565 dero — desbalben.
sammenrückung des schwachen Gen. Sing. des Subst.
masze mit dem Artikel, mhd. noch getrennt der mäze,
im 16. Ih. in heutiger Form: dermaszen istiusmocn
Maaler:; eine stimme, die zu jm geschach der
maszen, dis ist mein lieber son 2. Petr. 1, 17; dermaszen
wie wir leiden 2. Cor. 1, 16; heute gern einen
hohen Grad hervorhebend: verstimmte die öflentliche
meinung dermaszen, dasz .. Treitschke 3, 508. —
dero, s. der.
Derselbe, Fem. Neutr. die-, dasselbe, der nämiliche,
gleiche; zusammengeslossen aus der schwachen Pron.-Fornt
selbe (vgl. selber und selbst) mit dem Artikel, ahd. getrennt
der selbo, diu, daz selba, mhd. der, din, daz
selbe; noch im 16. Jh. ist die Trennung meist gewahrt,
wie bis heute auch beide Teile noch gesonderte Flexion
haben (desselben. derselben, demselben u. s. w.); Hauptton
auf selbe, aus dem Artikel nur bei besonderer Hervorhebung,
wenn das Wort in dem verstärkten Sinne dieser
selbe oder cben derselbe steht; Formverschleifung mit
Präpositiouen, aus an demselben am selben: chen am
selben tage gieng Noah in den kasten 1. Mos. 7, 13;
aus zu demselben, zu derselben, zum sclben, zur selben;
verläszt sie zur selben stunde Schiller Handschuh, in
neuerer Spr. mehr gemieden als angewendet; Bed. in
älterer Spr. oft nur nachdrücklicher als einfaches er, sie,
es auf ein vorhergegangenes Subst. bezogen: man kund
das wasser mehr denn umb drei hundert groschen verkauft
haben und dasselb den armen geben Marc. 14, 5;
und noch: wer durch sich selbst kann kcinen kranz
crreichen, der musz denselben ränkevoll erschleichen
Platen Oedip. 3, heute aber als steif empsunden; gewöhnlich,
wie schon früher, — der nämliche, auch verstärkt:
und saget zu jm eben dieselben wort I. Mos.
39, 17; dieselbe kleidung, dasselbe aussehen; der zweck
ist ganz derselbe. Erweitert auch derselbige, dieselbige,
dasselbige, viel in Luthers Bibel, in neuerer gewählter
Rede abgekommen. — derwegen, Adv. aus Genitivsügung,
wie derentwegen, deswegen (s. d.): lchelte
derwegen ein wenig Simpl. 3, 301; auch derowegen:
muste derowegen verbleiben 1, 394; jetzt vor deswegen
ewichen. — derweil, derweile, derweilen, unterdessen,
Adv. aus Genitivverbindung mhd. der wile (betont ler
weil und dérweil): derweilen interim, interea Stieler;
nehmen Sie doch auch derweile mein geld Lessing
Minna 3, 7; ists nicht ein mann, seis derweil ein galan
Goethe Faust 1; auch als Conj.: dasz ich erschlug
den groben wicht, derweil ihr eben schliefet Uhland
346. — derzeit, Adv. aus Genitivvrerbindung mbd. der
Zit, zu einer bestimmten Zeit, auf Vergangenheit oder
Gegenwart bezogen: er bewarb sich um eine stelle,
doch war derzeit keine frei; N. N., derzeit burgermeister.
— derzeitig, in bestimmter Zeit seiend: der
derzcitige burgermesster.
Dôsfalls, für diesen Fall, Adv. aus Genitivverbin-=dung:
ich soll ihn desfalls um verzeihung bitten Lessing
Minna k, 9. — déssallsig, diesen Fall angehend, neuer gebildetes,
kanzleimäßiges Wort: ibre desfallsigen wunsche
Preußen i. B. 1, 113. — desgleichen, von gleicher Art
oder Beschaffenheit, Nebensorm zu dergleichen (s. d.),
entstanden aus der mhd. Verbindung des geliche (Wigal.
135, 19); als unbiegbares Adi. und als Adv.: des
pleichen thut jr viel Marc. 7, 8; des gleichen reuchwerg
solt ir euch nicht machen 2. Mos. 30, 37; man
hat des gleichen vor zm vie gesehen Sir. 45, 15; desgleichen
thun, dasfelbe thun (Weish. Sal. 14, 1), aber
auch S so thun, sich den Anschein geben, sich merken
lassen: er that nicht desgleichen; — ebenso, in gleicher
Weise: ander vogel setzen sich auf jre köpfe, des
Rleichen auch die katzen Bar. 6, 21; relativ: hat solche
grosze strafe uber uns gehen lassen, des glcichen unter
allem himel nicht geschehen ist 2, 2.— deshalb, älter
deshalben, Nebenform zu derhalben (s. d.), mit Entdessenthalben
— deuten. 506
artung des Geu. der zu der Sing.-Form des, Beziehung
und Ursache bezeichnend: deszhalben, illius ergo Henisch;
si hetten deshalben kainen bevelch nit Aventin 2, 112;
relativ: deshalben der maist tail der bauren würn davon
geflohen 1, 456; auch deshalber: belud mich deszhalber
mit noch gröszern sorgen Simpl. 1, 303; unsere heutige
Form, zuerst bei Adelung ausgeführt, hat alle andern
verdrängt: eine meinung nur deshalb zu verwerfen,
weil sie von Luther behauptet worden Ranke Päyste
1, 199; mit um: das geschäft kostet dann weit weniger
zeit und ist schon um deszhalb profitlicher Immermaun
Münchh. 1, 129; relativ: deszhalb der mensch
auf seine cignen kräüfte durchaus verzicht zu thun ..
habe Goethe Du W. 15.— dessenthalben, dessentwegen,
dessentwillen, erweiterte Formen von deshalben, deswegen,
deswillen Adelung; dasz er dessentwegen
wurde rechenschaft geben mussen Simpl. 2, 254; um
dessentwillen sie vereinigt sind Schiller 4, 301.
Tösto, Verhältnis angebend vor Comparativen, um
so; entstanden aus Verbindung des Instrumentals diu
mit dem Gen. des des Artikels, ahd. des diu, dann
zusammengerückt desde, mhd. deste, später verderbt auch
dester: nichts dester minder Aventin 1, 365; oder bis
zu bloßem dest: ich wil mich .. dest basz halten
Wickram Rollw. 15, selbst des zurückgegangen: noch
halten sie die für des weiser Fischart Flöhhaz 257;
desto im 16. Ih. vorhanden: desto mehr Garg. 77; mit
um: ich babe es nicht gewuszt, dasz Sie zugegen wären;
um desto aufrichtiger ist mein bekenntnis Gellert
zärtl. Schw. 1, 2; später wär es nur um desto schlimmer
wordcen Goethe Tasso 1, 2; in Verbindung mit je: je
eher desto berer; je höher er stieg, um desto bescheidenter
wu de er. — deswegen, wie derwegen und
derentwegen, aus wegen (s. d.) mit allgemein hinweisendem
Gen. des zusammengerückt: deszwegen, von
deszwegen Henisch; ich blieb deswegen zu hause, um
ihn zu sehen; mit mundartlicher Färbung: desweg ist
es ja, dasz ich euch den hut binhalte Rosegger
Waldheim. 1, 09; in Verbindung mit doch, leichten
Gegensatz hervorhebend, milder als trotzcem: deswegen
kann ich ihn doch nicht brauchen Körner Nachtw. 1;
relativ: deswegen auch Ottilic so gern mit ihm wirkte
Goethe Wahlverw. 2,9.— déswillen, aus willen (s. d.)
mit dem Gen. des zusammengerückt, gewöhnlich mit um:
das anliegen, um deswillen wir gekommen sind; vgl.
derent-, dessentwillen.
Deuchten, s. dääuchten.
Deut, w. kleinste Scheidemünze in Holland, Cleve und
Geldern (480 auf den Thaler), holländ. duyt, duytken
(Kilian), niederd. dutjen (brem. Wö.), Qutge (Schottel);
auch ins Engl. als doit übergegangen; unsere Form der
deut teruncius hollandieus Steinbach, als Bild für
eine Kleinigkeit, ein Nichts: kcinen deut mehr Bürger
Kaiser u. Abt; ohne die welt um einen deut besser zu
hinterlassen Wieland Danischm. 13; keinen deut begebren
wir Geibel 1, 219.
Deutelei, f. kleinliche Deutung: deutelei und sophistorei
Luther Tischr. 10 Ib; angstliche deutelei Goethe
Tagb. 1795; trotz aller deutcleien Bismarck Reden
4, 14. — deuteln, kleinlich deuten: deutelen, phantasicren,
es stehet auf der alchymisten deutelen Henisch;
etwas: ein kaiserwort soll man nicht drehn noch deuteln
Bürger Weiber v. Weinsb.; an etwas: dasz
manches daran zu deuteln würe Goethe DuW. 9; an
seinem fahneneide deuteln Treitschke 1, 402.— deuten,
verständlich machen, eigentlich dem Volke *rnt- diota,
diot, mhd. diet) klar machen, übersetzen, zunächst bezüglich
des Lateins der Kirchen= und Gelehrtenspr., in welchem
Sinne es ahd. als diuten gebildet worden ist: insti-Ücationes
.. pe diu mugen uuir sie diuten frumercht
Notker Pf. 115, 5, um nachher in erweiterte Anwendung
zu kommen. 1) ursprüngl. Bed. (aus dem Latei-367