Kriegsberichte: Grödek; Lemberg; Ypern
6 Uhr morgens zur völligen Ausschaltung der russischen
Artillerie, die sich wie immer in den letzten Taen
zurückhielt und sich nur vorsichtig und unter sparamem
Munitionsverbrauch am Kampfe beteiligte.
Um 7 Uhr morgens konnte die feindliche Stellung
für sturmreif gehalten und der Sturm befohlen
werden. Die Besatzung der Höhe nahm zwar noch
das Feuer gegen die Stürmenden auf, ohne ihnen
jedoch nennenswerte Verluste zuzufügen. Die deutsche
schwere Artillerie hatte ihre Schuldigkeit getan und
den Feind so demoralisiert, daß dieser zwar anfänglich
noch schoß, es dann aber vor dem Einbruche vorzog,
das Weite zu suchen. über 700 Gefangene und
etwa ein Dutzend Maschinengewehre fielen den Anreifern
in die Hände. In den genommenen Gräben
sagen allein 200 tote Russen.
Inzwischen richtete sich der Angriff auch gegen die
Nachbarabschnitte. Bald sahen sich die Russen gezwungen,
auch ihre sehr starke, nördlich der Straße
nach Magieröw mit Front nach Süden verlaufende
Stellung kampflos zu räumen. Da es gelang,
mit dem Hehenden Gegner auch in Magieröw einzudringen
und nördlich der Stadt nach Osten vorustoßen,
so wurde auch die Stellung bei Bialo
Pia kowa unhaltbar. Die Russen fluteten zurück
und versuchten erst bei Lawryköw wieder festen Fuß
zu fassen. Am späten Abend nahm ein Garderegiment
noch den Bahnhof von Dobrocin ein, auf dem
die Russen noch kurze Zeit zuvor Truppen verladen
hatten und gewann damit die Straße Lemberg-Rawaruska.
Die Nachbarkorps standen am Abend
etwa auf gleicher Höhe mit den Garderegimentern.
Wiederum war ein Durchbruch auf einer rund
25 km breiten Front geglückt. Das Schicksal Lembergs
wurde hier und an der Wereszyca entschieden.
iese Linie wurde am späten Abend, teilweise in
den ersten Morgenstunden des 20. Juni erstürmt. Ein
deutsches Korps, zu dem sich an diesem Tage Seine
Majestät der deutsche Kaiser begeben hatte, stürmte die
anze feindliche Stellung von Stawki bis Folwerk
HBus#wa Seit den Morgenstunden des 20. Juni
war der Feind, der stellenweise schon in der Nacht abgezogen
war, vor der ganzen Front in vollem Rückzuge
nach Osten. Die Verfolgung wurde sofort ausgenommen.
Am Abend dieses Tages standen k. k. Truppen
bereits dicht vor den Befestigungen von Lemberg.
Die Ginnahme von Lemberg!.
Verbffentlicht am 29. Juni 1915.
Anfang September 1914 waren die Russen in
Lemberg, der Hauptstadt Galiziens, die eine Einwohnerzahl
von 250000 Menschen aufweist, eingezogen.
Sie fühlten sich während ihrer dortigen Herrschaft
in der schönen Stadt, der sogleich ihr polnischer
Name Lwöw zurückgegeben wurde, außerordentlich
wohl und gingen alsbald daran, Lemberg
zu einer großen Festung auszubauen und zum weiteren
Schutze dieses Besitzes die befestigten Linien der
Grodek= und Wereszycastellung zu schaffen. Die von
den Österreichern erbauten Verteidigungsanlagen von
Lemberg wurden russischerseits verstärkt und erweitert,
besonders auf der Süd- und Südwestfront. Die
bestehenden Bahnhofsanlagen wurden erweitert und
eine Reihe von Feld- und Vollbahnen im Bereiche
der Festung gestreckt. Um aber selbst für den Fall, daß
die Grödekstellung durchbrochen und aufgegeben wer-1
22. Juni 1915.
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den mußte, die Behauptung der Festung Lemberg zu
gewährleisten, wurde gleichlaufend zur Grödekstellung
und angelehnt an die Nordfront der Festung eine stark
befestigte Unschlußstellung gebaut, die sich auf den
Höhen westlich der Bahn Lemberg-Rawa rusta bis
gegen Dobrocin hinzieht. Nachdem die Armeen des
Generalobersten v. Mackensen die Grödek- und Weresycastellung
durchbrochen hatten, stießen deutsche
Divisionen und die daran anschließenden Truppen
der Verbündeten auf die genannte Anschlußstellung.
Die Mitte der Armee Böhm-Ermolli näherte
sich gleichzeitig der Westfront von Lemberg. Die
Masse dieser Armee griff einen Feind an, der sich in
südlicher Anlehnung an die Festung hinter dem
Szczerzek= und Stawczankabach gesetzt und
zu erneutem Widerstand eingerichtet hatte. Es gelang,
diese Stellung am Abend des 21. Juni an verschiedenen
Stellen zu durchbrechen und die Angriffstruppen
gegen die Befestigungen der Westfront von
Lemberg näher heranzuschieben. Deutsche Verbände
unter Führung des Generals von der Marwitz
erstürmien am gleichen Tage die wichtigsten Punkte
der von den Russen zäh verteidigten Anschlußstellung,
zwangen dadurch den Feind, diese Stellung ihrer
ganzen Ausdehnung nach zu räumen und öffneten
nunmehr den benachbarten österreichischen Truppen
die Bahn zu den Befestigungen der Nordwestfront
der Festung. Am 22. Juni konnten somit die Werke
der Nordwest- und Westfront von den österreichisch-
ungarischen Truppen genommen werden.
Schon um 5 Uhr morgens fiel das Werk Rzesna,
bald darauf Sknilöw und gegen 11 Uhr auch die
Lysa Gora. Dieses Werk wurde vom k. u. k. Infanterieregiment
34, Wilhelm I. Deutscher Kaiser
und König von Preußen, erobert. Im Werk Rzesna
wurden neben Geschützlafetten und Maschinengewehren
allein 400 Gefangene gemacht, die nicht weniger
als 18 verschiedenen russischen Divisionen angehörten.
Im Werke fand man neben Massen von Waffen
und Munition auch eine große Menge ungeöffneter
Holzkisten mit Stahlblenden. Schon am Mittag des
gleichen Tages betraten die siegreichen Truppen die
alizische Hauptstadt, in der die Russen fast zehn
nate geherrscht hatten. Um 4 Uhr nachmittags
zog der österreichische Armeeführer in
die völlig unversehrte und reich beflaggte
Stadt ein. Auf Straßen, in den Fenstern und auf den
Balkonen standen Tausende und aber Tausende von
Einwohnern, welche die Befreier stürmisch begrüßten
und die Kraftwagen mit einem Blumenregen bedeckten.
Die Kämpfe bei Vperni.
Veröffentlicht am 10. Mai 1915.
Nach den schweren Kämpfen des Oktober 1914
waren in Westflandern am Merkanal ebenso wie auf
der übrigen Westfront die Operationen in einen
zähen Stellungskrieg übergegangen, der nur
zeitweilig von kleinen Offensivunternehmungen auf
beiden Seiten unterbrochen wurde, ohne daß die allgemeine
Lage eine wesentliche Anderung erfuhr.
Von der Nordsee folgten die beiderseitigen
Stellungen bis Steenstraate (8km nördlich Dpern)
im allgemeinen dem Laufe des Merkanals, dessen
westliches Ufer zwischen der See und Dixmuiden an
zahlreichen Stellen, zwischen Dixmuiden und Ypern
1 Aprlkl/Mai 1915. — Vgl. Karte Westflandernc.