Metadata: Geschichte des Kurstaates und Königreiches Sachsen. Zweiter Band: Von der Mitte des sechzehnten bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. (2)

Münzwesen. 200 
der Zorn und Spott des Volkes, der sich gegen dieses Treiben 
bald in beißenden Satiren, bald in thatsächlichen Mißhand-- 
lungen Luft machte, noch auch die seit 1588 wieder aufgenommenen 
Münzprobationstage des obersächsischen Kreises, noch auch landes- 
herrliche Verordnungen, durch welche 1620 der Reichsthaler 
auf 2 Gulden und 1 Ort oder 47 Groschen und 2 Pfennige, 
der Curs des rheinischen Goldguldens auf 2 ½ Fl. festgesetzt 
wurde, thaten diesem Nothstand wirksamen Einhalt. Da kam 
Johann Georg auf den verfehlten Gedanken, den Gewinn, den 
bisher die Kipper und Wipper aus ihrem Geschäft gezogen 
hatten, lieber dem Staate selbst zuzuwenden, indem er erklärte, 
daß er von nun an selbst alles Bruchsilber in der Münze zu 
Dresden aufkaufen lassen werde, und zugleich eine schlechtere 
Interimsmünze prägen ließ; der Reichsthaler wurde zu 2 Fl. 
10 Groschen 2 Pfeunige, der rheinische Goldgulden bis zu 3 
Fl. zu nehmen gestattet, Maßregeln, die das lbel nur noch 
verschlimmerten, zumal seitdem er, um seinem immer zu- 
nehmenden Geldmangel abzuhelfen, in Sangerhausen, Chemnitz, 
Leipzig, Zwickan, Annaberg, Eilenburg, Freiburg a./II., Naum- 
burg, Großenhain Pachtmünzstätten errichtele, deren Münzen 
weder untereinander, noch mit den in Dresden geprägten, noch 
auch mit dem Reichsmünzfuße übereinstimmten, deren Pächter 
aber dem Kurfürsten einen stattlichen Schlagschatz zahlen mußten, 
der zu Großenhain z. B. wöchentlich 300 Fl., wofür er die 
seine Mark auf 62 K Fl. oder 40 Thaler 16 Groschen aus- 
prägen, 4 Loth Silber zu 250 Stück Groschen vermünzen 
durfte. Aber die neue Landesmünze sank unaufhaltsam immer 
tiefer; binnen einem Vierteljahr stieg der gute schwere Thaler 
auf 5 und 6, bald auf 9 und selbst auf 12 Fl. Eine un- 
ausbleibliche Folge dieser Münzverschlechterung, verbunden mit 
den politischen Befürchtungen war nicht bloß eine allgemeine 
Stockung alles Handels und Verkehrs, sondern auch eine un- 
geheure Preissteigerung aller Lebensbedürfnisse, wie sie selbst 
in den schlimmsten Kriegsjahren nicht wiederkehrte 1). An 
1) Im September 1622 slieg in Leipzig der Schessel Weizen auf 33 
Fl., der Hafer auf 12 Fl., 1 Pfund Butter auf 1 Fl., die Klafter Holz 
1620
	        
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