Volltext : Kriegführung und Politik.

Entschluß  zum  U-Bootkrieg.  201

davon,  daß  der  Friedensappell  des  Präsidenten  Wilson  irgendeinen
Erfolg  haben  könne.  Ebensowenig  berührte  er  bei  dem  gleich  darauf
  folgenden  gemeinsamen  Vortrag  vor  Seiner  Majestät  dem
Kaiser  eine  solche  Möglichkeit.  Die  Antwort  der  Entente  auf  den
Friedensappell  Wilsons  zeigte,  daß  sich  der  Reichskanzler  nicht  getäuscht
  hatte.  Sie  nannte  die  Bedingungen  von  Versailles  und
St.  Germain.

Der  Zweite  Untersuchungsausschuß  geht  in  seinem  Bericht  vom
18.  Juli  1920  über  diese  Tatsache  einfach  hinweg.  Er  führt  aus:
Die  O.  H.  L.  und  der  Admiralstab  hatten  die  „U-Bootkarte  ausgespielt“
  in  voller  Kenntnis,  daß  die  Friedensaktion  Wilsons
noch  schwebe.  Die  „U-Bootkarte“  wurde  am  9.  Januar  „ausgespielt",
  und  an  diesem  Tage  hat  der  Reichskanzler  mit  keinem
Worte  ausgeführt,  daß  „die  Friedensaktion  Wilsons“  noch  „schwebe“.
Sie  galt  durch  die  Haltung  der  Entente  für  erledigt.  Das  war  die
Ansicht  aller  an  dem  schweren  Entschluß  zum  uneingeschränkten
U-Bootkrieg  beteiligten  Männer.  Sie  sahen  beine  Möglichkeit,  zum
Frieden  zu  kommen.

Mit  der  Antwort  der  Entente  vom  12.  Januar  war  indes  der
sogenannte  Friedensschritt  Wilsons  noch  nicht  beendet.

Am  22.  Januar  erließ  Wilson  eine  Botschaft  an  den  Senat,
obschon  er  am  13.  Januar  in  Petersburg  laut  werden  ließ,  daß
eine  zweite  Note  nicht  folgen  werde.  Hier  ist  also  noch  vieles
ungeklärt.  Die  Tatsache  verdient  Beachtung,  daß  er  anscheinend
in  Berlin  eine  entsprechende  Mitteilung  nicht  hat  machen  lassen.
Das  reiht  sich  bezeichnend  der  anderen  Tatsache  an,  daß  Wilson  am
31.  Dezember  dem  italienischen  Botschafter  andeutete,  ein  Anschluß
der  Nordamerikanischen  Union  an  die  Verbündeten  würde  diesen
im  Geldpunkt  sehr  zustatten  kommen.

In  der  Botschaft  vom  22.  Januar  wies  Wilson  die  Bedingungen
  der  Entente  nicht  zurück,  wie  ein  neutraler  Staatsmann  es
voraussetzte,  wenn  Wilson  seinen  Vorschlag  ernst  gemeint  hätte').

*)  Der  Reichstagsabgrordnete  Schultz  (Bromberg),  der  sich  dem  Bericht  des
Zweiten  Untersuchungsausschusses  nicht  anschließen  konnte,  hebt  in  seinem
Sonderbericht  hervor,  daß  ein  neutraler  Staatsmann,  dessen  Urteil  dem  Ausschuß