Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Numister  95

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Zelenes  ————

Freitag,  24.  April  1914
7—- 



lizeldirektion.  Zu  den  Läden  im  Erdgeschoß  gehören
  Magazine  im  1ntergeschah,  *  r*
heren  Käden,  auch  Kontore.  Die  Läden  werden
ungesähr  90000  Mk.  Miete  einbringen.  An
der  goe  wird  ein  Eingang  geschaffen,
  der  zu  dem  großen  im  Erdgeschoß  eingebauten
  polizeilichen  Turnsaal  führt  und  mit
den  Läden  in  keiner  Verbindung  steht.  Wegen
der  Festsetzung  der  Miete  für  die  Räume,  in  den#en
  städtische  BUros  ihre  Unterkunft  finden,
werden  zur  Zeit  die  Verhandlungen  gepflogen.
Die  Räume  werden  am  1.  Okteber  bezogen  und
sind  vom  Magistrat  auf  20  Jahre  gemietet.

München.  22.  April.  In  ginen  längeren
Artilel  erbringt  die  „M.-A.-A.“  heute  aus
den  Tagebüchern  Paul  Heues  und  aus  seinem
mit  dem  früheren  sozialdemokratischen  Reichslagsabgeordneten
  Schönlank  geführten  Briefwechtel
  den  Nachweis,  daß  von  Hinneigungen
Paul  Heyses  zur  Sozialdemokratie  nicht  die  geringste
  Rede  sein  kann  und  daß  die  darüber
bekannt  gewordenen  sozialdemokratischen  Behauptungen
  in  das  Reich  der  Fabel  gehören.

ünchen,  22.  April.  Vermißt  wird  seit
17.  ds.  Mts.  der  19  Jahre  alte  Hilfspostschaffner
  Wilhelm  Strobl.  Er  trägt  sehr  wahrscheinlich
  Damenkleidung,  da  er  sich  Rock,  Bluse,
Korselt,  Unterwäsche,  eine  ganze  Damenfrifur,
einen  modernen  Domenhut  und  schwarze  Knopfstiesel
  gekauft  hat.

Mlünchen,  22.  April.  Heute  nachm.  stürzt:
lich  ein  Soldat  des  1.  Inf.-  Rgts.  von  der  Großhelseloher
  Brücke  in  die  Tiefe.  Er  fiel  in  den
Werlkanal  und  wurde  von  den  Wellen  fortoerijjen.
  In  ner  auf  dem  Brückengeländer  vorgesundenen
  Sioiljoppe  fand  man  mehrere  Postkarten,
  adressiert  an  den  Soldaten  Gg.  Bertold,
1.  Inf.-Rat.,  7.  Komp.  Wie  die  Nachsorschungen
  ergaben,  siand  Bertold  tatsächlich  beim  1.

Inj.Rgt.,  von  wo  er  seit  gestern  abgängig  ist.
Das  Motio  zu  dem  Selbstmord  ist  noch  nicht  beklannt.
  Die:  Leiche  wurde  noch  nicht  gefunden.

I

 

I
perskumirtdirbxtstvre
München,22.A-kil.

Nicht  weniger  als  50  Einbrüche  in  Fünfoierteljahren
  sollen  dem  „Gentlemandieb“  Lefeore  zur
Last,  der  soeben  ein  Gastspiel  in  München  ablolviert
  hat.  Die  Polizeibehörden  in  Berlin,
München,  Hannover,  Wiesbaden,  Leipzig,  Magdeburg,
  Frankfurt  usw.  fahnden  auf  diesen  Hrn.
Leseore,  der  stets  ohne  jede  fremde  Hilfe  die
schwierigsten  Sachen  auszuführen  verstand.  Er
trat  bei  seinen  Beutezügen  sehr  elegant  gelleidet
  auf,  benützte  Autos  und  zeigte  bei  Ausführung
  seiner  Kunststücke  eine  geniale  Frechheit
  und  Geschicklichkeit.  Natürlich  reiste  er  slets
in  Luruszügen.  Auf  seinen  Reisen  hat  er  fast
leine  der  deutschen  Großstädte  verschont  und
ron  sämtlichen  Behörden  wird  er  als  der  gelürchletste
  Dieb  Deutschlands  bezeichnet.  Er  leate
lich  auch  wechselnde  Namen  bei.  Bei  seinem
buunenen  weindruch  in  Wiesbaden,  wo  ihm  für
15.000  Mark  Schmuckgegenstände  in  die  Händ.
  sielen,  legitimierte  er  sich  als  Kaufmann
Hans  Willig;  aber  auch  als  Rittmeister  von
Friescher  und  als  Fabrikbesitzer  von  Ferch  vermag
  er  sich  zu  legitimieren.  Er  geht  stets  mit
einer  geradem  verblüffenden  Kühnheit  vor  und
es  gelang  ihm  bieher,  sich  allen  Nachstellungen
  zu  entziehen.  Nachdem  er  in  München  abermals
  reiche  Beute  gemacht  hat,  soll  er  sich
bereilo  wieder  im  deutschen  Norden  aufhalten.

erische  Nachrichten.

Hohenschãäftlarn,  22.  April.  Heule  nacht
brach  in  dem  Anwesen  des  früheren  Bürgermeister?
  Beck  Feuer  aus,  dem  das  ganze  grohe
Gut  mit  sämtlichem  Inventar  zum  Opfer  fiel.
Mit  Ausnahme  von  2  Pferden  konnte  das  Vieh
geretiet  werden.  Die  Nachbaranwesen  waren
starl  gefährdet,  doch  konnte  das  Feuer  auf  seinen
Herd  beschränkt  werken.  Es  liegt  zweifellos
Brandstistung  vor.  Der  Schaden  ist  bedeutend.

Regen  i.  bayer.  Wald,  22.  April.  In  der
nahen  Ortschaft  Zell  brach  gestern  im  Anwesen
des  Gütlers  Joseph  Hof  ein  Brand  aus,  der
so  rasch  um  sich  griff,  daß  binnen  einer  Stunde
acht  Wohnhäuser  ein  Raub  der  Flammen  wurden.
  40  Personen  sind  ahe  Obdach  Ter  Schaden
  wird  auf  80000  Mk.  geschätzt,  dem  eine
Versicherungssumme  von  ca.  25  000  Mk.  gegenübersteht.


Germersheim,  22.  April.  In  Speyer  hat
cin  Infanterist  mit  eigener  Lebensgefahr  ein
Gjähr.  Kind  aus  dem  hochgehenden  Speyerer
Bach  gerettet.  Tadurch,  daß  die  Zivilbehörde
ihm  eine  Jelotzung  zuteil  werden  ließ,  kom  die
Sache  an  das  Negiment,  und  dieses  erfuhr,  daß
der  Soldat  ohne  Urlaub  in  Speyer  gewesen  war.
Als  Belohnung  hat  er  nun  —  drei  Tage  Mittelorrest
  erhalten.

B##esches  Oberla##s.

Neubeuern,  23.  April.  Ein  außergewöhn-1ch
  genußreicher  Konzertabend  fand  am  Dienstog
  im  Obermayerschen  Gasthaus  statt.  Er  wurde
  von  der  Vereinigung  ehem.  Angehöriger  des
2.  Schweren  Reiter.  Regiments  unter  Direktion
des  Herrn  Musikmeisters  Martin  Stefan  gegeben.
  Erstaunt  über  die  vorzüglichen  Aeisusper,
lauschte  man  den  Ausführungen  des  reichhalt
Programms.  Befonders  hervorzuheben  sind  de
Ouvertüre  zur  Oper  „Nabucodonosor“"  von  Verdi,
  Erinnerung  an  Magners  Taunhasen“.

 

 

 

Ein  tragischer  Aereplan-Zuflammens##c##  in  de##  Cüftfen.

Ein  surchtbarer  Unsall,  wie  ihn  die  Aoialik
bisher  noch  nicht  erlebte,  und  welcher  zwei  Tote
und  zwei  Verwundete  forderte,  hat  sich  Sonntag
nächmittags  während  des  Flug-  „Meting  in  Buc
(Frankreich)  zugetragen.  Zwei  Aeroplane  waten

  infolge  salschen  Manöorierens  zusammengesloben,

  wodurch  einer  derselben  in  Brand  geret.
  Unsere  eir  e  zeigt  den  furchtbaren
  Todeskampf  der  beiden  unglücklichen  Flieger
  Deroye  und  Dablin,  welche  lebendig  verbrannten,
  ohne  daß  man  ihnen  irgendwelche
Hilfe  leisten  konnte.

 

 

Phantasie  von  Hamm,  sowie  das  mit  Begeisterung
  aufgenommene  miritärische  Po#pourri  „Im
Biwak“  von  Spohr.  Obwohl  ein  Teil  von  Musikfreunden
  vermißt  wurde,  war  der  Besuch  sehr
gut.  Sämtliche  Ausführungen  ernteten  allgemeinen
  Applaus.  Allgemein  wurde  der  Wunsch
laut,  die  Vereinigung  wolle  uns  auch  im  Sommer
  mit  einem  ähnlichen  Konzert  beehren.

Kirchenfur,  22.  April.  Am  Sonntag  ist  bei
dem  Gemeindekassier  von  Kirchensur,  dem  Bauern
  Emmerer  von  Hub,  die  eiserne  Gemeindekasse
gestohlen  worden.  Als  Täter  kommt  der  Knech!
des  Bauern  in  Betracht,  der  seitdem  verschwunden
  ist.  Der  Kasten  wurde  im  Walde  erbrochen
aufgefunden  und  war  seines  Inhaltes  beraubt.
Es  befanden  sich  darin  600  Mark  in  Obligationen
  und  11  Mark  Bargeld.

Reichersbeuern,  22.  April.  .Ein  bedauerlicher
  Unfall  creignete  sich  beim  Bauern  Mich.
NRumml.  Das  drei  Jahre  alte  Töchterchenweilte
auf  der  Wiese,  wo  das  Fohlenpferd  weidele.  Das
Fohlen  gi  r#  zum  Mädchen,  während  die  Stute
nach  dem  Kinde  ausschlug  und  es  so  heftig  an
der  linken  Kopfleite  traf,  daß  der  Schädelknochen
gespalten  wurde.  Ob  das  Kind  mit  dem  Leben
davonkommt,  ist  zweifelhaft.

Frabertsham,  22.  April.  Im  Anwesen  des
Empflbauern  Andreas  Bründl  in  Hinzing  brach,
vermutlich  infolge  ruchloser  Brandstiftung,  Feuer
aus,  dem  in  kürzester  Zeit  das  ganze  Anwesen
  zum  Opfer  fiel.  Außer  dem  Vieh  konnke
nichte  gerettet  werden.  Die  Feuerwehren  der
ganzen  Umgebung  erschienen  am  Branoplatze.

Bad  Reichenhall,  22.  April.  Heute  vormittags
  fand  mit  einer  elektrischen  Lokomotioe  die
erste  Probefahrt  auf  der  Strecke  Reichenhall-Hallturm
  statt.  Die  Bergstrecke  wurde  mühelos
bewältigt.  Die  Probefahrt  verlief  gut.

Grenziande.

Kufstein,  22.  April.  Bei  der  städt.  Automobillinie
  von  Kufstein  nach  St.  Johann  in
Tirol  wird  der  Verkehr  fortan  nur  noch  über  die
neue  Eibergstraße  geleitet  und  die  Linie  über
Kirchbichl-Grattenbruck  aufgehoben.  Die  Linie
  von  St.  Johann  i.  DT  nach  Mittersill  hat
der  Staat  in  seine  Verwaltung  aufgenommen.
Die  endgültige  Fahrteinteilung  ist  bereins  fest.
gesetzt:;  sie  sieht  in  der  Vor.  resp.  Nachsaison
im  Monat  Mai  und  Oktober  an  Sonn=  u..  Feiertagen
  je  zwei  Fahrten  hin  und  zurück  vor.  In
der  Hauptsaison  verkehren  vom  30.  Mai  b#s
14.  Juli  und  vom  14.  September  bie  30.  September
  drei  Kurse  und  vom  15.  Juli  bis  13.
September  vier  Kurse  in  jeder  Nüchtung.  Die
Fahrpreise  werden  erheblich  reduziert;  so  z.-.
für  die  Strecke  Kufstein-Ellmau  von  Kr.  2.80
auf  Kr.  2.—  und  für  die  Strecke  von  Kufstein
zach  St.  Johann  i.  T.  von  Kr.  3.80  auf  Kr.

Landwirischaftlicher  Bezirlsverein.
Rosenheim,  23.  April.

Heule  fand  in  Rosenheim  der  große  Zuchtlälbermarkt
  slatt,  dem  alljährlich  in  den
weltesten  Kreisen  der  Viehzüchter  das  größle
Interesse  entgegengebracht  wird.  Dank  der  gün-Higen
  Witterung  war  der  Markt  außerordentlich
gut  besucht  und  zahlreich  beschickt.  Prächtige
Eremplare  waren  dabei  zu  sehen,  sowohl  der
Simmentaler  wie  der  Pinzgauer  Rasse.  Erfreulicherweise
  standen  die  Tiere,  welche  ven
Landwirten  zur  Ausstellung  ebracht  wurden,
den  von  Händlern  in  Kanctren  geslellten
Zuchtlälbern  nicht  nach.  Auch  der  Viehmuclt
üäberhaupt  hatte  einen  guten  Zutrieb  in  allen
Gattungen.  Gemäß  den  Erwartungen,  die  man
vom  heutigen  Markte  hegte,  gestaltete  sich  auch
der  Besuch.  Aus  nah  und  fern  weilten  zahlreiche
Interessenten  heute  in  unserer  Stadt.

Um  ½1  Uhr  versammelte  sich  der  Landw.
Bezirksverein  im  Saale  des  Hotels  „Deutscher
Kaiser“,  um  vor  allem  die  Ergebnisse  der
Emtrung  auf  dem  Wn  caltrainar

Empfang  u  nehmen.  Tie  Relultate  und  das

 

 

 

Urteil  der  maßgebenden  Stellen  über  diese

Zuchtkälberausstellung  wie  auch  über  die  Ersolge
  der  Züchter  werden  wir  in  unserer  nächsien
  Nummer  belannt  geben.  Im  Anschiuß
an  die  Preisverteilung  wurde  die  ordentlich:
Sauptversammlung  des  Landw.  Bezirlspereins
  abgehalten.  Sie  erfreute  sich  ebenfalls
  eines  zahlreichen  Besuches.  Besonderes
Interesse  Vietei  alljährlich  der  Jahreshericht,
welchen  heuer  Herr  Oekonomierat  Maier  erstattete.
  Wir  erwähnen  daraus  für  heute  solgendes:


Der  Jahresbericht.

Dem  Landw.  Bezirksverein  gehörten  mit  Ende
1913  738  Mitglieder  an,  für  welchedie  Vorstandschaft
  und  der  Arderan  eine  erfolgreiche  Tätigkeit
  auf  den  verschiedensten  Gebieten  der  Landwirtschaft
  entwickelt  haben.  Dank  der  erheblichen
Zuschüsse  des  Landw.  Kreis-Ausschusses  von
Oberbayern,  des  Distrikts  und  der  Stadt  Rosenheim
  konnten  u.  a.  verausgabt  werden  zirka
18f00  Mk.  zur  Förderung  der  Rindviehzucht,  600
Mark  für  Pferdezucht,  250  Mk.  für  Obstbau,
1250  Mk.  für  Waldbau,  "  Mk.  für  Schweineund
  Geflugelzuch.  Bei  7797  Mk.  Einnahmen  u.
6689  M.  Ausgaben  versügt  der  Verein  z.  Zt.  über
annähernd  7100  Mk.  Vermögen  in  bar  und
Wertpapieren.

Abgehalten  wurden  3  Ausschuß  itzungen  un
2  gut  besuchte  Generalversammlungen,  sowie
am  17.  April  der  38.  Zuchtkälbermarkt  mit  einer
Zuchtstierprämierung  und  am  13.  Auguft  der
29.  Fohlenmarkt  mit  einer  Prämiierung  von
Fohlen  und  Jäbngen,  Beide  Veranstaltungen
  waren  gut  beschickt  und  aus  nah  und  fern
stark  besucht.  Wie  in  den  Vorjahren  hat  die  Vorstandschaft
  einen  ausführlichen  Bericht  über  die
Lage  der  Landwirtschaft  im  Vereinsbezirk  an  den
Landw.  Kreisausschuß  von  Oberbayern  erstattet,
  aus  dessen  Inhalt  folgeme  Mitteilungen
gemocht  seien:

Bei  einer  befriedigenden  Gektreide=  und
Futterernte  verursachte  andauerndes  Regenwetter
  in  der  Heu=  und  Getreidcernte  vielerorto
  eine  geringe  Qualität  der  geernteten
Früchte,  namentlich  aber  besondere  usgaben
für  die  Erntearbeiten,  welche  sich  ungemeinschwierig
  und  zeitraubend  gestaltet  haben.  Das  durch
Regen  und  starte  Winde  gelagerte  Getreid:
war  mit  Gras  durchwachsen  und  konnte  vielfach
nicht  mit  der  Maschine  gemäht  werden.  In  der
Heu=  und  Grummeternte  leisteten  die  verschiedenartigen
  Trockengerüste:  die  Hifel,  Heinzen  und
Reuter  sehr  gute  Dienste,  sie  wurden  deshalb
vielfach  auch  neu  eingeführt.

Uopter  der  ungünstigen  Wilterung  hatte  namentlich
  auch  der  Obstbau  und  die  Bienenzucht
  zu  leiden.  Für  die  letztere  war  das  vergangene
  Jahr  ein  vollständiges  Fehljahr,  das
leider  auch  kinen  Rückgang  der  Bienenvölker  mit
lich  gebracht  hat.  Durch  Fröste  und  Schne  im
April  wurde  ein  aussichtereicher  Blütenansatz
der  Obstbäume  größtenteils  zerstört,  so  daß
die  Obsternte  bei  Aepfeln  und  Schalenobstschlecht.
bei  Birnen  mittel  gewesen  ist  und  nur  das
Beerenobst  eine  gule,  die  Zweischgen  vielerorts
eine  sehr  gute  Ernte  ergaben.  Eine  rege  Tätigkeil
  entwickelten  die  dem  hiesigen  Bezirksobstrerband
  angeschlossenen  Obstbauvereine  und  der
für  den  Bezirk  Rosenheim  aufgestellte  Bezirksobstgärtner.
  Besondere  Fortschritte  sind  auf  dem
Gebiete  der  Obstverwertung  durch  iachgemäßen
Aerkauf  des  Obstes  und  durch  Obstweinbereitung
etzielt  worden.

Im  vergangenen  Jahr  wurden  etwa  1100
Lt.  Branntwein  mehr  gebrannt  wie  1912
und  zwar  2042  Lt.  Obsibranntwein,  426  Et.
Bierbranntwein  und  56  Lt.  solcher  aus  mehligen
Stoffen;  es  sind  das  im  ganzen  2542  Lt.,  welche
  in  der  althergebrachten  einfachen  *  erzeugt
  worden  sind  u.  zur  Versteuerung  kommen.

Bei  der  Filcherei  richteten  mehrere  Hachwwasser
  und  ein  andauernd  hoher  Wasserstand
der  Bäche  und  Flüsse  Schaden  an.  Der  Bejirksfischereiverein
  errichtete  zum  Erbrütenvon  Aeschenund

  Hucheneiern  eine  r*  ischsuchtanstalt
8  lehte  in  verlchiehemen  Ke##iern  260  Zander-

  und  Forellenjährlinge  und  über  100  000
Stück  Aeschen-,  Huchen=  und  Forellenbrut  aus.

Günstige  Erfolge  wurden  auf  dem  Gebiet
der  Geflügelzucht  erzielt,  indem  die  Einführung

  von  rassereinem  Geflügel  zugenommen
hat  und  der  Absatz  von  Zucht-  und  Schlachtgeflügel,
  sowie  von  Eiern  ein  guter  gewesen  ist.

Die  vom  hiesigen  Geflügelzuchtverein  mit  Unterstützung
  unseres  Vereines  errichtete  Zuchtstation
  für  rebhuhnfarbige  Jualienerdühyer  könnten
unsere  Vereinsmitglieder  durch  den  Bezug  von
Bruteiern  etwas  mehr  ausnützen.  Die  Station
ist  vei  Herrn  Zahnweh,  Gabelbergerstraße  5,

das  ist  in  der  Nähe  der  Augenklinik.  In  sechs
Gemeinden  wurde  olermal  die  Geflügelcholera
„weifellos  durch  ausländische  Gänse  eingeschlerpt,
modurch  73  Hühner  und  30  Gänle  verendeten.

Die  Schaf=  und  Ziegenzucht  hat  sich
wenig  verändert,  es  wurden  1571  Schafe  und
1196  Ziegen  geholten.  Auch  die  Schweinezucht
  spielt  im  Vereinsbezirk  nach  wie  vor  keine
Rolle.  Nach  der  Viehzählung  vom  1.  Derember
1913  waren  im  Distrikt  Rosenheim  5543  Schweine
vorhanden,  von  denen  4022  Tiere  unter  sechs
Monate  alt  waren  und  1000  Schweine  in  9
Molkereien  gemästet  wurden.  An  Zuchtlieren
werden  im  ganzen  Verwaltungsbezirk  12  Eber
und  180  Zuchtsauen  gehalten.  In  der  Cemeinde
  Vogtareuth  neehen  1  Eber  und  38  Sauen,
in  Sochtenau  1  Eber  und  13  Sauen,  in  Hochstätt

  1  Eber  und  17  Sauen,  das  sind  in  der
Houptsoch-  unsere  Schweinezuchtgebiete.  In  Vogtareuth
  arbeitet  die  seit  vielen  Jahren  bestehende
  Eberhaltungsgenossenschaft  fleißig  und  mit
Erfolg  weiter,  3.  Zt.  steht  ein  sehr  schöner  Zuchteber
  in  Tödtenberg.  Sehr  viele  Schweine  wurden
  auf  den  Rosenheimer  Märkten  durch  oberund
  niederbayerische  Handler  bingeührt  und
mit  20—50  Mk.  pro  Paar  bezahlt.  Die  Ptrei  ie
für  Schlachtschweine  hielten  sich  bis  zum  September
  auf  55—65  Mk.;  leider  fielen  sie  gegen
Ende  des  Jahres  auf  45—  50  Mük.  pro  Zentner
Lebendgewicht.  In  6  Gehöften  wurden  bei  25
Schweinen  der  Rotlauf  festgestzllt.  Durch  Sche##
impfung  der  gefährdeten  gesunden  Tiere  ist
die  Verbreitung  dieser  Seuche  verhindertworden.
24  Schweine  verendeten  an  Schweinepest  und
Schweineseuche.

Einen  wesentlichen  Fortschritt  hat  die  Föreerung
  der  Pferdezucht  aufzuweilen,  nachdem
unter  Leitung  des  k.  Bezirkstierarztes  Rasberger
  eine  Verrveuchtgenohenschaft  zur  Zucht
eines  starken  und  tiefen  Arbeitspferdes  mit  ansgeglichenen
  Körperformen,  starken  Knochen  und
freien  geräumigen  Gängen  ins  Leben  trat  und
seit  dem  2.  Febr.  1913  schon  212  Mitglieder
aufweist.  Im  Distrikt  Rosenheim  standen  im
vergangenen  Jahre  2350  2  Feoe  meist  Norier
(Pinzgauer)  Schlags.  Von  4  Hengsten  dez  Oefkonomen
  Scherer  wurden  280  und  von  2  Hengsten
  des  Oekonomen  Haindl  116  Stuten  gedeckt

Auch  auf  dem  Gebiete  der  Rindviehzuckt
geht  es  dank  der  erfolgreichen  Tätigkeit  der
besiehenden  Zuchtgenossenschaften  vorwärt-.  Die

hohen  Preise  für  Schlacht.,  Nutz=  und  Zuchtvieh
waren  ein  kräftiger  Ausporn  für  Auszucht  und
Haltung  von  rassereinen,  gutgeformten  Tieren.
Leider  brachte  der  Spätherbst  jolchen  Rütkgang
der  Viehpreise.  daß  z.  B.  Schlachtvieh  nahem
unverkäuflich  geworden  in.  Gegen  Ende  des
Jahres  haben  indessen  viele  Landwirte  mit  auten
  Erfolg  Viehschlachtungen  im  eigenen  Hauie
vorgenammen.  Nutz,  und  Zuchltiere  mußten  in
dieser  Zeit  um  150  —200  Mk.  pro  Stück  billier
  abgegeben  werden,  wie  das  Jahr  zuvor.  Erfrrulichripoeise
  mehren  sich  die  Anlagen  von
Tummelplätzen  und  Weiden  für  das  Jungrieh
im  Flachland,  es  wurde  auch  die  sehr  ergiebige
Herbiweide  zum  Wohlbefinden  der  Stalltiere
rech  vorteilhaft  ausgenũtzt.

i  Verwaltungsbezirk  Rosenheim  wurden  am
1.  Le-  1913  41  341  Stück  Vieh  gezählt,  das
ist  ein  Mehr  von  253  Stück  gegen  1912.  Bei  der
Körung  wurden  in  35  Gemeinden  851  Zuchtstiere
vorgeführt,  davon  waren  728  Tiere  mittelmãfig
  bis  Kut,  auch  sehr  guter  Qualität,  während
  123  Tiere  sehr  mittelmäßig  und  schlecht
waren.  Angekört  wurden  806  Stiere.  wonon
52  Stück  Eigentum  von  Zuchtgenossenschaften
und  2  Tiere  Eigentum  von  Gemeinden  gewesen
sind.  Die  Körung  wurde  an  106  Tagen  und
an  365  Orten  vorgenommen.  Von  10Gemeinden
murden  die  Stiere  an  Sammelplätzen  zusam
mengebracht.

Die  alpwirtichaftlichen  Verhält-=nis#2
  e  waren  trotz  der  schlechten  Witterung  günsilg.
  indem  die  Tiere  gut  genahrt,  aber  mit
tauhem  Haarkleid  Ende  September  von  9½
Alpen  abgetrichen  wurden.  An  Milzbrand  ver
endete  1  Kuh  auf  1  Alm,  während  der  Nausch.
brand  bei  7  Rindern  und  zwar  bei  6  Tirren

auf  der  Alp  beobachtet  worden  ist.  In  12  emeinden
  wurden  an  1562  Tieren  eine  Schutzimpfung
  gegen  Rauschbrand  vorgenommen,  welche
  mit  472  ungeimpften  Tieren  auf  gefähr.
dete  Alpen  gebracht  wurden.  Von  den  geinipften
  Tieren  fielen  3,  von  den  nichtgeimoften  Tie
ren  4  Stũd,  also'“  fünfmal  soviel  Tiere,  wenn
man  die  Zahlen  in  Prozente  umrechnet.

Die  Verwertung  der  Milch  war  im  allgemeinen
  günfrig,  wenn  auch  die  Milchpreise  geaen
  Ende  des  Prs  gefallen  sind.  Die  Besitzer
  von  Kälereien  und  Molkereien  llagten  lebhaft
  über  einen  kehr  schlechten  Absatz  und  siarlen
  Rückgang  der  Preise  ihrer  Produkte.  TArsfallend
  ist,  daß  davon  die  Konsumenten  in

 

dex  Etadt  lange  Jeit  chensomenig  wie  von  dem