeitschr. f. analyt. Chemie 85, 1896, S. 268.
*) Beiträge zur Kenntnis des Honigs und der Dextrine. Inaug. Diss. Erlangen 1897.
*) Beitrag z. Kenntnis d. Tannenhonigs. Inaug. Diss. Erlangen 1899.
”) Zeitschr. f. analyt. Chemie 41, 1902, S. 333—350.
*) Beitrag z. Kenntnis d. im Koniferenhonig vorkommenden Dextrine. — Zeitschr. z. Unt.
d. Nahrungs- und Genußmittel 8, 1904, S. 110.
’) Arbeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamt 28, 1908, S. 405.